Kühlen mit Abwasser
In Gebieten, in denen der Niederschlag abnimmt und gleichzeitig gefordert wird, dass zugeführtes Wasser das Grundstück nicht mehr verlässt, entwickeln sich dezentrale Aufbereitungssysteme für Grau- und Schwarzwasser, die auf biologischen Prozessen beruhen. Das Abwasser wird zunächst auf eine wöchentlich erneuerte Strohschicht geleitet, wo es mit Sauerstoff angereichert wird und feste Bestandteile bereits teilweise aufgelöst werden, bevor es in eine darunterliegende Schicht aus porösem Schotter sickert, die als Trägermaterial für dichte Bakterienkulturen dient. Daraus resultierend entstehen geruchlose Anlagen, in denen Methanbildung von vornherein vermieden wird, weil die Mikrofilme aerob arbeiten und die Fäkalien vollständig abbauen. Demzufolge bleiben die nachfolgenden Absetzbecken in der Praxis weitgehend frei von Feststoffen. Anschließend gelangt das Wasser stoßweise in eine Pflanzenfilterkläranlage, die vertikal durchströmt wird und in der weitere Bakterienkulturen sowie ausgewählte Pflanzen komplexe Schadstoffe und Hormone aufspalten. Infolgedessen entsteht ein Wasser, das noch Phosphor und weitere Nährstoffe enthält und das auch im Winter, gestützt durch die Wärmeentwicklung der Bakterien, bei Temperaturen um fünfzehn Grad zuverlässig weiterproduziert wird. Dieses nährstoffreiche Wasser eignet sich in besonderem Maße zur Bewässerung umfangreicher grüner Strukturen in der Stadt, sodass ein einzelnes Haus mit rund hundert Bewohnern ausreicht, um eine hundertfünfzig Meter lange Straße einschließlich der Dächer und überspannender Pergolen in einen durchgehenden grünen Teppich zu verwandeln. Dementsprechend lässt sich die Verdunstung an den Blattflächen so steigern, dass innerhalb einer einzelnen Straße messbare Kühlungseffekte von etwa drei Grad auftreten. Hieraus ergibt sich die Möglichkeit, künftig Pflanzen zu wählen, die bewusst viel Wasser verdunsten und dadurch die Verdunstungskälte maximieren, anstatt auf rein hitzeresistente, wasserarme Arten zurückzugreifen. Überschüsse können zugleich in die Klospülung zurückgeführt werden, wodurch der Trinkwasserverbrauch um ein Viertel bis ein Drittel sinkt. Die Überschüsse lassen sich auch in Schwammstadt-Strukturen einspeichern, die in längeren Trockenperioden sonst an ihre Grenzen stoßen würden. So entstehen dezentrale Knoten, die jeweils eigenständig funktionieren und sich bei Bedarf zu einem resilienten Netzwerk verbinden lassen, ohne dass dazu zentrale Großstrukturen erforderlich wären.
Link zu Gernot Mittersteiner.
Link zu einem Übersichts - Text zur Kühlung der Städte mit Abwasser aus Pflanzenkläranlagen:
Link zum Forschungsprojekt zur Kühlung der Städte mit Abwasser aus Pflanzenkläranlagen:
https://www.researchgate.net/publication/400250407_WATER_RECYCLING_AND_URBAN_COOLING
Link zur Episode zu den Mustersprachen des Bauens mit Gernot Mittersteiner.
Link zur Episode zur Schwammstadt Graz.
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