Gedanken zum Bruchmaterial
Im römischen Schalenmauerwerk stehen innen und außen gemauerte Schalen aus ganzen Ziegeln, während der Kern mit Steinbrocken und Ziegelbruch in einer Gussmasse gefüllt ist. Fein ausgesiebtes und vermahlenes Ziegelmehl tritt dem Mörtel als künstliches Puzzolan hinzu. Obwohl die römischen Ziegel höchstens um neunhundert Grad Celsius gebrannt wurden und damit weit unter der Brenntemperatur des Portlandzementklinkers bleiben, entstehen in der amorphen Phase bereits Kalzium-Aluminium-Verbindungen, die leicht hydraulisch wirken wie natürliche vulkanische Aschen. Hieraus ergibt sich eine Verwertung bis zum letzten Korn. Denselben Kern füllen in Hallstatt seit der Mitte des 18. Jahrhunderts Bruchstücke zylindrischer Ziegel, die als Stützen unter der Salzsudpfanne der Feuerlast nicht standgehalten hatten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ziegelbruch zerstörter Häuser wiederum nicht als Schutt verworfen, sondern zu Ziegelsplitt vermahlen und als Zuschlag für Beton verwendet, aus dem sich neue Steine und größere Bauteile gießen ließen. Beim Zurichten groben Bruchsteins zu annähernd quaderförmigen Stücken entsteht unvermeidlich Abschlag, der in die Fugen zwischen den größeren Steinen und zur Hintermauerung geht, damit möglichst viel Stein und wenig Mörtel das Gefüge bildet. Damit dieser Bruch statisch hält, braucht er eine Einfassung: äußere und innere Schale fassen den Kern, an der Sichtfläche bilden quaderförmige Ecksteine eine stabilisierende, aber auch optisch einfassende Kante. Als Bodenbelag liegen in den Arkaden der Wiener Staatsoper geborstene Kelheimer Platten in quadratisch eingefassten Feldern, deren Ränder aus unversehrten Platten bestehen. Richtig eingefasst erreicht das Bruchmaterial hinreichende Festigkeit und ergibt, mit handwerklichem Können gesetzt, darüber hinaus einen ästhetischen Mehrwert.
Link zur Episode über das sparsame Bauen.
Link zur Episode über den Kehlheimer-Boden.
Link zur Episode über das opus caementitium.
Kommentare
Neuer Kommentar