Simple Smart Buildings

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Transkript

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Es zeichnet sich ab, dass wir nicht nur auf eine Wirtschaftskrise zusteuern, es zeichnet sich auch ab, dass die Klimaveränderung einfach neue Formen, neue Techniken des Bauens von uns erzwingen wird. Wobei neu nicht unbedingt heißen muss, dass das, was völlig neu entwickeltes ist, etwas, das es bisher noch nicht gegeben hat. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass wir sehr bald schon anders bauen müssen. Das heißt, wir müssen sorgfältiger mit unseren Ressourcen umgehen. Wir müssen sorgfältiger mit dem Boden umgehen. Wir müssen sorgfältiger mit der Energie umgehen. Und da lohnt sich der Blick in die Vergangenheit. Da lohnt sich einmal genauer anzusehen: Wie wurde in unserer Region in den Jahrhunderten zuvor gebaut? Nämlich in Zeiten, die ähnlich krisenhaft waren, in Zeiten, wo Ressourcenmangel herrschte, in Zeiten, wo man sich sehr genau überlegen musste, wie schafft man es, mit den wenigen, das zur Verfügung steht, eine ideale Lösung zu finden. Und da spielen dann so Faktoren wie kurze Transportwege natürlich auch eine wichtige Rolle. Das heißt, in unserem baukulturellen Erbe steckt sehr viel Wissen, wie man in Zeiten, wo die materielle Ressourcenbasis doch sehr eng ist, trotzdem gut bauen kann. Und wenn wir uns anschauen, was von unserem baukulturellen Erbe noch vorhanden ist, und das ist ja im Salzkammergott gar nicht so wenig, dann sind das hochwertige Objekte, die schon Jahrhunderte alt sind. Also es ist gelungen, mit relativ wenig Ressourceneinsatz im Vergleich zu dem, wie wir heute bauen, Gebäude zu schaffen, die wesentlich länger halten als die Gebäude, die wir jetzt errichten. Es ist ja jetzt so, dass Betriebsgebäude, wir sehen das, wie schnell hier bei einer Shopping Mall ein Gebäude, das noch nicht einmal zehn Jahre alt ist, wieder weggerissen wird. Also wie kurz die Lebensdauer der Gebäude ist, die heute errichtet werden. Das Ziel dieser Methode zu schauen, wie hat man in der Vergangenheit gearbeitet, liegt ja nicht nur darin, eben solche guten, dauerhaften Bauwerke zu errichten, sondern auch schön zu bauen. Am besten schont man natürlich die Ressourcen, wenn man gar nicht baut. Es ist tatsächlich so: Vor jeder Überlegung, vor jeder Idee zu bauen, sollte einmal die Überlegung davorstehen, ist es überhaupt notwendig, neu zu bauen? Oder gibt es nicht auch eine Möglichkeit, irgendetwas Vorhandenes weiter zu nutzen? Also Ausschau zu halten, was steht leer, welche Objekte können weitergenutzt werden? Die Weiternutzung schont ja nicht nur die Ressourcen im Bereich der Baustoffe und Baumaterialien und der Energie. Die Weiternutzung schont vor allen Dingen unseren Boden. Jedes Objekt, das nicht neu errichtet wird, sind wieder einige Quadratmeter unversiegelter Boden. Daher sollte die erste Wahl nach Möglichkeit immer auf das Weiternutzen fallen. Es ist auch ganz interessant, bei einer Planung, wenn man ein Haus plant, sind ja unglaublich viele Dinge zu beachten. Und es ist ein bekannter Ausspruch von Menschen, die ein Haus gebaut haben. Ja, wenn ich ein zweites Mal bauen würde, dann würde ich vieles anders machen, würde ich vieles besser machen.

Wenn man jetzt ein Haus nicht neu baut, sondern etwas vorhandenes umbaut, dann ist man eigentlich schon in der Phase des zweiten Mal Bauens. Da hat ja jemand schon Fehler gemacht vor einem. Diese Fehler wurden oft durch Umbauten bereinigt, beziehungsweise man kann ja in ein altes Objekt einmal hineinfühlen und sich überlegen, ist das jetzt wirklich das, was ich mir vorgestellt habe oder nicht. Man kann bei einem alten Haus eigentlich schon im Maßstab 1:1 einmal ausprobieren, ist das das, was ich mir vorstelle oder nicht.

Und dann hat man natürlich bei einem alten Gebäude nicht den Zeitdruck. Alles, was beim Bauen unter hohem Zeitdruck passiert, erfordert dann oft auch Kompromisse oder eben Lösungen, die nicht so gut sind. Wenn man jetzt beim Umbau Zeit hat und sich selbst die Zeit zum Umbauen gibt, man hat meistens ein Dach über dem Kopf. Das heißt, wenn man bereit ist, eine Zeit lang bescheiden zu wohnen, eine Zeit lang nicht das ganze Haus zu bewohnen und behutsam Raum für Raum umbaut, hat man einfach genügend Zeit, das qualitätsvoll zu machen, auch zu schauen, wie schaut der Bestand aus, was ist jetzt die beste Strategie und vor allen Dingen, was kann ich nachnutzen. Also nicht gleich einmal mit Bagger und entsprechend schwerem Gerät in das Objekt hineinfahren, sondern möglichst behutsam und da ist tatsächlich eine der Techniken die Handarbeit. Je mehr man händisch macht, desto weniger oft unnötige Zerstörungen finden statt und man kann ein Projekt machen, in Ruhe angehen und im Lauf der Zeit merkt man dann, es ist ja gar nicht so viel an Veränderung notwendig, um trotzdem gut und schön in diesem Objekt leben zu können.

Die Wiederentdeckung historischer Baustoffe, historischer Baukonstruktionen, historischer Bautechniken ist aber nicht nur eine Strategie, um schonend mit unseren Ressourcen umzugehen, sondern sie stärkt auch die regionale Wirtschaftsstruktur. Es geht natürlich darum, lokal Kompetenz zu entwickeln.

Wie man mit den Materialien, mit den Baustoffen umgehen kann, die hier an Ort und Stelle vorhanden sind. Natürlich gibt es hier einerseits diese alte und bedeutende Holzbautradition, aber es gibt genauso die Mauerwerkstradition und es war vor 100, 150 Jahren sogar selbstverständlich das Bindemittel, den Kalk aus dem Kalkstein, der hier an Ort und Stelle ist, mit dem Holz, das natürlich auch hier als Energieträger vorhanden ist, zu brennen. Das heißt, auch eine Autarkie regional zu schaffen, aber regional einen großen Pool an Handwerkswissen und Kompetenz aufzubauen. Der erste Schritt beim Umbau eines alten Hauses ist die Bestandsanalyse. Das heißt, es hat Sinn, in Ruhe einmal genau zu erfassen, was vorhanden ist. Und dabei wird nicht nur erfasst, was ist materiell vorhanden, also was ist an Bausubstanz, was ist an Material vorhanden, sondern was ist an Struktur vorhanden.

Wie schauen die Räume aus? Wie schauen die Grundrisse aus? Wie schaut der Schnitt aus? Wie sind die Geschosse miteinander verbunden? Wenn man einmal die Struktur eines Hauses kennt und verstanden hat, ist es auf dieser Basis einfacher, ein Konzept zu entwickeln, wie man das Haus umbauen will. Und da kann man aber an zwei Stellschrauben drehen. Man kann seine eigenen Ansprüche als absolut nehmen und sagen, das Haus muss sich zu 100% meinen Bedürfnissen anpassen. Man kann aber die Sache auch anders angehen und sagen, wie weit kann ich mich dem Bestand anpassen. Je mehr ich mich dem Bestand anpasse, je mehr ich von der Substanz annehmen kann, desto weniger Umbauarbeit ist erforderlich. Und auch dieser Prozess, und da habe ich die Erfahrung gesammelt, da lohnt es sich, sich wirklich Zeit zu lassen. Also wirklich sich Zeit zu nehmen und sehr, sehr genau überlegen, wie weit bin ich mich bereit zu ändern und wie weit ist aber von mir der Wunsch der Veränderung. Da kann auch manchmal die Entscheidung fallen zu sagen, dieses alte Haus entspricht so wenig meinen Bedürfnissen, ich bin nicht bereit, es so anzunehmen, wie es ist. Da ist es dann der bessere Weg, von diesem Objekt die Finger zu lassen und einfach nach etwas zu suchen, mit dem man besser zusammenpasst, als wie hier quasi den Umbau so weit zu treiben, dass der Umbau eigentlich ein Neubau ist. Wenn man sich aber mit einem Haus angefreundet hat und irgendwo einen Kompromiss zwischen dem Bestand und den eigenen Anforderungen gefunden hat, wenn man begonnen hat, den Bestand zu analysieren, dann lohnt es sich wirklich in der Planungsphase, sich wirklich Zeit zu nehmen und möglichst frühzeitig die Ziele festzulegen, wo man dann im Umbau hin möchte. Das zweite ist die Bestandsanalyse des Materials. Da scheint es mir wichtig, sich nicht unbedingt von vorgefassten Meinungen leiten zu lassen. Ein Beispiel dafür ist für mich das Bruchsteinmauerwerk. Bis vor wenigen Jahren hörte man eigentlich regelmäßig, wenn man mit wem redete, der ein altes Haus besaß oder in einem alten Haus mit Steinmauern wohnte, immer die alten Steinwände, das ist im Winter überhaupt nicht Aufzuheizen.

Jetzt, seit ein, zwei Jahren höre ich immer häufiger in den Sommermonaten, die Steinwände, so angenehm, so gut kühl. Das heißt, es ist nicht eine Konstruktion von Anbeginn an gut oder schlecht. Eine Konstruktion steht natürlich immer in einer Wechselwirkung zu den äußeren Anforderungen. Und so wie eben jetzt unser Klima verändert, wird eine Konstruktion wie Steinmauerwerk auf einmal wieder aktuell und wenn es so weiter geht, werden die Steinmauern die Top-Konstruktion sein, die uns doch noch einige Jahrzehnte lang vor dieser sommerlichen Überhitzung schützen wird.

Über diesen Podcast

Simple Smart Buildings steht für Gebäude die einfach und dauerhaft gebaut sind. Für die Generationen vor uns war es ganz normal mit einfachen Mitteln dauerhafte Gebäude zu errichten. Diese Art zu bauen hat sich über Jahrhunderte bewährt und wir können daraus lernen. In den verschiedenen Regionen entwickelten sich aus lokal vorhandenen Baustoffen resiliente Baukonstruktionen und Gebäudetypen, welche Jahrhunderte überdauert haben und gerade deshalb immer noch eine hohe Nutzungsqualität bieten. Dieser Podcast erzählt von Möglichkeiten einfach gut zu bauen.
Ab Folge 140 ist für jede Episode ein redaktionell bearbeitetes Transskript hochgeladen.

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von und mit Friedrich Idam und Günther Kain

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