00:00:00: Bei der Lektüre des durchaus empfehlenswerten Buchs Antifragilität von Nassim-Nicholas Taleb, bin ich auf den Begriff der Präkolage gestoßen.
00:00:17: Taleb erwähnt ihn in Zusammenhang mit dem Molekularbiologen François Chacop.
00:00:25: Der ist Nobelpreisträger für Medizin und der ist in den spät- und frühen Sehnsiebzigerjahren draufgekommen, dass die Evolution nicht nach einem bestimmten Plan arbeitet sondern dass die Funktionsweise der Evolution eher der eines Bastlers hindert.
00:00:53: Also das zum Beispiel Reste von Eiweißen neu zusammengefügt werden.
00:01:04: Das zum Beispiel bei der Entwicklung des Gehirns von Wirbeltieren über sehr alte Strukturen, alte Hirnstrukturen im Kern dieses Gehirnes das ja manchmal auch als das Reptilien-Gehirn bezeichnet wird in lauf der Evolution immer wieder neue Schichten aber mit neuer Konfiguration da alten bestehenden System der Nervenzellen gelegt worden, dass so der Neocortex entstanden ist und quasi durch dieses evolutionäre Herumbasteln eine Entwicklung stattgefunden hat.
00:01:45: Die aber aufgrund eines durchaus begrenzten Angebots an Möglichkeiten dann mit Ausprobieren, mit Zufällen arbeitet Bastlerarbeit oder wie sie eben Franz-François Chagop nennt, diese Pricolage dieses Basteln entsteht.
00:02:11: Das habe ich insofern sehr interessant gefunden weil es mich sehr schnell an einem Prinzip erinnert hat zu wie ich ausgebaut hab bzw noch mehr so wie's meine Eltern gemacht haben.
00:02:26: da war eigentlich immer ein Repertoire an verschiedenen Restgegenständen fahren.
00:02:34: Also ich kann mich erinnern, wenn irgendeine Elektroinstallation irgendein Schalter zu reparieren war da gab es einen kleinen Kellerraum in dem das war der sogenannte Eisenkeller wo alles mögliche Alteisenmaterial Aber eben auch gebrauchtes Elektro-Material.
00:02:55: Verschiedene Schalter, verschiedene Kabel, verschiedene Steckdosen ja quasi einer archiv der elektrotechnischen Entwicklung des zwanzigsten Jahrhunderts.
00:03:05: und da war ich in einer Holzkiste dieses unterschiedlichste Elektro Materialen.
00:03:10: Da habe ich dann gesucht was finde ich?
00:03:13: Was könnte ich verwenden genauso für Wasserinstallationen?
00:03:17: Da gab es eine Kiste mit verschiedenen natürlich gebrauchten Fittingen, diese Rohrverbindungstücke für Stahlinstallationssysteme.
00:03:28: Also das sind diese klassischen Rohre mit halb Zoll-, dreiviertel-Zoll-Einzoll wo man einerseits die Rohre mal mit der Eisensäge in die gewünschte Länge abgeschnitten hat dann mit einer Schneidkluppe ein Gewinde drauf geschnitten und dann Hamf drüber gewickelt hat dann das Rohrverbindungsstück, den Fitting ein Knie, ein T-Stück eine Reduktion und dieses Material waren alles zweitverwendete Teile.
00:04:01: Das heißt wenn irgendwo eine Installation entfernt wurde, dann wurden die abgebaut zerlegt auseinandergeschraubt und aus diesem Fundus natürlich aus einem begrenzten Repertoire hat man dann versucht eine Lösung zu finden.
00:04:21: Und das habe ich aber immer als sehr kreativ erlebt, ich bin so aufgewachsen und hab auch das wenn es notwendig war auch beim eigenen Haus wieder angewandt also eine exponierte Lage in einem Ort wo es keinen Baum gibt, wo eigentlich das Beschaffen der Teile relativ mühsam ist dass man da zu immer die erste Schritt schaut was ist vorhanden Und was kann ich aus dem vorhandenen Material basteln?
00:04:51: Das ist unbedingt so, dass sie immer erlebt und so habe ich es eben jetzt auch wieder gelesen in dieser Theorie des Foswarscha-Cop.
00:05:02: Dass auch die Evolution so arbeitet und das habe ich sehr interessant gefunden!
00:05:08: Und auch, dass mich diese Arbeit, diese Art zu arbeiten einerseits sehr befriedigt den interessantesten Ergebnissen geführt hat.
00:05:19: Das Gegenstück ist die Ingenieurplanung, die Architektenplanung dass man von etwas wie es am Ende aussehen sollte eine ganz konkrete manchmal sogar visionäre Vorstellung hat.
00:05:34: und dann das ist meistens die Sache der Handwerke die dann gefordert sind diese Vision diesen Plan umzusetzen dass sie dann schauen mit welchen Materialen in diesem riesen weltweiten Angebot fahren zu.
00:05:49: kann ich das am schnellsten lösen?
00:05:51: welche spezial werkzeuge brauche ich auch?
00:05:53: dass ist denke ich bei der pricolage beim basteln ist das was habe ich ein werkzeug zur verfügung?
00:06:01: also es ist nicht nur die materialebene es ist auch die werkzeuebene und man improvisiert.
00:06:09: Das thema hat mich dann wirklich gefestelt und ich bin dann weitergegangen und habe dann relativ schnell gefunden, dass François Chacop seine Idee des Pricoleurs wiederum von Claude Lévis-Ross hat.
00:06:28: Der in den frühen neunzehntes sechziger Jahr das Buch «Das wilde Denken» beschrieben hat – also ein archaisches Denkung!
00:06:39: Und auch hier formuliert er den Pricoleeur, den Bastler der Jakob dann zum Vorbild nimmt und Levi Straß stellt diese Idee, dieses mythische Denk.
00:06:57: Also ein Denken, ein vorrationales Denken das aber ja als nicht minder erachtet sondern eben aus einem anderen Zugang um die Welt zu erklären.
00:07:10: Levi Strauß untersucht hier Mütten der nordamerikanischen Indianer, wo es um so gegensatzbare geht gut Böse.
00:07:20: So wie's wir aus Mütn kennen drum immer auch das mythische Denken Bergmeer und löst aber diese Gegend setze nicht auf sondern den mythischen Denker der Bastler.
00:07:34: Der lässt die Kontraste stehen baut sie nur zusammen Auch in ihrer Fremdartigkeit Und schaffte eben hier auch ein Wählsbild und ein anderes Denkmodell.
00:07:49: Vom eigenen Handeln, von der eigenen Art oder so wie ich aufgewachsen bin mit so einfachen Mitteln zu bauen ist mir natürlich die Verwandtschaft zur vernakulären Architektur aufgefallen.
00:08:05: Ich bin davon überzeugt dass so wie das beschrieben wirst dieses Zusammenfügen, dieses Verwenden lokaler Materialien.
00:08:16: Das Verwändendes vorhandenen Wiederverwerten wieder verwenden, wieder neu zusammenfügen dass das eine Jahrtausende alte Zugangsweise im vernakulären, im anonymen Bauen ist und tatsächlich einer der ersten Autoren Der österreichische Architekt Bernhard Rodowsky, der in seinem berühmten Werk Architektor ohne Architekten das kurz nach dem Wilddenken von Levi-Strauss entstanden ist.
00:08:51: Das war dann Mitte der neunzehnhundertsächte Jahre alt.
00:08:54: Er beruft sich natürlich genau auf diesen Pricoleur, auf diesem Bastler den Levi-Strauss in mythischen Denken und Philosophie definiert.
00:09:08: den überträgt Rodofsky auf das Entstehen der vernakulären, der anonymen Architektur.
00:09:16: Der Architektor ohne Architekten!
00:09:21: Ich glaube auch sie spüren jetzt schon wie nah diese Gedanken an den Gedanken des Simples Smartbilds sind.
00:09:30: Auch hier gibt es wieder eine sehr hohe Konkurrenz.
00:09:36: Mir ist dann wirklich ein Neuer Gedanke gedämmert, ich habe mir deine überlegt.
00:09:40: Warum fühlt man sich in den alten Gebäuden sowohl?
00:09:45: Warum fühlte man sich ein vertakulärer Architektur so wohl?
00:09:50: Warum füllt man sich wohl?
00:09:53: weil es nicht oder wenn es nicht so perfekt ist.
00:09:56: und da denke ich ist für mich die Erklärung, weil wir als Menschen so wie wir evolutionär gestaltet sind, so wie wir evolutionär entstanden sind.
00:10:10: durch diese Prikolage der Evolution sind ja wir in unserer tiefsten Struktur so gebaut.
00:10:22: Wie gebastelte Häuser.
00:10:24: und das ist für mich schon eine durchaus bedenkenswerte Erklärung die sehr stark dafür spricht.
00:10:32: und es gibt natürlich auch neue Bewegungen, die eben genau in diese Richtung gehen.
00:10:40: Es gibt zum Präkoleure im Französischen ist das Englischsprachige Gegenstück der Tinker oder der Tinkerer.
00:10:50: Das kommt etymologisch, der Tin, das Zinn drinnen Und ein Tinker Das ist ursprünglich von der Bedeutung ein Kesselflicker.
00:11:03: Das waren Menschen, welche mit Hilfe von Lötzin schadhafte Kesseltöpfe geflickt haben.
00:11:13: also auch hier wieder dieses Reparieren, dieses nicht neufertigen sondern aus dem Verhandenen wieder etwas zustande bringen das zwar nicht hundert Prozent perfekt ist aber Mit viel geringeren Aufwand, dennoch hinreichend seinen Zweck erfüllt.
00:11:35: Ein Begriff von Adalbert Stifter aus dem Nachsommer der mir dazu spontan einfällt ist der Begriff der Erfolgsgenüksamkeit dass man nicht nach dem perfekten Street sondern einfach die Latte nicht so hoch legt und etwas bescheidener ist um dadurch aber Dinge letztlich schafft.
00:11:57: und das ist mir jetzt bewusst geworden.
00:12:00: Mich hat irgendwo diese Erkenntnis, diese vermutlich erkenntnis so begeistert dass ich mich gleich also gestern Abend habe es gelesen.
00:12:10: heute hab ich mich dazu gesetzt, recherchiert und spreche jetzt diesen Podcast weil sie mich so begeistert dass das möglicherweise die Erklärung ist warum wir uns mit dem nicht perfekten Mittag Pricolage mit dem Tinkering sowohl fühlen und es gibt ja auch neue Entwicklungen sowie Urban Tinkery, wo genau diese Methode dieses Zusammenführen von Dingen, die man aus Urban Mining, Aus Abfallprodukten der Städten unserer moderne Zivilisation gewonnen hat.
00:12:53: Mit dieser Methode Dinge gebaut neu zusammenführt, die viel menschlicher sind.
00:13:00: Also menschliche in dem sind so wie wir evolutionär entstanden sind.
00:13:07: und dann habe ich mich gefragt warum interessiert mich so sehr die künstliche Intelligenz?
00:13:15: Warum interessiert sich das Spiel mit large language models?
00:13:26: tiefer recherchiert und bin draufgekommen, dass manche ganz moderne Denker solche large language Models wirklich als ultimative Brickolage Maschinen definieren.
00:13:43: Denn das Wortpotenzial, das Begriffspotenzial aus dem diese Large Language Models schöpfen ist ja Das eingeskennte Wissen der Menschheit, dass Konzerne ganze Bibliotheken wie etwa die österreichische Nationalbibliothek eingeskennt haben das hier quasi da gesamte Wort- und Begriffsschatz der Menschkeit als Bastelmaterial zur Verfügung steht.
00:14:17: Und das möglicherweise genau diese Methode dieses neu zusammenfügen, dieses neue Assemblieren von bereits gebrauchten, von bereits fertigen Elementen.
00:14:36: Genau diese Methode es ebenso interessant macht mit prompt engineering herum zu experimentieren, herumzupasteln und das so dann gegensätzliche Dinge, wie das Herumspielen mit einem Large Language Model oder das Zerlegen einer stellenden Hochleitung.
00:15:06: Das Wiedergewinnen der Fittinge, das Neuverschrauben dieses Basteln, dieses Zusammenbauen und das Wohnen in vernakulärer Architektur umgehen zu sein, die nicht perfekt sondern zusammengepasst sind.
00:15:28: Ganz ähnlich angenehme und interessante Empfindungen schafft!