Ein paar Gedanken zum kleinen Baum, zu kleinen Häusern, zu kleinen Wohnungen. Wenn man sich die verschiedenen Epochen der Baugeschichte vor Augen führt und vergleicht, in welchen Dimensionen wurde zu bestimmten Zeiten gebaut, fällt auf, dass es Perioden gibt, in denen eher klein gebaut wurde und dass es Perioden gibt, in denen eher groß gebaut wurde. Zum Beispiel die Zeit des Biedermeier in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit, in der sehr klein gebaut wurde. In der davorliegenden Epoche des Barock und in der darauffolgenden Epoche des Historismus wurde sehr groß gebaut.
In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in den 1920er Jahren wurde sehr klein gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren wurde klein gebaut und es zeichnet sich hier schon ein Muster ab. Immer in Zeiten der materiellen Not sind die Häuser klein, sind die Wohnungen klein, sind die Räume klein. Die Erkenntnis ist ja nicht besonders sensationell, aber es drängt sich der Gedanke auf, könnte man nicht aus dieser Erkenntnis heraus prophylaktisch in einer Zeit, in der noch die Möglichkeit bestünde, groß zu bauen, bereits klein zu bauen und damit eine heraufdämmernde Krise vielleicht sogar noch etwas abfedern zu können.
Klein zu Bauen bedeutet natürlich geringeren Ressourcenverbrauch, einerseits Ressourcen, die wir der Natur entnehmen, wie der Boden, auf dem das Haus steht, aber auch die Baustoffe, die wir der Natur entnehmen, der Energie, die wir verbrauchen, aber auch der Ressourcen des von uns eingesetzten Kapitals. Also auch, wie lange will ich für das Haus arbeiten, wie lange will ich den Kredit abbezahlen. Groß zu Bauen befriedigt einerseits natürlich das Bedürfnis, in einer luxuriösen Umgebung zu leben, aber auch das Bedürfnis, mit einem großen Haus, mit einer großen Wohnung nach außen hin repräsentativ zu wirken.
Hier vielleicht ein etwas unorthodoxer Gedanke, aber muss es wirklich auch in Zukunft immer so sein, dass man mit groß auch gut repräsentieren kann? Oder ist nicht auch eine Zeit denkbar, wo dann in 10, 20 Jahren der oder diejenige, die etwas Großes vorzeigt, eher als ein unverschämter Ressourcenverbraucher stigmatisiert wird, als eine Person, die sich vielleicht etwas zu viel vom Kuchen genommen hat. Also für mich ist es durchaus denkbar, dass mittelfristig es nicht mehr repräsentativ sein wird, ein großes Haus und eine große Wohnung zu besitzen, sondern ein Haus, das sehr kompakt, sehr klug, mit sehr wenig Ressourcenverbrauch, dennoch sehr gut funktioniert. Und darum bin ich davon überzeugt, es liegt Zukunftspotenzial darin, kleiner zu bauen und dabei vielleicht etwas größer zu denken.