Simple Smart Buildings

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In der Mitte der 2020er Jahre sind die Preise für‘s Bauen stärker gestiegen als die übrigen Preise. Daher denke ich, dass eine Episode über sparsames Bauen durchaus sinnvoll und interessant ist. Einem Gast meines Podcasts, dem Statiker, Diplom-Ingenieur Michael Burz, verdanke ich den wirklich interessanten Hinweis auf die DIN-Norm 4120, welche im Juni 1948 in Kraft getreten ist, längst zurückgezogen ist. Und diese DIN-Norm trägt den bezeichnenden Titel „Sparsames Bauen“. Und ich habe mir jetzt diese Norm bestellt, habe sie sorgfältig durchgelesen, und finde sie von mehreren Aspekten her sehr interessant.

Es ist einerseits natürlich ein sehr, sehr spannendes Zeitdokument, in welchem die Situation der Bauwirtschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sehr plastisch dargestellt wird. Sie liefert auch, denke ich, gute Erklärungen dafür, wie nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde, natürlich mit der Absicht sparsam zu bauen, wie aber dann diese Strategien auch in der Zeit des Wirtschaftswunders, wo dann so ein sparsames Bauen nicht mehr notwendig war, weitergetragen wurde, wie möglicherweise aus dieser Haltung heraus auch eine ganz bestimmte Architekturform, die jetzt in weiten Bereichen unser allgemeines Architekturbild prägt, entstanden ist. Und ich denke, sie enthält sehr interessante Ansätze, wie man wirklich sparsam bauen kann, die jetzt, 80 Jahre nach ihrem Erscheinen, immer noch interessant und überlegenswert sind.

Die Ausgangssituation, in der diese Norm entstanden ist, sind die zerstörten Städte in Deutschland, die während des Zweiten Weltkriegs durch alliierte Bomberangriffe zerstört wurden. Und es ist diese natürlich auch gesellschaftspolitische Situation, dass aus den ehemaligen Ostgebieten viele Menschen vertrieben wurden, also dass einerseits viele Wohnungen zerstört waren, andererseits ein extrem hoher Bedarf an Wohnraum bestand, dass man also vor dem Problem stand, mit minimal zur Verfügung stehenden Mitteln in sehr schneller Zeit möglichst viel Wohnraum zu schaffen. In diesem Umfeld ist eben diese DIN 4120 „Sparsames Bauen“ entstanden. Sie bezieht sich, denke ich, schon sehr stark speziell auf die Problematik in den Städten. Und da war ja die alliierte Bombertaktik so, dass man in mehreren Angriffswellen ganz systematisch große Brände ausgelöst hat. Also die Idee war, in der ersten Welle wurden sogenannte Sprengbomben bzw. Luftminen, sogenannte Blockbuster, abgeworfen, die einerseits durch ihre Druckwellen die in erster Linie ziegelgedeckten Dächer abdeckten, sodass die hölzernen Dachkonstruktionen, die Dachstühle mit der Dachlattung, offen da lagen und dass darüber hinaus die Fenster zerbarsten. In der zweiten Welle wurden dann Brandbomben abgeworfen, mit denen dann die Dachböden in Brand gesetzt wurden und durch die zerstörten Fenster natürlich entsprechender Sauerstoff ins Gebäude eindringen konnte, dass eine entsprechende Anfachung durch Kaminwirkung und Sauerstoffzufuhr des Brandes geschah. Ein weiterer Faktor, der hier noch eine Rolle spielte, der vielleicht weniger beachtet wird, das ist die Funktion der Stiegenhäuser. Die vertikale Erschließung der Gebäude erfolgte in diesem - und die hauptzerstörte Substanz in den deutschen Städten während des Zweiten Weltkriegs ist natürlich die Bausubstanz, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts, zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden sind, das sind diese Gründerzeitbauten. Und diese Gründerzeitbauten zeichneten sich neben ihren hölzernen Dachstuhlkonstruktionen auch durch hölzerne Stiegenhäuser, Stiegenkonstruktionen aus. Die Brandlast dieser hölzernen Stiegen, die war dafür verantwortlich, dass sich dann das Feuer vom brennenden Dachstuhl nach unten, vertikal durch das ganze Gebäude ausbreiten konnte. Genau dieser Umstand, also wie diese Gebäude zerstört wurden, das spiegelt sich in dieser DIN-Norm 4120 wieder, dass eben immer wieder in vielen Punkten darauf hingewiesen wird, kein Holz zu verwenden, also kein Holz für Dachstühle zu verwenden, da werden gering geneigte Dächer empfohlen, also entweder mit preußischen Kappen oder auch aus Betonteilen, Betonfertigteilen, die man dann einfach mit Bitumenpappe deckt. Also dass hier die Brandlast der Dachkonstruktionen wesentlich reduziert wird und auch immer wieder der Hinweis auf die Stiegenhäuser, hölzerne Trittstufen durch unbrennbare steinerne Trittstufen zu ersetzen.

Ich denke aber auch, ein weiteres Thema, und das ist auch ein Element, das sich durch diese Norm immer wieder durchzieht, das ist die Einsparung an Kohle. Also es bestand damals eine extreme Energieknappheit. Und dieses Einsparen an Energie, das zieht sich natürlich in die Produktion. Also das heißt sparsames Verwenden von Baustoffen, das werde ich dann auch noch im Laufe dieser Episode wirklich detailliert besprechen, aber auch Reduktion der Transportwege. Und da haben wir natürlich wieder beim Holz das Thema. Ich glaube, dass in dieser Norm der Holzverbrauch so massiv zurückgedrängt wird, auch aus der Tatsache entstanden ist, dass natürlich von diesen zerstörten Städten Wälder relativ weit weg waren, dass also auch der Antransport des Bauholzes in die Städte sehr schwierig war. Und dass man daher auch darauf gedrängt hatte, also die Holzersparnis ging auch dahin, dass man zum Beispiel den Verbrauch von sogenannten Vorhalteholz, also das ist Holz, das man auf der Baustelle einfach braucht, zum Beispiel auch für Schalungen, für Betonagen, dass man das möglichst reduziert, dass man mit Trennmitteln einstreicht, dass man dieses Schalungsholz mehrfach verwenden kann, dass man keine hölzernen Gerüste mehr baut, sondern nach Möglichkeit Stahlrohrgerüste verwendet, dass man auch das, denke ich, ist sehr interessant, das Ausschlachten der Brandruinen. Also da ist ja das Thema, auch hier eine ganz klare Vorgangsweise, natürlich zuerst Instandsetzung und da denke ich, also Instandsetzung vor Neubau und da denke ich, das ist schon eine Strategie, die heute noch genauso Bedeutung hat für das sparsame Bauen. Hier wird eine Art Triage vorgeschlagen, also einfach ein Prüfen der Gebäude, in welchem baulichen Zustand sind sie, wie groß ist der Grad der Zerstörung, ist das Herrichten noch effizient jetzt im Vergleich zum Neubau. Das, denke ich, ist aktuell genauso eine Strategie, dass man sich einfach einen Bestand ansieht, sagt, was ist das Ziel, wo möchte ich hin, wie viel muss ich hineinstecken oder ist es günstiger abzubrechen. Also hier einmal diese erste Entscheidung und wenn dann die Entscheidung zum Abbruch gefallen ist, dann aber wirklich das Ausschlachten des Abbruchs, also so wenig wie möglich zu deponieren, das ist einerseits bei den Ziegeln. Also diese zerstörten, vor allen Dingen Gründerzeitbauten, die waren ja aus Vollziegel in Kalkmörtelmauerwerk errichtet. Das heißt, da konnten ja sehr, sehr viele Ziegel zurückgewonnen werden, weil die Bindekraft des Kalkmörtels nicht so hoch ist wie jene von zementhaltigen Mörteln, dass man also Mauern zerlegen konnte, das Wiederverwenden der Ziegel. Dann ein großes Thema, das Verarbeiten des Ziegelbruchs zu Ziegelsplitt, wobei einerseits das Thema ist, wie schaffe ich den Schutt der Ruinen aus den Städten weg und wie schaffe ich Baumaterial in die Städte. Und da ist es natürlich von der Optimierung der Transportkosten natürlich das Günstigste, dieses Schuttmaterial, diese Ziegel an Ort und Stelle mit einem Brecher zu zerkleinern, aus diesen Bruchziegeln einen Ziegelsplitt zu erzeugen. Und dieser Ziegelsplitt, der ist dann das Ausgangsmaterial für zum Beispiel Schüttwände, das heißt man stellt Schalungen her, vermischt Ziegelsplitt sehr sparsam mit Zementleim, und befüllt dann diese Schalungen, also Schüttwände. Dann das Herstellen von großformatigen Mauersteinen aus diesem Ziegelsplittmaterial und das Herstellen von relativ fußwarmen Estrichen, wobei dieser Ziegelsplitt auch als Zuschlag zu gipsgebundenen, zu Anhydritestrichen gegeben wurde.

Bei den Hölzern ist es so, die Hölzer, die aus diesen Brandruinen gewonnen wurden, da galt es einmal zu klassifizieren, also so wie wir heute beim Bauholz Sortierklassen kennen, auch hier zu sortieren, welche Qualität besitzt das Holz. Und ein Detail: angekohlte Balken, wenn die Ankohlung nicht stärker war als waldkantige Balken, durften die von der Statik her genauso gut bewertet werden. Das heißt, wir kennen ja dieses Phänomen, es gibt entweder die Möglichkeit, dass man ein Kantholz scharfkantig aus einem Rundholz heraus schneidet oder die Möglichkeit, dass man aus einem schwächeren Rundholz nur vier Schwartlinge abtrennt, also dass das verbleibende Kantholz am Rand noch sogenannte Waldkanten hat. Weil man aber in diesem Fall einen durchgehenden Faserverlauf garantiert hat durch die Waldkanten, kann man ein solches Holz statisch genauso gut bewerten, wie wenn es scharfkantig wäre. Und ähnliche Erleichterungen wurden dann eben auch für angekohlte Balken in der Norm gestattet. Darüber hinaus war grundsätzlich diese Vorgangsweise nicht nur beim Holz, das ging bei den Stählen so, dass man einerseits die zulässigen Spannungen, also dieses Sigma zulässig, so hoch wie möglich ansetzte und die Lastannahmen, die sogenannten Verkehrslasten, die Nutzlasten so gering wie möglich. Wir haben ja auch heute noch in der Statik solche sogenannten semi-probabilistischen Ermittlungsverfahren, wo man einerseits, um ja sicher zu gehen, die Zugspannungen, die zulässigen Zugspannungen möglichst nieder ansetzt. Beim Holz ist das oft nur ein Drittel dessen, was das Holz tatsächlich kann und die zu erwartenden Lasten möglichst hoch, damit hier ein sehr hoher Sicherheitsfaktor gegeben ist, aber damals hat man es genau umgekehrt gemacht. Man ist eben wirklich an die Grenzen gegangen und hat vielleicht etwas weniger Sicherheit riskiert, aber dafür natürlich die Baustoffe wesentlich besser ausgenutzt und wesentlich weniger Baustoffbedarf. Und dadurch natürlich konnte man sparsamer bauen. Und dasselbe, was ich jetzt fürs Holz gesagt habe, das ging auch für Baustahl, auch hier aussortieren, welche Stahlqualitäten, das konnte man früher relativ gut. Da gab es die Baustähle, die Betonstähle, die nach römischen Ziffern qualifiziert wurden, da gab es Stähle der Klasse römisch IV, der Klasse römisch V. Und da konnte man durch die Gewinderichtung der Torsion, also das waren diese verdrehten, diese Torstähle, diese Torsionsstähle, ob die ein Rechts- oder Linksgewinde hatten, konnte man quasi aus der Geometrie, der äußeren Geometrie des Baustahls gleich seine Festigkeitsklasse feststellen und die auch wieder entsprechend sortieren. Was auch in dieser Norm drinnen steht, ist, dass Stahlbetonbauten diesen Bombenangriffen wesentlich besser standgehalten haben als traditionelle Ziegelbauten. Also hier auch der ganz konkrete Hinweis in dieser Norm, gerade bei Stahlbetonbauten ist es meistens der Fall, dass man sie weiterverwenden kann und ich glaube daraus auch die Konsequenz zu sagen, wir machen möglichst viel in Stahlbeton. Also hier, das zieht sich in der Norm immer wieder durch, genormte Bauteile, möglichst genormte Schalungen, genormte Grundrisse und da denke ich, da zeichnet sich das für mich schon ganz klar ab, was dann in den 1950er, 1960er Jahren vor allen Dingen auch im ostdeutschen Bereich wirklich gebaute Wirklichkeit wurde, diese sogenannten Plattenbauten, wo man aus dieser Nachkriegsnot heraus dann letztlich eine Tugend machte. Ob das wirklich eine Tugend war, das kann man natürlich zur Diskussion stellen, aber das ist dann eigentlich die Standardvorgangsweise geworden. Es galt alle Bauarbeiten in einfachster Form, also wirklich ganz stark zweckorientiert. Und das, denke ich, ist eben ja auch das, was sich in dieser Nachkriegsarchitektur immer wieder abzeichnet.

Es ist auch das Thema der Provisorien und ich glaube, das wird überhaupt einmal eine eigene Episode dieses Podcasts werden: über Provisorien. Es wird gesagt, natürlich sollte man mit Provisorien das Auslangen finden, aber die Provisorien wohlüberlegt. Also dass man nicht ein Provisorium schafft, das man dann in einigen Jahren wieder wegreißen muss und durch etwas anderes ersetzen, sondern wirklich Provisorien, auf denen man aufbauen kann. Zum Beispiel bei den Böden, da sagt man, man macht anfänglich eben nur Estriche aus Ziegelsplitt, die jetzt sicher keine optimalen Böden sind, aber die zumindest schon etwas fußwarm sind. Da geht es einfach um diese sogenannte Effusivität, dass verschiedene Werkstoffe unterschiedliche Wärme-Eindringgeschwindigkeiten haben. Das hängt mit der Temperaturleitfähigkeit zusammen. Und da sind eben Zuschläge von porösem Ziegelsplitt, die machen diese Effusivität gering und diese Böden sind eben fußwarm. Aber auf diese Böden als Provisorium, die sollen so ausgeführt werden, dass man später dann ein Linoleum auflegen kann. Also hier dann eine Verbesserung durchführen kann, ohne das ursprüngliche Provisorium zu entfernen. Oder bei Heizungen grundsätzlich in dieser Nachkriegsnot nur Einzelofenheizung und da nur für diese Heizungen notwendigen Rauchfänge; also auch bei den Gebäuden nur die Rauchfänge, die notwendig sind, instandsetzen, die anderen außer Betrieb nehmen. Zunächst Heizen mit mit Einzelöfen, aber schon in der Planung eine Zentralheizung berücksichtigen und entsprechende Installationsschlitze zu mauern, die man dann später nicht mehr stemmen muss.

Und auch das ist ein wichtiges Element dieses sparsamen Bauens, die sehr genaue Planung. Also einerseits, das habe ich schon erwähnt, dieses Typisieren der Grundrisse, dann zum Beispiel möglichst kleine Stützweiten für Träger, eher Zwischenstützen in Räumen einführen, keine großen Spannweiten, weil man dann natürlich weniger zum Beispiel Betonstahl braucht. Eine Idee in der Statik ist auch noch der Verzicht auf Druckstäbe. Wenn man auch in der Druckzone, also dort wo der Beton eigentlich die Druckkräfte im Regelfall übernimmt, dass man auch dort Stahlstäbe einlegt, dass man also quasi sowas ähnliches bekommt wie einen I-Träger, und dann kann man die Bauhöhen reduzieren. Man braucht natürlich zusätzlichen Betonstahl in der Druckzone - der war knapp. Daher die Forderung, höhere Bauteile und in der Druckzone keinen Stahl einzulegen. Auch hier wieder die Forderung, möglichst gleich hohe, gleichmäßige, normierte Träger, Fertigteile. Diese genaue Planung, auch haustechnisch bis ins Detail. Da, denke ich, kann man auch heute eine Parallele zu Möglichkeiten des sparsamen Bauens ziehen, möglicherweise sogar in die Zukunft. Weil da denke ich, dass in der Planung jetzt schon und in den späten 2020er Jahren sicher immer mehr künstliche Intelligenz in diese Planungsprozesse einbezogen wird. Dass also einerseits aus Bibliotheken, riesigen Bibliotheken von idealen Mustergrundrissen, eine Optimierung des Grundrisses durchgeführt werden kann. Dass man dann, wenn das Haus einmal geplant ist, auch zum Beispiel haustechnische Planungen grundsätzlich einmal mit KI zum Großteil erledigen wird können. Dass man aber dann aus dieser perfekten Planung wirklich 3D-Modelle generieren kann, die so hochwertig, die so genau sind und dass man durch diese Modelle dann in Virtual oder Augmented Reality durchgehen kann und dann wirklich in diese Häuser so genau hineinspüren kann, ob das dann wirklich das Haus ist, das man will. Dass dann irgendwann einmal der Punkt ist, wo die Planung fixiert ist. Und das, denke ich, ist zum Kostensparen ganz, ganz wichtig. An dem Punkt sagen, so und jetzt ist die Planung so fixiert und es wird nichts mehr geändert und es wird nach Plan ausgeführt.

Natürlich damals die Räume kleiner, die Quadratmeter pro Person wesentlich weniger. Also natürlich auch diese Stellschraube beim Bedarf, wie viel braucht man, das ist natürlich ein ganz wichtiger Faktor für das sparsame Bauen. Von den Sicherheitsanforderungen stehen eigentlich drei wichtige Bereiche in dieser Norm 4120 vom Juni 1948. Das ist einmal die Standsicherheit. Da habe ich ja jetzt schon einige dieser Themen der Standsicherheit, der Statik besprochen, an welchen Stellschrauben da gedreht wurde, um sparsam zu bauen. Und dann die Feuersicherheit. Das denke ich, das ist einfach der Horror von diesen riesen Bränden des Zweiten Weltkriegs. Wie bekommt man die Gebäude wirklich feuersicher, aber auch schon Wärme- und Schallschutz? Wobei der, werde ich dann noch ein paar Beispiele nennen, durchaus reduziert war.

Dann steht ganz eindeutig drin, lokal vorhandene Baustoffe verwenden, also um die Transportkosten zu reduzieren. Und einen Satz, den erlaube ich mir wörtlich aus dieser Norm zu zitieren, es ist ja bei diesen Normen urheberrechtlich immer sehr schwierig, man findet ja die auch nicht im Internet. Ich werde in die Show Notes dieser Episode auch einen Link zum Deutschen Normungsinstitut stellen, wo man sich einen Scan dieser Norm um etwa 35 Euro bestellen kann, wenn es einen wirklich so interessiert, dass man in die Tiefe gehen kann. Aber ich erlaube mir, einen Satz zu zitieren. Und diesen Satz hat mir auch der Kollege Michael Burz, mit dem ich ja auch eine Episode über Statik aufgenommen habe. Zu dieser Episode stelle ich auch einen Link in die Show Notes. Und der hat mich mit diesem Zitat aus dieser Norm eigentlich wirklich darauf neugierig gemacht. Und da heißt es: „Aus Schönheitsgründen allein dürfen keine Baustoffe zusätzlich verwendet werden.“ Das ist natürlich sehr, sehr brutal und das will ich letztlich dann auch vielleicht als Schlussgedanken dieser Episode diskutieren. Wie viel soll man an der Schönheit sparen oder wie teuer ist die Schönheit eines Gebäudes?

Ein Thema, wo man auch definitiv gespart werden kann, damals wurde und auch heute, das sind die Bindemittel. Es wird zum Beispiel hier über den Zement angeregt, Zement wirklich nur dort verwenden für Betonteile, als Bindemittel in Mörteln, nur dann, wenn eine hohe Druckfestigkeit erforderlich ist. Denn im Zement steckt ja extrem viel Energie. Im Zement steckt auch ein sehr, sehr hoher CO2-Ausstoß. Und ich denke, dass das Bindemittel Zement auch in den nächsten Jahren, Jahrzehnten immer teurer wird und dass ein überlegter Zementeinsatz sicher auch ein Faktor ist, wo man sparen kann. Das gilt genauso, steht auch in dieser Norm für hochhydraulische Bindemittel, in denen ja ähnlich viel Energie drin steckt. Anstelle dessen wurde zum Beispiel die Verwendung von sogenannten Karbidkalk angeregt. Karbidkalk ist ein industrielles Abfallprodukt, das aus der Hydrolyse bei der Herstellung von Acetylengas, also diesem Schweißgas entsteht. Der ist so blau-grau, aber ist letztlich auch Calciumhydroxid, also genauso als Kalk verwendbar und der wurde auch verwendet, aber es wurde beim Mörtel insofern auch gespart, dass die Außenputze in Frage gestellt wurden. Also bei Fassaden nur die Fugen glatt verstreicht und nur, wo großer Schlagregen zu erwarten ist, Außenputze. Oder ein Thema, Kellerdecken nicht zu verputzen. Und da schließt sich auch für mich der Kreis in die Kindheit. Meine Eltern haben in den späten 1950er, frühen 1960er Jahren Haus gebaut und im Haus, in meinem Elternhaus, da war auch die Kellerdecke nie verputzt, also diese rohe, unverputzte Kellerdecke, da denke ich, das ist schon auch ein Element aus dieser Zeit. Oder auch, kann ich immer an meiner Kindheit noch erinnern, an die unverputzten Häuser. Also dass man aus Gründen des sparsamen Bauens das Haus vorerst einmal im Rohbau hergestellt hat, ohne es außen zu verputzen, das war bei meinem Elternhaus genauso. Zu überlegen, in welche Ausbaustufe bringe ich mein Haus? Man hat einige Jahre drinnen gewohnt und erst, wenn man wieder das Geld gespart hat, um sich den Außenputz leisten zu können, dann wurde erst außen geputzt. Wann bin ich zufrieden? In welchem Stadium muss der Bau sein, dass ich bereit bin einzuziehen, wo noch nicht alles perfekt ist? Ich kann mich erinnern bei der Haussanierung, die ich gemeinsam mit meiner Frau in dem Haus, in dem wir jetzt leben, durchgeführt haben. Da haben wir auch 30 Jahre quasi auf der Baustelle gewohnt, wo immer ein, zwei Zimmer bewohnbar waren und der Rest war Baustelle. Aber mit dieser Strategie mussten wir zum Beispiel keinen Kredit aufnehmen und konnten durch langsames Bauen die Bauausgaben aus den laufenden Einkünften finanzieren. Also da denke ich, das ist sicher auch heute noch und in Zukunft eine durchaus bedenkenswerte Strategie für das sparsame Bauen. Was dann bei den Bindemitteln noch dazu kommt, viel Gips zu verwenden, weil da braucht man nicht so viel Energie, höher gebrannte Anhydritestriche. Es war auch zum Beispiel ein Thema, das Zugeben von Braunkohleasche zu Mörteln. Das wird heute standardisiert als Zumahlstoff zu Zementen. Also auch das ist erhalten geblieben, industrielle Abfallprodukte dann in die Bindemittel, in Baumaterialien einzubauen.

Ein eigenes Kapitel ist der Lehmbau. Das heißt, hier wird auf alle Fälle der Lehmbau für eingeschossige Gebäude wieder propagiert und zum Beispiel für landwirtschaftliche Nutzbauten. Für Nutzobjekte, werden auch gestampfte Lehmböden als hinreichend vorgeschlagen. Dieser Lehmbau, also dieser Einsatz des Lehmbaus, der hat sich offenkundig dann jahrzehntelang nicht durchgesetzt. Also das war vielleicht wirklich nur in der Not nach dem Zweiten Weltkrieg, aber dann bekam Lehm, glaube ich, doch relativ schnell das Image des Arme-Leute-Baustoffes oder diese gestampften Lehmböden, das kenne ich auch noch aus meiner Kindheit, dass man halt verächtlich gesagt hat, ja, die haben nur einen gestampften Erdboden, also einen gestampften Erdboden verwendet. Das hat dann erst wieder, fast bis zur Jahrtausendwende gedauert, bis sich dann Lehm doch langsam wieder etabliert hat.

Bei den Instandsetzungsarbeiten habe ich eben schon genannt, diese Triage, dass man vorher einmal überprüft, was ist noch brauchbar. Dann sofort als erste Maßnahme die Dachinstandsetzung. Und das denke ich auch, wenn man ein altes Objekt kauft, das man sanieren möchte, ist natürlich der erste Schritt, das Dach zu sanieren, das von oben keine Feuchtigkeit mehr eindringen kann und erst dann die weiteren Schritte zur Instandhaltung in Angriff nimmt. Dann, damals aus den genannten Gründen, dem Brennen der Dachstühle, Dachstuhlinstandsetzungen sollten nicht durchgeführt werden. Es wurde bewusst eine Ausnahme für historisch-kulturell wertvolle Gebäude, für den Denkmalschutz gemacht. Da wurden noch Steildächer zugelassen und teilweise auch für landwirtschaftliche Gebäude, wo man einen entsprechenden Bergeraum in den großen Dachböden brauchte. Dann wurde zum Beispiel vorgeschlagen, in dieser Norm, beschädigte Gesimse abzuschlagen, glatte Fassaden zu schaffen. Und da sind wir wieder bei diesem Thema, wie verändere ich die Außenwände?. Wenn man zum Beispiel, ich kenne es aus Wien, mit offenen Augen durch diese Gründerzeitviertel geht, dann sieht man immer wieder diese Häuser, die offenkundig noch Gründerzeitsubstanz sind, aber keine Gesimse besitzen, sondern glatte Fassaden, die sind möglicherweise eben dann als Sparmaßnahme abgeschlagen worden oder dann auch, wo diese Art zu bauen Mode wurde, möglicherweise auch aus Geschmacksüberlegungen.

Und bei dieser Instandsetzung, es sollten nur möglichst Wohngebäude vorrangig instand gesetzt werden, die aus der Zwischenkriegszeit stammen, also zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Weil da waren die Wohnungen schon kleiner. Man sah damals bei den Zerstörungen in den Städten, dass hauptsächlich auch diese großen Gründerzeithäuser mit ihren großen Wohnungen beschädigt waren. Und dass man natürlich in diese Wohnungen pro Kubikmeter umbauten Raum nicht so viele Menschen unterbringen konnte: also niedrige Raumhöhe, kleine Wohnungen. Und da kommen wir auch genau zu diesen Wohnbauten, die dann in den 1950ern wirklich in der großen Breite ausgerollt wurden. Es heißt, wenn Türen groß sind, verkleinern, Fenster verkleinern, keine Doppelfenster, also hier keine Verbundfenster, keine Doppelfenster, keine Kastenstockfenster, Einfachverglasungen. Also auch hier wird wieder extrem gespart. Da denke ich, da sollten wir heute schon überlegen. Gut, wir haben natürlich mit diesen Thermogläsern auch die Einfachverglasungen, aber da gibt es ja in diesen Podcasts einige Episoden auch zur Energieeffizienz von Doppelfenstern. Da will ich mich jetzt nicht vertiefen. Es wird auch in dieser Norm geschrieben, keinen Sonnenschutz, also keine Klappläden, keine Rollläden. Also da wird auch an Dingen gespart, wo ich heute denke, naja, da ist es vielleicht nicht so klug. Also natürlich dieser kritische Blick auf diese Norm, wo ist es ein Sparen am falschen Ort und wo bringt es etwas?

Ein weiteres Thema ist zum Beispiel keine Einfriedung. Keine Zäune, hier erlaube ich mir wieder zu zitieren. Gitter sind nur dort zulässig, wo sie als „Schutz gegen Ein- bzw. Ausbrechen“ dienen. Sonst kein Baumaterial für Einfriedungen, für Zäune. Hier werden einfach Hecken vorgeschlagen. Ein Thema bei den Neubauten ist auch noch die Standortwahl. Also schauen, dass guter Baugrund vorhanden ist, dass man keine Pfahlgründungen, keine aufwendigen Gründungen für die Gründungen möglichst nur unbewehrten Beton verwenden. Es sollten auch bei den Neubauten bestehende Infrastrukturen verwendet werden. Also bestehende Straßen, bestehende Leitungsnetze. Das sind ja auch Themen, die heute noch für das sparsame Bauen Bedeutung haben. Also nicht irgendwo auf der grünen Wiese bauen, wo man noch zusätzliche neue Infrastruktur braucht, sondern in bereits erschlossenen Gebieten Objekte saniert, bei den Straßenbelägen, bei dieser Form des sparsamen Bauens nur wassergebundene Decken. Also das denke ich auch, wenn man schon bei einem Haus eine Zufahrt hat, kann man sich schon überlegen, muss die eine Bitumenkiesdecke haben, muss die gepflastert sein oder reicht nicht auch die wassergebundene Decke. Dann auch das Vermeiden von Auskragungen, also Balkone zum Beispiel nicht Instandsetzen, weil das sind alles aufwendige statische Konstruktionen, die relativ viel Geld kosten.

Für mich stellt sich jetzt die Frage, wie weit ist Sparen sinnvoll und wo wird der Punkt erreicht, wo dann Sparen eigentlich nicht mehr sinnvoll ist. Diese Dinge, dass man zum Beispiel aus Schönheitsgründen überhaupt keine Baustoffe einsetzt, das geht bis zu einem gewissen Grad. Ich glaube zum Beispiel, dass schlechte Proportionen von einem Gebäude, von Fenstern, dass die nicht billiger oder teurer sind als gute Proportionen. Also man kann einen Entwurf mit der Wahl der Proportionen durchaus Ästhetik erzeugen, ohne weitere Kosten zu verursachen. Man kann mit der Untergliederung, also für mich ist ein sehr spannendes Thema das Thema der fraktalen Strukturen, also dass man Dinge in sich selbst abbildet. Beispiel eben bei diesen traditionellen Kastenfenstern, der Fensterstock als die große Struktur, dann in sich selbst abgebildet, aber kleiner, der Fensterflügel, dann die Fenstersprosse, dass man, wenn man beim Entwurf solche Fraktalmuster in ein Gebäude einbaut, durchaus auch mit relativ wenig Kostenaufwand trotzdem mehr Schönheit zusammenbringt. Und wenn man aber jetzt wirklich in das klassisch-traditionelle Bauen gehen will und zum Beispiel zum Thema Gesimse kommt, dann haben ja die Gesimse nicht nur eine ästhetische Wirkung, sondern, wenn sie richtig ausgeführt sind, dienen ja die auch dem konstruktiven Gebäudeschutz, dass eben Wasser nicht über die ganze Fassade läuft, sondern entsprechend abgeleitet wird. Also ich glaube schon, dass viele Dinge aus dieser Norm, diese Vereinfachungen, diese Normierungen, diese glatten Fassaden, dieser unverputzte Beton brut, dass die dadurch, dass sie gebaut wurden, zur gebauten Wirklichkeit wurden, dass quasi aus der Not heraus eine relativ arme, teilweise brutalistisch - ist vielleicht übertrieben - aber wirklich eine Formensprache entstand, die dem vorherigen Ansetzen der Ästhetik eines Gebäudes widersprach, aber aus der Notsituation allgemein akzeptiert wurde. Und dann hat das Fuß gefasst. Ich glaube, dann hat die Bauwirtschaft gemerkt, man kann aus dem sparsamen Bauen auch ein billiges Bauen machen und man kann billigeren Wohnraum möglicherweise mit mehr Gewinn verkaufen. Und so, denke ich, haben sich die Wertigkeiten verschoben für das neue sparsame Bauen, das jetzt, denke ich, sicher für viele Menschen ein Gebot der Zeit ist, wenn man sich ein Haus bauen möchte. Da, denke ich, kann man aus dieser Norm sich einiges herausholen, aber einiges sollte man auch, denke ich, durchaus kritisch hinterfragen, dass der Schuss des sparsamen Bauens nicht nach hinten losgeht.

Über diesen Podcast

Simple Smart Buildings steht für Gebäude die einfach und dauerhaft gebaut sind. Für die Generationen vor uns war es ganz normal mit einfachen Mitteln dauerhafte Gebäude zu errichten. Diese Art zu bauen hat sich über Jahrhunderte bewährt und wir können daraus lernen. In den verschiedenen Regionen entwickelten sich aus lokal vorhandenen Baustoffen resiliente Baukonstruktionen und Gebäudetypen, welche Jahrhunderte überdauert haben und gerade deshalb immer noch eine hohe Nutzungsqualität bieten. Dieser Podcast erzählt von Möglichkeiten einfach gut zu bauen.
Ab Folge 140 ist für jede Episode ein redaktionell bearbeitetes Transskript hochgeladen.

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von und mit Friedrich Idam und Günther Kain

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