(FI) Friedrich Idam
(GK) Günther Kain
(FI) In der heutigen Episode von Simple Smart Buildings ist wieder einmal Günther Kain zu Gast. Günther Kain ist einerseits ausgebildeter Handwerker, er ist Holzbau- und Zimmerermeister, andererseits aber auch promovierter Physiker mit dem Spezialgebiet Bauphysik. Heute geht es um ein Forschungsprojekt, das wir beide gerade starten und der Gegenstand dieses Forschungsprojekts ist die Innendämmung von Gebäuden. Ein solches Forschungsprojekt ist natürlich nicht mehr als Hobby rein privat finanzierbar und wir sind sehr froh darüber, dass wir das österreichische Chapter des Internationalen Denkmalrates, also ICOMOS, das International Council of Monuments and Sites, zur Unterstützung unseres Projekts gewinnen konnten und natürlich auch, dass das Bundesministerium für Wohnen...
(GK) …Kunst, Kultur, Medien und Sport.
(FI) Danke, Günther, dass auch dieses Bundesministerium dieses Projekt finanziell unterstützt. Wenn man sich kurz die Geschichte ansieht, die Entwicklung der Gebäude, so setzen diese ersten Bestrebungen, Gebäude zu dämmen, etwas wärmer zu bekommen, so an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit an. Es geht hier insbesondere um Gebäude, welche aus Stein errichtet wurden und ich glaube, das muss man auch immer mit dazu denken, die damalige klimatische Situation, diese mittelalterliche Eiszeit, diese extrem kalten Winter, diese relativ schlecht zu beheizenden steinernen Gebäuden und die aus dieser Situation entstehenden kalten Innenraumoberflächen. Und parallel dazu entwickelten sich in der frühen Neuzeit neue Technologien, wie etwa die Sägetechnik, dass man mit dem einblättrigen, wassergetriebenen sogenannten Venezianergatter relativ effizient für die damalige Zeit Bretter sägen konnte. Und so entstanden hölzerne Innendämmungen, sogenannte Lambris. Es gab parallel auch in der Oberschicht die Wanddämmung mit Textilien, mit Wandteppichen, mit sogenannten Gobelins oder Tapisserien. Und die Form der Außendämmung, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich viel später, eigentlich erst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wir wollen in unserem Projekt ganz speziell Gebäude aus der Zeit davor untersuchen, also Häuser aus den, 1950er Jahren, vielleicht auch 1960er Jahren, wo ja auch noch die Innendämmung damals Stand der Technik war. Günther, zur bauphysikalischen Funktionsweise, ersuche ich dich für unsere Hörerinnen und Hörer, die wesentlichen Unterschiede und Vor- und Nachteile zwischen Innen- und Außendämmung darzustellen.
(GK) Ja, sehr gerne. Also grundsätzlich ist es so, dass eine Dämmschicht ein Material ist, eine Schicht aus einem Material, welches Wärme schlecht leitet. Und da ist es jetzt physikalisch sehr unterschiedlich, wie du schon angedeutet hast, ob diese Dämmschicht außen oder innen liegt. Wenn sie außen liegt, dann fließt sozusagen die Wärmeenergie von innen in die Wand und durch diese durch und wird dann außen von der Dämmschicht blockiert. Das bewirkt, dass die Wand, also der Wandbildner, Ziegel vielleicht, in seiner Gesamtheit warm wird, und bewirkt auch, dass das System thermisch relativ träge ist, da ja in der Wand selber viel Wärmeenergie gespeichert ist. Bei der Innendämmung ist diese wärmehemmende Schicht, unmittelbar sozusagen dem Luftvolumen des Raumes zugewandt, hemmt dort den Wärmestrom nach außen, also hat jetzt im Sinne des Wärmeverlusts, dieselbe Funktion, Allerdings, schottet diese Dämmschicht die Wärmeenergie, vom Wandbildner ab und die statische Struktur selber bleibt kalt. Und das hat natürlich dann verschiedene Implikationen, die wir im Detail noch diskutieren werden.
(FI) Ich denke, zu dem Modell, das du jetzt beschrieben hast, ist das entsprechende Heizverhalten auch noch eine Betrachtung wert. Die Außendämmung, die du als ein sehr träges System beschrieben hast, die setzt natürlich eine permanente Beheizung voraus. Während die Innendämmung, und da denke ich wieder in die Zeiten zurück, wo diese Innendämmung entstanden ist, die ist ja dann besser geeignet, wenn man nur temporär heizt und es gilt, den Raum doch in einer akzeptabel kurzen Zeitdauer warm zu bekommen. Wenn man jetzt in die Zukunft gerichtet denkt und sich die aktuelle Entwicklung der Energiepreise ansieht, die ja tendenziell immer teurer werden, stellt sich ja - glaube ich - auch die Frage, werden wir es uns in Zukunft leisten können, Räume, die wir nicht permanent nutzen, auch permanent zu beheizen. Siehst du diesen Denkansatz von mir relevant oder denkst du, dass der Ansatz nicht so wichtig ist?
(GK) Naja, unbedingt, weil angenommen man heizt ein Raumvolumen nur, temporär, kurzfristig, dann ist natürlich schon die Energie, welche ich brauche, um die Hüllfläche selber zu erwärmen, beträchtlich. Und das spare ich mir natürlich jetzt im Modell der Innendämmung, wo ich quasi in erster Näherung ganz wenig Wärmeenergie in die Hülle selber investiere. Das kennen wir ja zum Beispiel aus Wochenendhäusern, von Almhütten, wo man ankommt und dann in kurzer Zeit mit wenig Energieinput einen warmen Raum haben möchte. Es ist ja auch bei Innendämmungen so, dass die Wandoberflächentemperatur aus den geschilderten Gründen wesentlich schneller und sensibler auf die Innenlufttemperatur reagiert.
(FI) Ich denke, es ist ja in diesem Zusammenhang natürlich entscheidend, welches Dämmmaterial man wählt. Wir haben schon in vergangenen Episoden dieses Podcasts etwa sehr ausführlich über die Wärmediffusivität gesprochen. Also ich stelle in die Shownotes einen Link zu dieser Episode. Da geht es ja darum, dass es einen Zusammenhang zwischen Wärmeleitverhalten und Wärmespeicherfähigkeit eines Baustoffs gibt. Das heißt, es wird natürlich ganz spezifisch nach der Wahl des Dämmmaterials für eine Innendämmung dann natürlich sich jeweils materialspezifische Effekte ergeben.
(GK) Darüber hinaus ist natürlich auch entscheidend, wie ähnlich sind sich Wandbildner und Dämmmaterial. Ich gebe ein Beispiel. Ein krasser Gegensatz wäre eine Außenwand aus Stahlbeton, mit sehr hoher Wärmeleitfähigkeit und dann davorgesetzt eine Innendämmung aus Styropor, mit sehr, sehr niedriger Wärmeleitfähigkeit und gleichzeitig zwei Materialien mit überschaubar guter Wärmediffusivität. Das heißt, sie sind jetzt nicht unbedingt auf die Masseneinheit gesehen die idealen Wärmespeicherer und zum Dritten, diese Materialien haben beide kapillar nahezu kein Feuchtespeichervermögen. Und an der Stelle sei vielleicht auch noch eingeworfen, ein Problem und warum die Innendämmungen ja oft im Baubereich gescheut werden, ist, dass wenn nun warme und feuchte Raumluft durch die Dämmung hindurch auf kalte Oberflächen trifft, dort Kondensat entsteht. Und das bewirkt eben in dieser gegebenen Materialpaarung dann mit hoher Wahrscheinlichkeit Schimmelbefall und Verseuchung der Luft mit Sporen und so weiter und so fort. Der andere Fall wäre, wenn ich nun in diesen drei geschilderten Materialeigenschaften, ähnlich funktionierende Materialien habe, wie beispielsweise Massivholz als Hüllflächenbildner, und eine Holzfaserdämmung innen davor, dann wird diese Problematik überwiegend weniger dramatisch ausfallen.
(FI) Du hast jetzt diese sogenannte Taupunktproblematik angesprochen. Also diese Situation, wenn feucht-warme Luft aus dem Innenraum durch die Wandkonstruktion durchdiffundiert, wird sie irgendwann einmal so weit abgekühlt sein, dass es zur Kondensatbildung kommt. Idealerweise sollte diese Kondensatbildung immer an einer Stelle stattfinden, wo sie möglichst schadfrei ist. Also das heißt, je weiter außen die Kondensatbildung stattfindet, desto günstiger, weil dann die Feuchtigkeit nur noch einen kurzen Weg nach außen nehmen muss und dann außen abdampfen kann. Es ist ja auch noch neben den von dir genannten Problemen der Schimmelbildung ein weiteres Problem dass die Feuchtigkeit das Wärmeleitverhalten des Bauteils signifikant beeinflusst. Wir kennen ja als Maßzahl in den Tabellen für die Wärmeleitfähigkeit das sogenannte Lambda, diese Wärmeleitzahl, und die wird aber in vielen Tabellenwerken als eine Konstante dargestellt. In Wirklichkeit ist dieses Lambda aber eine von der Feuchtigkeit abhängige Variable. Wir wissen zum Beispiel vom Ziegel, dass 1% Zunahme der Feuchtigkeit in einem Ziegel 10% Zunahme der Wärmeleitfähigkeit bedeutet. Das heißt, wenn die Bauteile durchfeuchten, steigt auf einmal deren Wärmeleitfähigkeit und die thermische Performance der Wand wird wesentlich schlechter. Daher denke ich, ist es auch ganz wichtig zu bedenken, wie stark man die Innendämmung ausführt und natürlich, wo dann der Taupunkt im Regelfall eintreten wird.
(GK) Ja, und ergänzend auch noch ist es sicher wichtig, sich vor Augen zu führen, dass die Mächtigkeit der Dämmschichten, wie wir sie heute an rezenten Gebäuden außen aufbringen und jene, die da in den 50er, 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts innen angebracht wurde, sehr unterschiedlich ist. Also eine heutige Außenwand dämmen wir mit 16 cm aufwärts außen, während diese Innendämmungen, mit einer Dicke von 3 bis 8 cm maximal ausgeführt wurden.
(FI) Ich würde eher sogar sagen maximal 5 cm, und diese Kombinationen waren ja Materialkombinationen, dass als Wandbildner im Regelfall ein Langlochziegel, mit einer Stärke von 25 cm verwendet wurde und als Innendämmung eine Holzwolle-Leichtbauplatte mit 3, maximal 5 cm. Und unser Forschungsprojekt zielt jetzt ganz konkret darauf hin, eine solche Wandkonstruktion in situ, zu untersuchen, zu messen und zu beurteilen, ob die gängige, bauphysikalische Standardeinschätzung zutrifft oder ob es Effekte gibt, die im Regelfall noch nicht beachtet werden. Könntest du bitte einmal für unsere Hörerinnen und Hörer skizzieren, mit welchem Messinstrumentarium und mit welchem Messaufbau wir diese Fragestellung angehen wollen?
(GK) Ja, also die Idee ist, dass wir zum einen die Temperatur, die Lufttemperatur außen und innen natürlich fassen, und dann an den verschiedenen Schichten dieser Wand, also am statischen Konstrukt, die Oberflächentemperaturen messen und dann an und in diesen Innendämm-Schichten. Denn interessant ist, abgesehen jetzt vom U-Wert, den man immer ausrechnet im normalen Baugeschehen, ist jetzt auch, wie diese thermisch trägen Zusammenhänge, in Abhängigkeit der Lufttemperaturen funktionieren. Und ob sich, ja oder anders gesagt, ob diese dünnen Innendämmungen bereichsweise dann auch Vorteile bringen, weil sie eben kurze Verzögerungen haben, weil vielleicht, und so ist die Hypothese, es während beträchtlich langer Zeiträume vielleicht, in einem Raum mit Innendämmung sogar behaglicher ist als andernfalls. Es gibt so Indizien, du hast schon angedeutet, Räume nicht durchgehend zu temperieren, beispielsweise auch eine Entwicklung aus der Estrich-Industrie, wo mehr und mehr Anbieter von relativ dünnen, Trocken-Estrich-Systemen auf den Markt drängen, die genau dieses Argument verwenden, dass sie sagen, gerade, angesichts steigender Energiepreise, angesichts kurzfristig verfügbarer Energie aus PV und Co, es vielleicht sinnvoll ist, dass auch Fußbodenheizungen eben rascher reagieren.
(FI) Ich glaube, wir werden auf alle Fälle sogenannte instationäre Zustände untersuchen. Es ist ja einerseits durch den natürlichen Verlauf der Temperatur der Außenluft ohnehin schon ein permanent instationäres Szenario gegeben, also keine gleichmäßige Normaußentemperatur und andererseits denke ich, wäre es ja auch sehr interessant, unterschiedliche Heizverhalten auszuprobieren, und dann konkret zu schauen, wie wirkt sich dieses Heizverhalten auf die Wand aus. Ich glaube, es geht letztlich auch um die Oberflächentemperatur. Jetzt, zwei Fragen fast gleichzeitig. Einerseits hältst du es für sinnvoll, auch, nahe oder am Heizkörper einen Temperatursensor anzubringen und dokumentieren zu können, wann Heizbetrieb war und mit welcher zeitlichen Verzögerung sich dieser Heizbetrieb an der Wand abbildet. Und die zweite Frage, das ist die nach der Oberflächentemperatur und ich denke auch die Frage nach der Infrarotstrahlung der Oberfläche, denn was du vorher angesprochen hast, die Behaglichkeit, die steht da, denke ich, in einem direkten Zusammenhang mit der Infrarotstrahlungsintensität der Bauteiloberflächen.
(GK) Also zur Frage 1, ja, das ist sicherlich sinnvoll, also dieser Sensor in Heizkörper-, in Ofennähe, um quasi eine Maßzahl für das Anspringen der Heizung zu haben. Das andere, die Oberflächentemperatur und Infrarotstrahlung, das ist natürlich ein Feld, wobei man ja sagen muss, Strahlung, sodass sie jetzt fühlbar und messbar ist, das beginnt erst bei Temperaturen über 30 Grad. Das heißt, das werden wir an der Wand nicht erreichen. Aber, unser Körper, unser Organismus ist sehr sensibel auf geringe Strahlungswärmeverluste, die immer dann auftreten, wenn eine Oberfläche eben kühler ist als die Körperoberfläche. Und da, ja, da gebe ich dir recht, da macht es natürlich jetzt schon einen Unterschied, ob ich vielleicht die Wandoberflächentemperatur um ein, zwei, drei Grad hebe. Und das ist eben genau dieser Bereich, wo sich eine Innendämmung von der ungedämmten Wand unterscheidet. Ein Feld, das wir noch nicht angesprochen haben, ist auch jenes des vorübergehend auftretenden Kondensats. Wie siehst du in diesem Zusammenhang die Materialwahl bei der Innendämmung?
(FI) Also es ist natürlich die Frage, wo tritt dieses Kondensat auf und ich kenne zum Beispiel ein Objekt, das auch in den 1960er Jahren errichtet wurde aus Stahlbeton. Und wo eine Innendämmung aus drei Zentimeter Heraklit eingelegt wurde. Also das ist damals einfach in die Schalung, an der Innenseite der Betonschalung, wurde eine Holzwolle-Leichtbauplatte eingelegt und dann wurde betoniert, sodass die Innendämmung einerseits als Putzträger funktioniert hat und andererseits natürlich den Effekt einer Innendämmung. Das Gebäude ist aus der Bauphase des Brutalismus, sodass der Beton außen unverkleidet war und da ist natürlich der Effekt eingetreten, weil die Betonwand, einen relativ hohen Dampfdruck-Diffusionswiderstandsfaktor besitzt und die Holzwolle-Leichtbauplatte einen sehr geringen Dampfdrucksdiffusionswiderstand und dass natürlich der größte Temperatursprung zwischen Dämmung und Betonwand stattgefunden hat, sodass der Taupunkt, zwischen der Innendämmung und der Betonwand gelegen ist, und der Beton das Wasser nicht gut abgeleitet hat, sodass in weiterer Folge, die Innendämmung permanent durchfeuchtet war, was letztlich zu einer Schimmelbildung geführt hat. Also bei solchen ungünstigen Konstruktionen kann man eigentlich sofort davon ausgehen, dass hier eine Innendämmung äußerst problematisch ist. Hier geht es natürlich auch, und da spielen dann denkmalpflegerische Aspekte eine Rolle, dass man natürlich den Habitus, die Erscheinung des Gebäudes aus der Bauphase des Brutalismus natürlich signifikant verändern würde, wenn man hier eine Außendämmung aufbringt. Also das ist ein sehr schwieriges Problemfeld. Wir setzen uns ja in unserem Forschungsprojekt eben mit dem genannten Bestand an Einfamilienhäusern aus der Mitte des 20. Jahrhunderts auseinander, die ja einen riesigen Prozentsatz der Bestandsbauten ausmachen und die natürlich die großen Sanierungskandidaten sind. Denn ich gehe ja davon aus, dass in den nächsten Jahren die Neubautätigkeit vor allen Dingen aus Kostengründen, weil das viel zu teuer wird, zurückgeht und wesentlich mehr saniert werden wird. Ich denke aber auch, dass für die Sanierungen nicht mehr die entsprechenden finanziellen Mittel in der bisherigen Höhe zur Verfügung stehen werden, dass man also auch hier sehr sparsame, effiziente Sanierungen durchführen wird müssen. Und das ist, denke ich, einer der wesentlichen Gründe, warum wir genau diese Konstruktionen untersuchen. Wenn jetzt die Holzwolle-Leichtbauplatte als Innendämmung vor einem Langlochziegel liegt, dann hat ja dieser Ziegel ein völlig anderes Feuchteleitvermögen als der zuvor genannte Stahlbeton. Das heißt, dieser Ziegel vor allen Dingen auch mit seinen Hohlräumen ist in der Lage, das Kondensat gut aufzunehmen und weil der Ziegel eine sehr gute Saugfähigkeit und Feuchte- bzw. Wasserleitfähigkeit besitzt, gut in der Lage ist diese entstandene Feuchtigkeit nach außen wieder abzugeben. Und darum denke ich, dass diese Konstruktion, das ist eben unser Ansatz, die Messergebnisse werden uns ja dann zeigen, was wirklich passiert ist, dass dieses System, eigentlich gut funktioniert und auch das Bestandsobjekt, das wir für die Untersuchung ausgewählt haben, wurde Anfang der 1960er Jahre errichtet und ist jetzt eigentlich noch in einem erstaunlich guten Bauzustand, sodass der reale Befund eigentlich auf dem, ersten Augenschein hin vermuten lässt, dass die Bausubstanz und diese spezielle Materialkombination eigentlich sehr günstig ist.
(GK) Ja, vielleicht noch ergänzend, die von dir geschilderten Vorgänge und Zusammenhänge bedingen eben auch eine thermohygrische Betrachtung, also dass man, Temperatur und Feuchtigkeit zusammen, diskutiert und auch misst. Und vielleicht, um da auch ein wenig die Angst, so generell vor Innendämmungen zu nehmen, wenn die Materialpaarung, wie von dir geschildert, funktioniert, so ist temporär, also vorübergehend anfallendes Kondensat nicht so sehr das Problem, sofern es in vernünftig kurzen Zeiträumen wieder austrocknet. Vornehmlich natürlich nach außen, aber nicht zu unterschätzen auch die Rücktrocknung nach innen, wo ja die Länge des Weges grundsätzlich viel geringer ist und wo wir ja gerade in der Heizperiode, dann auch gerade im Hochwinter die Situation haben, dass wir oft sehr trockene Raumluft haben, die natürlich ein Feuchte - Diffusionsgefälle nach innen erzeugt.
(FI) Und ich denke auch, dass sich diese Prozesse, die du jetzt beschrieben hast, in unserem Messmodell entsprechend abbilden lassen und sich dokumentieren lassen. Denn das Ziel ist es, dass man aufgrund der Messungen am realen Objekt ein Modell entwickeln kann, das auf Grundlage der finiten Elemente dann auch, vergleichbare Objekte, sicher abbilden lässt und sich Prognosen erstellen lassen, ohne diesen jetzt aufwändigen Messaufbau bei jedem Objekt wiederholen zu müssen.
(GK) Unbedingt. Also eine Modellierung, wie du sagtest, auf finiter Elementbasis, ist sicherlich sinnvoll, referenziert an den Messergebnissen und damit auch validiert, um quasi solche Effekte, die wir da jetzt diskutiert haben, auch verallgemeinern zu können und dann in der Baupraxis noch besser anwenden zu können. Das Forschungsfeld ist sicher jetzt nicht Mainstream, da im Moment natürlich, und da will ich auch gar nicht dagegen argumentieren, die Außendämmung im Baugeschehen im Vordergrund steht, nur es kann, du hast es gesagt, aus ökonomischen Gründen, aber auch aus Gründen der Denkmalpflege und so weiter, in gewissen Bereichen und bei Spezialanwendungen einfach sinnvoll sein, diese Innendämmungen anzuwenden.
(FI) Ich sehe ja da auch ein weiteres Problemfeld, wenn man an einem solchen geschilderten Baubestand aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, bei dem sich ja über Jahrzehnte ein bauphysikalisches Gleichgewicht eingependelt hat, wenn man jetzt dieses Gebäude mit einer modernen Außendämmung versieht und möglicherweise dann auch noch eine Außendämmung, mit einem sehr hohen Dampfdruckdiffusionswiderstandsfaktor wählt, dann, verändert sich ja auf einmal der Taupunkt und dann ist möglicherweise das Abdiffundieren der Feuchtigkeit nach außen nicht mehr möglich. Der Bestand hinter der zu dichten modernen Außendämmung durchfeuchtet. Dadurch steigt sein Wärmeleitverhalten und man hat eigentlich sehr wenig gewonnen.
(GK) Ja, das ist vermutlich insbesondere bei den organischen Materialien ein Problem. Also hölzerne Gebäude, eventuell auch Gebäude, die Lehm als Wandbildner aufweisen oder mit niedrigen Temperaturen gebrannte Ziegel, also ältere Ziegelsysteme, die werde ich durch vergleichsweise dichte Dämmschichten, wie du sagst, unter Umständen auch negativ beeinflussen.
(FI) Denkst du, ist es möglich, dann auf Grundlage des finiten Elementmodells, das wir entwickeln möchten und werden, sind da, denkst du, valide Prognosen möglich, dass man dann zum Beispiel die Daten einer nachträglich aufgebrachten Außendämmung einpflegt? Denkst du, kann man dann sicher beurteilen, welche Effekte hier erreicht werden?
(GK) Also grundsätzlich ein paar Worte zu diesen Finite-Element-Modellen. Wenn sie richtig aufgesetzt sind und die Materialparameter gut sind, sind diese Modelle sehr leistungsfähig. Die Einschränkung ist nur, man kann sehr viel modellieren. Die Frage ist nur immer, entspricht es der Realität? Und darum muss jegliches Modell auch einem Faktencheck mit real ermittelten Messdaten zugeführt werden. Und dann ist es, wenn man da eine gute Übereinstimmung hat, im Rahmen der Messbedingungen, im Rahmen des tatsächlichen Gebäudes möglich sein. Etwas über die Messsituation hinaus zu modellieren. Da muss man allerdings sehr vorsichtig sein und das ist dann auch eine Frage, der Erfahrung und der Einschätzung, wie lange das Modell Gültigkeit hat und wo man dann in Bereiche geht, wo man erneut validieren muss. Also ja, man kann viel einschätzen, aber ganz pragmatisch, es wird nicht ersetzen, dass ich auch an ausgewählten Bauteilen Kontrollmessungen durchführe.
(FI) Also ideal wäre, wenn an dem von uns ins Auge gefassten Objekt nach dieser Messperiode, die über den Winter 2026 - 2027 gehen wird, wenn dann, zum Beispiel im nächsten Jahr eine Außendämmung aufgebracht werden würde und wir dann in einer zweiten Serie die realen Auswirkungen dieser Maßnahme messen können.
(GK) Genau. Aber es ist natürlich schon so, dass man grundsätzliche Entwicklungen, angenommen, ob jetzt die durchschnittliche Materialfeuchtigkeit zu- oder abnimmt infolge der Dämmmaßnahme, sowas lässt sich auf jeden Fall einmal, wenn auch nicht quantitativ, so doch qualitativ aus dem Modell ableiten.
(FI) Um wie viel würdest du abschätzen, ist diese Methode mit einer finiten Elementmodellierung in der Prognose genauer als eine klassische U-Wertberechnung?
(GK) Also was sich schon zeigt, wir haben ja jetzt schon vorbereitend orientierende Messungen gemacht, dass so ein Innendämmungssystem ein sehr volatiles System ist. Wir haben es erklärt, warum. Und das wird durch die U-Wert-Berechnung ganz schlecht abgebildet. Denn der U-Wert ist ja quasi die Aussage über die durchschnittliche Temperatursituation. Und nachdem jetzt so eine Innendämmung so rasch auf die Randbedingungen reagiert, ist natürlich die U-Wertmessung im Grunde nur im Durchschnitt gültig. Das mag jetzt vielleicht für den Energieverbrauch über die Heizsaison hinweg ganz gut stimmen, aber für die gerade unmittelbar wahrgenommene Situation, Stichwort Behaglichkeit, ist dann der U-Wert mit seinem unterstellt stationär linearen Temperaturgefälle nicht gültig.
(FI) Das heißt also, der U-Wert liefert relativ sichere Werte, wenn man das ganze Jahr über permanent und gleichmäßig heizt, wenn man sich aber, aufgrund hoher Energiekosten dazu genötigt sieht, manchmal die Temperatur abzusenken, Räume nur dann zu beheizen, wenn man sie nutzt, dann sind die Prognosen und die Aussagen, die der U-Wert liefert, relativ ungenau.
(GK) Vielleicht, um das zu verstärken, wir werden es dann auch entsprechend publizieren, wo man sich das anschauen kann. Aber die orientierenden Messungen zeigen schon, ich hatte da eine Wärmeflussplatte verbaut, auf der Innenseite einer Innendämmung, die quasi den tatsächlichen, Wärmefluss an der Wand aufzeichnet. Und da zeigte sich schon, dass während sehr kurzer Zeiträume nur dieser Wärmefluss stationär wurde. Das heißt übersetzt, dass dann der U-Wert im Grunde Gültigkeit hätte. Während vieler Zeiträume war dieser Wärmefluss starken Schwankungen unterworfen, sprang von positiv ins negativ, einfach weil die Temperaturrandbedingungen und da ist es vornehmlich die Sonneneinstrahlung sich geändert haben. Wenn es zum Beispiel, wie es da jetzt im Frühjahr 2026 war, die Sonne die Außenwand erwärmt, dann sind plötzlich die Wärmeströme an der Innenseite negativ. Das heißt, es fließt Wärme in den Raum, was sich natürlich dann an solchen Messungen recht gut nachweisen lässt.
(FI) Also ich bin ja wirklich schon gespannt, was bei diesen Messungen und dann vor allen Dingen, wir haben ja dann eine Riesenmenge an Messdaten, die es auszuwerten gilt, was dann die Auswertung dieser Messdaten bringen wird. Günther, wann denkst du, können wir unserem Publikum wieder eine aktuelle Episode zu diesem Thema liefern, wo wir vielleicht schon über erste Ergebnisse berichten können?
(GK) Ja, wir werden jetzt im Laufe des nächsten Monats in etwa das, was wir schon haben, auswerten, um dann, und das kann man vielleicht wirklich als Podcast wieder bringen, quasi so diese ersten Erkenntnisse, und orientierende Entwicklungen darzustellen, und dann über den Winter hinweg diese Daten, du hast es beschrieben, in dem ausgewählten Objekt zu vertiefen und im Frühjahr dann vielleicht einen Abschlussbericht auch wieder in Form eines Podcasts zu liefern.
(FI) Also, in die Zukunft jetzt gesprochen, das ist Frühjahr 2027. Günther, ich danke dir sehr, sehr herzlich für das interessante Gespräch und freue mich schon wirklich auf unser gemeinsames Projekt.
(GK) Spannende Sache, vielen Dank, Fritz.