Simple Smart Buildings

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Friedrich Idam:

Heute zu Gast in Simple Smart Buildings Iris Nöbauer und Michi Brunmayr. Beide haben in Linz an der Kunsthochschule, Kunstuniversität mittlerweile, Architektur studiert noch bei Professor Kneiger. Sie haben sich beide im Studium kennengelernt. Sie haben beide diesen speziellen Studiengang Habitat absolviert, wo es eben um ein Bauen mit natürlichen Materialien geht, wo es um sozial verträgliches Bauen geht. Und beide arbeiten nach wie vor zusammen in dem Kollektiv.Lehm.erleben. Und da findet gerade ein Wandel statt, von einem reinen Lehmbau, spezifischen Schwerpunkt, die Idee des Bauens aufzuweiten. Wir sind ja gerade in einer Zeit des Wandels, in einer Zeit des Umbruchs und der findet auch im Bauen statt und zwar auf vielen Ebenen. Wir werden im Rahmen dieses Gesprächs vielleicht versuchen, diese Ebenen auseinander zu dröseln, vielleicht als Einstieg. Iris, bitte beschreib deine berufliche Situation augenblicklich, vielleicht auch deine Ausgangspunkte und wohin du dich weiterhin entwickeln möchtest.

Iris Nöbauer:

Also meine Ausgangssituation ist natürlich das abgeschlossene Architekturstudium, wo ich dann auch im Büro gearbeitet habe, aber nie Vollzeit, weil ich immer nebenbei das Bauen mit Lehm irgendwie dabei gehabt habe und fokussiert habe auch. Und vor mittlerweile drei Jahren ist es dann mein Hauptberuf geworden. Also ich bin in die Lehmbaufirma Raumformen eingestiegen und habe dort dann wirklich ausführende Tätigkeiten übernommen. Und nebenbei haben wir aber trotzdem immer in diesem erwähnten Kollektiv gearbeitet zur Wissensvermittlung, Weiterbildung zum Thema Lehmbau. Das möchte ich gerne einfach mehr fokussieren, dass dieses Wissen über Lehm als natürlichen Baustoff mehr verbreitet wird. Und in Gesprächen mit Kolleginnen hat sich dann aber herausgestellt, nur der Lehm alleine ist es nicht. Es ist das Zusammenarbeiten verschiedener ökologischer Materialien und eben auch das Zusammenarbeiten von verschiedenen Menschen. Also das Wissen, was jeder Einzelne, jeder Einzelne mitbringt, das so viele verschiedene Aspekte mit hineinbringt, die unglaublich wertvoll sind für die Arbeit, für die Planung, für die Ausführung, für Entwicklung von neuen Lösungen, Detaillösungen.

Friedrich Idam:

Also für dich ist diese soziale Komponente im Bauen sehr wichtig, dass du eben nicht quasi als Architektin hingehst und den Leuten sagst, wie etwas sein soll, dass du als Lehmbauerin einfach hingehst und sagst, so wird das gemacht, sondern für dich ist Bauen ein Dialog mit den späteren Nutzern dieses Gebäudes.

Iris Nöbauer:

Ja, auf jeden Fall. Und das ist für mich auch unglaublich wichtig, weil ich glaube, nur so kann ein lebendiges Gebäude entstehen in diesem Dialog. Weil ich als Architektin, Planerin, kenne die Grundlagen, aber ich weiß nie, wie die individuelle Person oder die Familie oder die Menschen, die das Haus dann nutzen wollen, wie die leben. Jeder ist ja individuell und jeder hat eigene Bedürfnisse, die, finde ich, im Gebäude Platz haben sollen.

Friedrich Idam:

»Michi, glaubst du?«, dass wirklich alle Leute genau wissen, wie sie wohnen wollen oder sind die möglicherweise von Bildern des Wohnens geprägt, die von außen auf sie eingeprägt wurden und dass möglicherweise eine sehr starke Diskrepanz zwischen Traum oder vermeintlichen Wünschen und den realen Möglichkeiten besteht.

Michael Brunmayr:

Ich glaube, das ist einerseits wirklich ein großes, großes Bild, das die Menschen haben und sich selbst machen, was Lebensraum für sie ausmacht. Auf der anderen Seite, glaube ich, ist ein bisschen ein Verlust von einem Erfahrungsraum. Ein Erfahrungsraum, den wir erleben können, schon von Kind weg, wie fühlt sich ein guter Raum an? Also es sind auf der einen Seite vielleicht die überzogenen Wünsche, auf der anderen Seite haben wir wenig Räume, die wirklich natürlich sind, die ursprünglich sind, die gute Stimmung haben, wo wir das erleben können, wie könnte es eigentlich sein für uns. Also wenn man zum Beispiel ins Freilichtmuseum in Stübing geht, wo es Häuser gibt, die 500 Jahre alt sind, dann spürt man einfach, was das für Qualität sein kann. Und wenn wir das in unserem Alltag nicht miterleben, dann können wir es sich, glaube ich, auch schwer vorstellen.

Friedrich Idam:

Wir gehen ja in unserem Denken als Menschen, als Gesellschaft eigentlich von so einem Fortschrittsdenken aus. Also es ist, der Mensch neigt zum linearen Denken und es ist so fast ein Allgemeinplatz, ein Topos. Es gibt so eine lineare Entwicklung nach oben. Zur besseren Qualität hin. Aber wenn ich mir jetzt das überlege, was du sagst, haben die Menschen vor ein paar Jahrhunderten eigentlich bessere Räume gehabt. Woran denkst du, könnte das liegen?

Michael Brunmayr:

Ich glaube, weil einerseits der Fortschritt wirklich auch immer etwas Faszinierendes hat und man durch das lineare Denken nicht darüber nachdenkt, was man mit dem Fortschritt liegen lässt eigentlich. Und es geht dann und es wird immer schneller und man vergisst es dann sehr schnell, was hat man durch den Fortschritt eigentlich hinter sich gelassen und erinnert sich dann schwer dran.

Friedrich Idam:

Iris, du beschäftigst dich ja neben dieser sozialen Komponente des Bauens auch mit der Materialität des Bauens. Einer deiner Schwerpunkte ist das Bauen mit natürlichen Materialien. Denkst du, dass möglicherweise die Veränderung der Materialpalette, dass man früher mit einer sehr schmalen Materialpalette, mit Materialien, die im Regelfall in der Nähe der Baustelle vorgekommen sind, anders gebaut hat und dass eigentlich jetzt das große Angebot an den verschiedensten Materialien, die zur Verfügung stehen, auch das Ergebnis, was gebaut wird, beeinflussen.

Iris Nöbauer:

Ja, das glaube ich auf jeden Fall. Wenn wir in der Natur unterwegs sind, ich glaube, da stehen wir fast alle zu, fühlt man sich einfach zu Hause und entspannt sich. Meistens ist man in der Natur ja auch im Umkreis von dem, wo man lebt, unterwegs. Schneller mal einen Spaziergang machen oder so. Das heißt, die Materialien, die mich da umschließen, die sind irgendwie in meiner DNA mit dabei, sage ich jetzt einmal. Und wenn ich die dann verwende, um mein Gebäude, in dem ich lebe, zu bauen, dann ist das natürlich ganz was anderes, als wenn ich jetzt vom afrikanischen Kontinent was importiere oder aus China irgendwelche Plastikbauteile herüberfliegen lasse, weil mit denen habe ich keine Verbindung. Die Materialien, die ökologischen Materialien leben ja bis zu einem gewissen Grad, die atmen. Die gehen in einen Dialog mit uns. Also glaube ich durchaus.

Friedrich Idam:

Für mich ist ja auch so eine wichtige Komponente das Berühren von einem Baustoff. Also mir geht es manchmal wirklich so, dass ich durchs Haus gehe, manche Bauteile berühre und dabei ein gutes Gefühl habe. Das sind vielleicht für mich natürlich auch Erinnerungen daran, dass ich diese Bauteile selbst hergestellt habe, zum Beispiel bei Holzbauteilen, die ich selbst gehobelt habe mit dem Handhobel. Aber ist das nicht möglich? Ein Luxusthema. Ich denke, möglicherweise ist es ja sehr exklusiv, dass ich in einem Haus aus natürlichen Materialien, in einem Haus mit handwerklich gefertigten Möbeln lebe. Wie denkst du, oder welche Möglichkeiten gäbe es, diese Qualität einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen?

Iris Nöbauer:

Das ist, denke ich, einerseits eine politische Aufgabe. Natürlich hat die Politik da extreme Möglichkeiten zu steuern. Welche Materialien fördere ich? Für welche Baumaßnahmen zahle ich eine Wohnbauförderung aus? und andererseits ist das, wo ich als Person jetzt Möglichkeiten habe, das zu verändern und das ist das, dass wir das den Menschen erlebbar machen. Im Kollektiv-Lehmer-Leben geben wir den Menschen die Möglichkeit, dass sie ins Material eintauchen. Deswegen auch dieses Erleben, das war immer ganz wichtig. Eben wie du sagst, mit der Hand das zu berühren, das Material zu spüren. Im Zuge von diesem Kennenlernen werden, glaube ich, auch viele Ängste überwunden Und die Leute trauen sich dann, wäre mein Wunsch, meine Hoffnung, eher, dass sie das dann auch selber probieren. Feuerst die Leute ja auch immer an, einfach mal auszuprobieren und das Material selber zu verarbeiten. Das ist das, gerade bei Lehm ist es überhaupt kein Problem. Der ist nicht salzig oder nicht ätzend. Das heißt, den kann ich einfach mal in die Hand nehmen und probieren, meine eigene Wand zu verputzen. Und wenn ich keinen Handwerker, keine Handwerkerin mehr bezahlen muss, dann wird es natürlich auch günstiger und nicht mehr so exklusiv.

Friedrich Idam:

Dazu bedarf es aber der Ermutigung, es selbst zu machen und ihr macht ja auch von eurem Kollektiv aus Kurse, wo genau das gezeigt wird, wo eben diese Schwellenangst, ich denke da hat sich ja auch in den letzten Jahrzehnten etwas verschoben. Also wenn ich jetzt meine Kindheit in den 1960er, 70er Jahren zurückblicke, da war es ja ganz selbstverständlich, dass man etwas selbst gemacht hat. Also ich bin in einem kleinen holzverarbeitenden Gewerbebetrieb aufgewachsen, aber meine Eltern hatten auch nicht sehr viel Geld zur Verfügung. Und da war es einerseits ein ökonomisches Gebot, möglichst viel selbst zu machen, auch aus Handwerken, die jetzt nicht holzbezogen waren. Und es bestand keine Scheu, aber da hat sich ja offenkundig etwas verschoben. Oder wie siehst du das?

Michael Brunmayr:

Ja, das ist sehr spannend, weil das ist prägende Zeit in meinem Leben. Also es ist auch schon ein Weilchen her, als ich ein Kind war. Aber ich bin viel bei den befreundeten Bauern aufgewachsen. Und bei meiner Oma und bei den Bauern. Zu meiner Kindheit, Jugendzeit war das noch so, dass Nachbarschaftshilfe einfach wirklich auch notwendig war und aber auch sehr geschätzt war, weil es einfach gesellig war. Es war wieder das soziale Ereignis der Baustelle. Und ich bin mit sieben, acht Jahren schon am Dachstuhl oben gewesen und habe halt mitnageln dürfen. Und ich habe das Glück, dass meine Eltern wahrscheinlich eher weg geschaut haben, als wie nicht Angst gehabt haben. Also meine Mama hat sicher Angst gehabt, aber das hat mir das ermöglicht, da dabei zu sein. Und das prägt mich sicher bis heute noch. Man hat sich einfach auch Zeit genommen. Also das merke ich in unserem Familienleben, dass man sich für einen Freund, für einen Bekannten Zeit nimmt und ihm auf der Baustelle hilft. Das ist gar nicht mehr so selbstverständlich. Oder dass es was Gutes zum Essen gibt auf der Baustelle. Also das Gesellige, die Leute dann da wirklich, ja, manchmal sind sie vielleicht auch zu knausrig mittlerweile mit der Zeit, die man für andere zur Verfügung hat.

Friedrich Idam:

Obwohl es ja eigentlich, wenn man es jetzt rein ökonomisch betrachtet, ja fast das ökonomisch Klügste ist diese Nachbarschaftshilfe, natürlich legalen, gesetzlichen Rahmen, dass man wirklich Stunden eins zu eins tauscht.

Michael Brunmayr:

Aber mittlerweile, das begegnet mir sehr oft, dass die Leute wirklich einen Stundenlohn umrechnen und sagen, wenn ich in die Arbeit gehe, verdiene ich aber mehr und dann kann ich eh mehr zahlen. Aber das wird sich vielleicht auch verändern.

Friedrich Idam:

Aber ist das nicht ein Trugschluss? Also ich habe für mich immer so die Berechnung gemacht beim eigenen Haus. Wie viel würde ich in einem Architekturbüro netto verdienen? Wie viel Zeit muss ich noch einsetzen, um in die Arbeit zu kommen? Also wirklich jetzt quasi Nettolohn dividiert durch die real aufgewendeten Stunden. Und wie viel bezahle ich brutto für einen Handwerker, auch wieder aufgerechnet auch An- und Abfahrtszeit. Und wenn ich das gegenüber stelle, habe ich als akademisch ausgebildeter Mitarbeiter in einem Architekturbüro maximal die Hälfte, aber eher ein Drittel bis ein Viertel netto dessen verdient, was mir der Handwerker brutto gekostet hätte. Also für mich war die Entscheidung zur Eigenleistung eigentlich absolut eindeutig.

Michael Brunmayr:

Ja, also für mich auch. Für mich auch.

Friedrich Idam:

Vielleicht ist das aber eine Frage der Sozialisierung. Wenn man so sozialisiert ist, wie du es beschrieben hast, Mitarbeit am Dach als Kind, das ist genauso meine Kindheitserinnerung. Da ist es ja dann ganz selbstverständlich, aber wir haben heute ja einerseits die Gesellschaftsschicht, wo das noch Standard ist, die körperliche, handwerkliche Arbeit, sicher auch, wie du beschrieben hast, im landwirtschaftlichen Bereich. Aber dann gibt es ja durch Anhebung der Akademikerquote immer mehr Menschen, die auch schon von ihrer Sozialisierung her in ihrem Leben kaum handwerklich gearbeitet haben. Ihr veranstaltet ja auch Kurse, um das Material Lehm wieder unter die Leute zu bringen. Wie erlebt ihr das? Wie stellen sich die Leute an, wenn sie mit Material, mit Handarbeit konfrontiert sind?

Iris Nöbauer:

Ich erlebe sehr oft am Anfang, dass sie halt skeptisch sind, die Menschen, und eben diese Angst, die ich zuerst schon erwähnt habe, oder Respekt. Dieser Wandel im Laufe von einem Kurs fasziniert mich immer wieder, wenn dann diese Angst abfällt und eine unglaubliche Freude entsteht und ein Spaß bei der Arbeit und eben auch ein gewisses Aufbauen von einem Selbstbewusstsein. Ich kann das ja wirklich. So verwende ich den Hammer, den Tacker, die Kelle. Das bleibt oben an der Wand. Der Putz fällt nicht gleich wieder ab. Und diese Selbstermächtigung, die die Menschen da erleben, ist für mich unglaublich wertvoll. Ich bin jetzt am Überlegen, aber ich glaube, wir haben noch nie irgendwen auf der Baustelle gehabt. Die haben zwar gesagt am Anfang, ich habe zwar linke Hände, aber wir haben sich dann alle super angestellt.

Friedrich Idam:

Wie du jetzt diesen Prozess beschrieben hast, ist für mich das Bild meines jetzt sechsjährigen Enkelsohns gekommen, welche Freude er ausstrahlt, wenn er wieder etwas selbst machen kann. Also diese quasi kindliche Selbstermächtigung.

Iris Nöbauer:

Ja, die ist unglaublich bereichernd, auch für mich und für die ganze Gruppe. Also es sind...

Michael Brunmayr:

Man merkt, dass das auch in den Erwachsenen voll drinnen steckt, auch bei Lehmbaukurse. Aber es gibt so einen Moment, bis zu dem, wo die Workshop-Teilnehmer nicht sich die Hände dreckig machen, ist Distanz noch da. Und sobald irgendwo einmal, das ist extrem witzig zum Beobachten, sobald es irgendwo ein bisschen dreckig sind, dann sagen sie, ah, jetzt ist es schon wurscht. Und dann gehen sie voller Freude drauf los und dann entsteht es im Tun. Das sich Trauen entsteht einfach im Tun. Aber die Hürde, sich die Hände dreckig zu machen, ist, glaube ich, heutzutage schon sehr, sehr weit gedient irgendwie.

Friedrich Idam:

Man spricht ja von diesen 3D-Jobs. Also dangerous, dirty and difficult.

Iris Nöbauer:

Können wir alles abhacken.

Friedrich Idam:

Ich sehe im Augenblick... Umbruchssituation. Wir sind ja jetzt April 2026 wieder einmal eine sogenannte Energiekrise. Energie wird teuer, Transportwege werden teuer, die industrielle Produktion von Baumaterial wird teuer, also das Bauen wird wieder einmal teurer. Es wird ja, wenn ich noch zurückdenke in die 1960er Jahren, als meine Eltern mit einem Durchschnitts- bis geringen Einkommen es sich leisten konnten, ein Haus schuldenfrei zu bauen, das ist heute ja völlig undenkbar. Ich weiß nicht, wie die aktuellen Preise sind, aber für so ein durchschnittliches Haus ohne Grundkauf, denke ich, muss man 400.000 bis 500.000 Euro in die Hand nehmen.

Iris Nöbauer:

Das ist mittlerweile schon ein guter Durchschnitt.

Friedrich Idam:

Und wenn jetzt diese Entwicklung weitergeht, Also wenn sich die Kosten des Bauens schneller entwickeln als die Steigerung der Löhne, wird ja der Traum des eigenen Hauses in immer weitere Ferne rücken, wenn man an einen bestimmten Haustyp, also so an ein 150 Quadratmeter Einfamilienhaus mit Doppelgarage und Swimmingpool denkt. Wie denkt ihr, müsste man dieses Leitbild umformulieren? Wie müsste ein Haus ausschauen, das auch in Zukunft bei höheren Baupreisen leistbar bleibt?

Michael Brunmayr:

Ich finde das ganz witzig, dass du das mit den Energiepreisen sagst, weil gestern beim Radiohören habe ich mir gedacht, wir sind wahrscheinlich die Einzigen, die sich freuen, dass die Baupreise steigen und die Energiepreise steigen, weil wir mit Materialien und Herangehensweisen arbeiten, die prinzipiell von dem relativ unbeeinflusst sind. Und was das Haus konkret betrifft, also das ist, glaube ich, in unserer, in der Bauwelt oder in der Architekturwelt sicher angekommen, wir müssen umnutzen, wir müssen verdichten, wir müssen reparieren, Wir müssen wiederverwenden. Wir müssen weniger Raum einnehmen vielleicht.

Iris Nöbauer:

Weniger versiegeln.

Michael Brunmayr:

Weniger versiegeln. Oder wir müssen uns auch ein bisschen von dem befreien, dass wir ein Haus bauen und in dem alt werden und unser ganzes Leben an dem einen Ort vielleicht in der und der Ausrichtung verbringen. Also wir müssen flexibler werden. Das merke ich bei meiner Elterngeneration. Die alle, das waren die meisten Häuslbauer in Österreich, die Generation von meinen Eltern, und die sind jetzt alle von der Situation, dass sie einfach mit dem Putzen nicht zusammenkommen, dass die Instandhaltungskosten eher über dem Kopf wachsen, aber sie von dem Ort schwer lösen können. Ist sehr gut nachvollziehbar, das verurteile ich überhaupt nicht. Aber ich glaube auch, dass das ein gesellschaftlicher Auftrag ist, dass wir uns mit dem auseinandersetzen. Dass entweder ein Haus sich wandeln kann oder dass wir wandlungsfähig werden und das Haus hergeben.

Friedrich Idam:

Ich bin ja auch dabei, in die von dir beschriebene Situation hineinzugleiten. Meine Kinder haben das Haus verlassen. Das Haus hat ja nie die richtige Größe. Es ist dann, wenn man jung ist und Kinder hat, zu klein. Und wenn man dann alt ist und das Haus ist groß, sind die Kinder weg. Das Haus ist zu groß.

Michael Brunmayr:

Also da, das beschäftigt uns auch. Das gemeinsame Thema ist eben das gemeinschaftliche Wohnen. Und wenn man das Wohnen oder Familien, Zusammenleben anders denkt, kann man da ziemlich viel Flexibilität einplanen. Also so wie es zum Beispiel auf einem Bauernhof früher war, dass jeder seine Kammerl gehabt hat und wenn die Familie sich verändert hat, ist man halt in das nächste Zimmer gezogen. Das war dann das Zimmer von den Alten und unten haben die Jungen eine Kuchel und Zimmerküche, Kabinett gekriegt. Also da war in so, ich sage immer, in so starke Strukturen, vorindustriell, von einer Hausstruktur jetzt, die war sehr wandelbar. Aber in der Generation 70er, 80er Jahre, Häuslbauer-Generation merken wir auch in unserer Praxis, dass das Haustrukturen sind, mit denen wir uns ziemlich schwer tun, dass wir die flexibel gestalten.

Friedrich Idam:

Das, denke ich, ist die große Herausforderung. Ich kenne jetzt nicht die Prozentwerte, wie viel von der gesamten Gebauten, vom Bestand, zum Beispiel in Österreich, in Deutschland, diese Bauten aus den 1960er, 70er, 80er, 90er Jahren ausmachen. Es ist einfach, wir sitzen hier in einem Raum zum Beispiel aus dem 16. Jahrhundert, ich habe es schon öfter gesagt, mit 90 Zentimeter dicken Mauern. Es war kein Problem, das umzubauen und das wird in, denke ich, 500 Jahren auch noch umbau bar sein. Solche Häuser gibt es ja nicht mehr so viel oder zumindest nicht in dem Prozentsatz wie die vorbeschriebenen Häuser aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und ich denke, das ist ja die ganz große Herausforderung, also diese Häuser weiter zu nutzen. Ich denke auch biophysikalisch, das ist ein anderes Kapitel, vielleicht macht man dieses Fass noch nicht auf, wie man diese Gebäude in den Griff kriegt. Ich finde es sehr interessant, diesen Gedanken der mangelnden Flexibilität. Es sind ja, glaube ich, auch die statischen Systeme. Es sind ja meistens die Grundrisstypen und die bauliche Struktur so, dass man ja da schwer eingreifen kann. Oder wie sind da eure Erfahrungen in dem Bereich?

Iris Nöbauer:

Ich habe jetzt sofort an die Treppe ins Obergeschoss im Wohnzimmer denken müssen. Das ist so das Paradebeispiel für mich. Wenn die Treppe beim Eingang liegt, dann tue ich mir so leicht, dass ich da zwei getrennte Wohneinheiten draus mache. Aber es ist so oft, dass diese Erschließung ins Obergeschoss im Wohnzimmer passiert, was dann diese Flexibilität sofort unterbindet.

Friedrich Idam:

Um eigentlich den architektonischen Gag, möglichst vielleicht einer Wendeltreppe im Wohnraum. Und der Preis dafür ist mangelnde Flexibilität.

Michael Brunmayr:

Was ist da dazu, sagen wir es? Also ich beschäftige das auch sehr im Freundeskreis, Familienkreis. Der Traum von den Häuslbauern war immer im grünen Wohnen und ich bin fest davon überzeugt, dass man Einfamilienhäuser nicht horizontal trennen sollte. Also ich glaube, die Menschen haben das Bedürfnis, erdgeschossig zu wohnen und auch jetzt im Sinne der Barrierefreiheit, ich glaube, wir müssen da viel vertikaler denken.

Friedrich Idam:

In der Trennung?

Michael Brunmayr:

In der Trennung von dem Haus und das macht es nur mal schwieriger, weil die baumeisterlichen Strukturen halt, das ist mit Häusern aus der klassischen Moderne natürlich einfacher. Wenn man so in Scheibenbauweise denkt, aber so, ja, die Einfamilienhäuser ist furchtbar schwierig, ohne viel Aufwand, die weiterzudenken. Und was da dann noch dazukommt, ist, dass das uns auch, also es macht viel mehr Freude mit einem Haus aus dem 16. Jahrhundert arbeiten, weil man da einfach die Geschichte mit einbeziehen kann. Man spürt, da waren irgendwie klare Gedanken da und nicht irgendwelche individuellen Wünsche. Aber das ist, glaube ich, auch unser Los und unser Verständnis von Architektur und Raum machen. Wir müssen uns mit die Häuser aus den 80er Jahren beschäftigen, auch wenn es nicht ganz so viel Freude macht.

Friedrich Idam:

Ich denke aber, das sind jetzt zwei Themen für mich. Das ist einerseits dieser Baubestand aus der Mitte des 20. Da habe ich zum Beispiel jetzt das Bild gehabt, diese Einzelhaussiedlungen vielleicht in Reihenhaussiedlungen umzuwandeln, Dass man quasi zwischen den Häusern wieder Elemente positioniert, die dann bei vertikaler Trennung zusätzliches Platzangebot schaffen. Aber das ist jetzt, denke ich, zuviel. Aber dass man auch die Siedlungsstrukturen verändert. Aber wir würden ja dann schon wieder neu bauen. Ich denke auch das Problem ist, wir sind eine im ländlichen Bereich auf alle Fälle schrumpfende Bevölkerung. Also ich lebe hier in Hallstatt in einem Ort, wo die Bevölkerungszahl laufend zurückgeht, also in jeder Dekade 10%. Ich bin hier von Leerstand umgeben. Es gibt aber dann andererseits wieder den vor allen Dingen suburbanen Bereich, wo Zug besteht. Ich glaube, da würde es funktionieren. Also ich glaube, das ist auch sehr, sehr standortspezifisch, welche Maßnahmen gerade zielführend wären und ich glaube kein universelles Rezept.

Iris Nöbauer:

Ja, sicher. Das ist durchaus wichtig, dass man das in Betracht zieht, wo man gerade arbeitet und was das Umfeld auch hergibt. Ich glaube, es ist auch viel Bildungsarbeit, eben dass dieser Blick ins Grüne, der Weitblick, den hat man in den Einfamilienhaussiedlungen ja auch nicht. Dass man, wenn man Dichter baut, dass dann auch mehr Platz für Grünflächen und Grünraum dazwischen bestehen bleibt. Ich glaube, dass man das den Menschen bewusst macht und eben auch erlebbar macht. Also dieses Erleben von Möglichkeiten ist, glaube ich, ein extrem guter Hebel, um Veränderungen zu bewirken.

Friedrich Idam:

Große bauliche Dichte finden wir ja in historischen Großstrukturen. Also ich denke zum Beispiel an alte Klöster, an alte Internate, auch alte Industrieanlagen. Und ich denke, auch in diesem Bereich gibt es immer mehr Leerstand. Meiner Erfahrung nach eignen sich gerade solche großen Projekte mit hoher baulicher Dichte. Besonders gut für neuartige Modelle des Wohnens. Du hast das vorhin angesprochen, im Bauernhof dieses Herumziehen von Zimmer zu Zimmer. Also wenn sich die Lebenssituation ändert, sucht man sich im baulichen Gefüge eine Zelle, eine Wabe, in die man gerade am besten passt. Und das wird ja umgesetzt in diesen Wohnprojekten. Ihr begleitet ja Wohnprojekte, wo sich Leute entschließen, gemeinschaftlich zu wohnen. Und ich glaube, das ist jetzt vielleicht noch ein Einschub zum Vorigen zu den Bauernhöfen. Ich glaube, man muss sich auch davor hüten von der Sozialromantik. Einfach zu glauben, im 19. Jahrhundert oder im 18. Jahrhundert, das waren natürlich sehr strenge hierarchische Systeme. Diese neuen Projekte des gemeinsamen Wohnen, also ich kenne eins, wo meine Tochter wohnt. Es gibt über dieses Projekt auch eine Episode, dieses Podcasts, ich stelle da in die Show Notes einen Link. Da läuft es ja soziokratisch. Also da sind ja die Entscheidungsprozesse sogar mehr als demokratisch. Das sind ja quasi auf Einstimmigkeitsprinzip aufgebaut, also wo man sich völlig anders organisiert.

Iris Nöbauer:

Ich möchte nur kurz zum Soziokratischen was einhaken, weil man arbeitet ja mit oder mit keinem schweren Einwand. Also nicht einstimmig, sondern wenn es keinen schweren Einwand gibt, dann kann man damit mit weitergehen und das ermöglicht auch unglaublich viel.

Friedrich Idam:

Danke für die Nachschaffung, das ist nämlich wesentlich.

Iris Nöbauer:

Genau.

Friedrich Idam:

Mir hat bisher bei diesen Wohnprojekten, die ich kenne, die Komponente des selber Handanlegens gefehlt. Das sind natürlich Menschen mit einer ganz bestimmten Sozialisierung, mit einem bestimmten sozialen Hintergrund, die so etwas machen, aber das sind meistens meiner Erfahrung nach handwerksferne Menschen und die lassen machen. Ich denke, wenn sich hier eben unter diesen aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wenn das auch weiterhin möglich und erschwinglich sein sollte, welche Möglichkeiten siehst du da, die Komponente des Selbermachens, des Selberbauens in solche Wohnprojekte einzubringen?

Iris Nöbauer:

Und dieses Selbermachen durch die Kostenreduktion ermöglicht das auch viel. Und ich habe schon noch das Gefühl, dass die Menschen, die in so gemeinschaftliche Wohnprojekte ziehen, sich auch kritisch reflektieren und sich eben auch fragen, wo gehen wir als Gesellschaft hin und was wollen wir? Und eben dann sich dafür entscheiden, auch etwas selber zu machen und so vielleicht die Kosten zu reduzieren, kann durchaus eine Möglichkeit sein. Also wir begleiten auch gerade ein Projekt, wo die BewohnerInnen mit ausführen bei dem Lehmputz bei ihnen.

Friedrich Idam:

Ist es unter Anführungszeichen nur der Lehmputz oder gibt es da auch noch andere Bereiche, wo die Leute in diesem Projekt selbst Hand anlegen?

Michael Brunmayr:

Das ist ja ein sehr spannender Punkt, dass ja nicht jeder handwerklich jetzt irgendwie ausgebildet sein muss, sondern wenn es wen gibt und dann gibt es eine Gruppe, was in so einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt natürlich auch die Basis ist für das Zusammensein. Dann genügt ein Zimmerer oder eine Zimmerin, die anleitet oder eine Lehmputzexpertin, die anleitet und dann kann man als Gruppe, Wirklich eine hohe Qualität schaffen. Dann ist es nicht nur selbst gebastelt, sondern dann ist es mit Anleitung einfach wirklich eine hohe Qualität, räumliche Qualität, die man erzielen kann.

Friedrich Idam:

Es gibt ja für mich so eine Zwischenform zwischen selbst gebastelt und maschineller Perfektion, wie wir es in den Architektur-Hochglanzmagazinen sehen. Ich denke aber, das ist natürlich jetzt meine persönliche Werthaltung, ich muss für mich persönlich nicht 100% erreichen. Also für mich, das hat sich aber im Laufe des Lebens geändert. Also ich war lange Zeit der 100%-Typ und war dann teilweise unglücklich, und habe aber dann irgendwann einmal gelernt, wenn ich zu einer gewissen Erfolgsgenügsamkeit finde, dass ich dann mit weniger Aufwand glücklicher bin.

Michael Brunmayr:

Ja, und man entdeckt auch eine Schönheit, die man in der Perfektion nicht findet. Für mich abregend war die Wabi-Sabi-Philosophie aus Japan. Mit der unperfekten Oberfläche einfach in einen Dialog zu umtreten und ein Gegenüber zu haben, in dem man sie wiederfinden kann.

Friedrich Idam:

Es gibt in der japanischen Architektur, in der traditionellen, die du jetzt ansprichst, ja auch den Gegensatz einerseits dieser sehr strengen Rechtecks-Raster-Architektur, sowohl im Grundriss als auch in der Gestaltung der Wände und der Decken. Und dann gibt es aber immer wieder Bauelemente natürlich gewachsener Holzstämme. Also einerseits das perfekt zurechtgesägte und gehobelte Holz und dann wieder die Naturform dazwischen. Und das, denke ich, macht es ja gerade spannend. Und ich erlebe viele zeitgenössisch publizierte Mainstream-Architektur eigentlich als tot- und leblos.

Iris Nöbauer:

Das Leben kommt halt durch das Lebendige und das Leben ist nicht perfekt. Und das Leben hat einmal einen Riss und das Leben hat einmal einen Bäcker. Und natürlich, wenn ich dann vor einer perfekten Wand stehe, dann ist das Tod, eben wie du sagst.

Friedrich Idam:

Ein Haus oder so wie man wohnt, hat ja nicht nur die praktische Komponente des Dachs über dem Kopf und des sich selbst darin Wohlfühlens, sondern sie hat ja auch, wenn wir ganz ehrlich sind, zumindest für mich, auch den Charakter des Repräsentativen. Ich möchte mich zeigen. Da sind wir gerade in dieser repräsentativen Architektur Moden unterworfen. Was ist Mainstream? Wie kann man in der Gesellschaftsschicht, in der man sich bewegt, repräsentieren? Seht ihr möglicherweise jetzt auch in der aktuellen Entwicklung eine Chance, diese Werte umzudefinieren, dass ich nicht mehr repräsentativ dastehe, wenn ich jetzt eine perfekte Wohnung, ein perfektes Haus besitze, sondern wenn ich etwas mit sehr wenig Ressourcenverbrauch und mit Eigenleistung umgebaut habe, wenn man dem Objekt ansieht, dass da auch die Eigenleistung, vorher ist das abwertende Wort selbst gebastelt, gefallen, also seht ihr da die Chance, oder ist es eher eine Nische, bewegen wir uns alle in einer Nische, in einer Bubble, wie ist die gesellschaftliche Relevanz dessen, was wir denken?

Michael Brunmayr:

Ich glaube, da ist das, was ich vorher mit Erfahrungsraum gemeint habe, wichtig. Weil, egal welche Mode, welchen Mainstream, das es gibt, ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Spüren immer noch da ist. Bei den Menschen. Das Gefühl, das Spüren. Und das ist so bei Projekten, die ich mache, da gibt es halt Leute, die kommen und fragen dann, warum ist denn da so gemütlich? Und das ist ein Spüren, oder? Und so möchte ich die Architektur machen. Und je mehr wir das schaffen, dass wir den Erfahrungsraum irgendwie erweitern, vor allem für Kinder, glaube ich. Ich glaube, dass zum Beispiel der Erfolg von der Architektur aus dem Bregenzer Wald viel damit zu tun hat, dass die Kindergärten dort schön sind und natürliche, unbehandelte Oberflächen haben. Weil die Kinder dann eben den Erfahrungsraum haben, wie gespürt sich das an, wenn das gut ist, wenn das natürlich ist. Und ich glaube, mit dem Hebel können wir ein bisschen der Mode entgegenwirken. Oder nicht entgegenwirken, wir können eine Alternative bieten.

Friedrich Idam:

Also diese Vorarlberger Architektur hat ja viel bewegt und ihr seid natürlich als Gnädiger-Schüler natürlich von diesem Denken geprägt. Ich persönlich habe ja da auch einiges besichtigt in Vorarlberg, mir ist aber auch die zum Teil noch zu perfekt vorgekommen. Also man hat in den 2000er Jahre hat man schon noch sehr diese Formensprache der harten Kuben, der harten Kanten, der richtige, vielleicht auch mit alemannischer Präzision umgesetzt. Während es ja jetzt neue Tendenzen gibt, es gibt den Hittisau jetzt dieses Projekt von der Anna Heringer, ich glaube gemeinsam mit Martin Rauch, dieses Geburtshaus, das ja eher eine Freiform ist, wo dann eigentlich gar nicht mehr so präzis zum Beispiel die Außenverkleidung der Lerchenholzschindeln einfach mit dem Tacker in die Lehmwand festgetackert wurde. Also möglicherweise gibt es ja hier auch eine, vielleicht ist der Ausdruck Vermenschlichung eine, was wäre denn da ein schönes Adjektiv dazu, wenn es nicht mehr so perfekt ist.

Iris Nöbauer:

Ja, also für mich ist es immer noch das Lebendige.

Friedrich Idam:

Aber ist vielleicht diese Präzision oder diese Überperfektheit in der Welt? Vorarlberg-Architektur zumindest der 2000er Jahre spürbar oder liege ich da isoliert mit dieser Einschätzung?

Michael Brunmayr:

Das ist für mich persönlich ein großer Stein, der auf meinem Herz lastet, den ich probiere loszuwerden, weil ich das gut finde, weil mir das gefällt, aber ich weiß, dass wir es mit angemessenen Mitteln oder auch in unserer Region nicht hinkriegen werden. Und das Bedürfnis, so perfekte Architektur abzuliefern, kommt mit dem, wenn man das mitgegeben kriegt im Studium. Und das ist ein Wandel, den ich so in mir persönlich spüre, dass der ansteht, dass ich das wieder loswerde. Die Perfektion, der Wunsch nach der Perfektion. Weil es natürlich was kostet. Es kostet Energie, es kostet Zeit, es kostet Geld, es kostet auch Beziehung, glaube ich. Also es funktioniert einfach besser, auch Freundschaft, wenn man nicht alles zu perfekt machen möchte.

Iris Nöbauer:

Meiner Meinung nach auch fehleranfälliger, wenn es so perfekt ist. Weil wenn da jetzt eine perfekt glatte Wand ist, dann siege ich den Armbecker.

Michael Brunmayr:

So wie du das vorher gesagt hast, das Enttäuschungslevel, oder wie hast du das benannt?

Friedrich Idam:

Die Erfolgsgenügsamkeit.

Michael Brunmayr:

Die Erfolgsgenügsamkeit, genau. Das ist so wichtig, es ist so zwischenmenschlich, glaube ich, auch wichtig in einer Beziehung, in einer Freundschaft und auch, ich glaube, in der Architektur, im Raum, der es uns gibt. Dass man nicht zu hohe Erwartungen hat.

Friedrich Idam:

Es gibt ja in der Wirtschaftswissenschaft diese 80-20-Regel, dass man mit 20 Prozent des Einsatzes 80 Prozent des Erfolgs erreicht und dass man für die letzten 20 Prozent weitere 80 Prozent der Kosten einsetzen würde. Denkt ihr, trifft das auf die Architektur zu oder ist das übertrieben?

Michael Brunmayr:

100 Prozent.

Iris Nöbauer:

Wenn es nicht sogar nur mehr ist von den Prozentsätzen.

Friedrich Idam:

Also ihr denkt schon, dass die, glaube ich, sehr realistisch heraufdämmernde ökonomische Krise, und ich persönlich, gut, Lord Keynes hat ja sehr schön gesagt, dass Prognosen immer sehr schwierig sind, vor allen Dingen, wenn sie die Zukunft betreffen. Aber es ist zumindest für mich denkmöglich, dass wir in eine längerfristige Veränderung eintreten werden, wo es ganz, ganz wichtig wird, darüber nachzudenken, wie kann ich kostengünstig bauen, dass sich aber aus dem Zwang des Sparens sehr interessante Formen ergeben werden. Also ich blende jetzt noch einmal zurück in meine Kindheit, aus wie vielen Abfallstoffen meine Eltern noch etwas Brauchbares gebaut haben und was aber dann sehr interessante individuelle Konstruktionen wurden, die fast dann etwas Liebenswürdiges hatten. Also liebenswürdiger Dilettantismus und das Haus hat auch ein ganz individuelles Gesicht dadurch bekommen. Wenn wir da jetzt noch einmal vielleicht zu diesem Repräsentanzthema, zum repräsentativen Bauen gehen. Könnte nicht auch das in Zukunft etwas sein, mit dem man repräsentieren kann, oder ist es nicht ohnehin bereits so weit, dass etwas individuell sein soll?

Iris Nöbauer:

Ich finde es total spannend, weil eben dieser Repräsentatismus hat mich zum Individualismus gebracht und ich bin mir nicht sicher, ob es eigentlich genau in die andere Richtung gehen sollte, dass man eben nicht mehr so individuell denkt, im Großen und Ganzen. Aber eben dann dafür, eben mit einer Vase, die man aus dem Urlaub oder Sonstiges mitgebracht hat oder eben ein Werkstück, was man sich selber gebaut hat, diese Individualität in den Raum mit hineinbringt. Aber diese Individualität kann dann auch wieder gehen und ein neues Individuum kann den Raum beleben.

Friedrich Idam:

Das ist ein sehr interessanter Gedanke, dass eben nicht das Gebäude als Großes das Individuelle ist, so wie man es ja in jeder Architekturzeitschrift muss jedes Gebäude individuell und noch ausgefallener und eine noch schwierigere Bubble sein, dass wir einen anderen Weg gehen. Dass wir sagen, die Großform ist allgemein, vielleicht so, und damit wie Konfektionsware austauschbar, aber in dieser Hülle, da spiegelt sich dann die Individualität in den kleinen Dingen.

Iris Nöbauer:

Genau. Und wenn man ein bisschen größer denkt als eine Vase, dann kann das ja eben auch eine nicht tragende Wand sein, die dann eben einmal steht oder einmal nicht dasteht zum Beispiel. Aber die große Struktur ermöglicht, mit dem Lauf des Lebens mitzugehen.

Friedrich Idam:

Und dann fällt es einem vielleicht wirklich leichter, so wie du vorher beschrieben hast, dass es ja so schwierig ist oder dass das die Herausforderung ist, dass man im Lauf des Lebens die bauliche Hülle, die einen umgibt, wechselt, wenn man sich diese Individualität mitnehmen kann, wenn man die von dir zitierte Vase dann in die nächste bauliche Hülle mitnehmen kann. Ich habe mir übrigens Objekte aus meinem Elternhaus mitgenommen. Ich habe das Elternhaus verkauft und habe aber solche Dinge mitgenommen, die mich noch damit verbinden.

Iris Nöbauer:

Ja, wer hat nicht ein Geschirr von der Oma irgendwo im Kasten stehen, oder?

Michael Brunmayr:

Und das ist auch das, was du vorher gesagt hast, wenn man sich solche Möbel nicht selber bauen kann, so wie du, oder nicht leisten kann vom Tischler, Dann gibt es immer noch Möbel, die man vererbt kriegt vielleicht oder gebraucht kauft auf dem Flohmarkt. Und da gibt es auch, wir haben einen super Schuhblattkasten als Wickeltisch zum Beispiel, der ist 300 Jahre alt. Und den greife ich auch genauso gerne an, weil das ist einfach ein abgelaugtes Fichtenholz.

Friedrich Idam:

Wenn man auf Internetplattformen, Tauschplattformen eigentlich nur Möbel der Kategorie zu verschenken oder nur abzuholen, es gilt, oder ich habe einige Möbel gekauft, sogenannte Antiquitäten auf Auktionsplattformen und mittlerweile sind ja Barockmöbel aus Massivholz billiger als zum Beispiel Kaufhausmöbel. So ab so, wie das klingt.

Iris Nöbauer:

Weil uns mit den Kaufhausmöbeln und ihrer Adaptionsfähigkeit wieder diese Individualität vorgegaukelt wird vielleicht. Weil ich kann es ja verschieden zusammenstapeln oder sonstiges.

Friedrich Idam:

Aber eine Qualität, das ist mir jetzt eingefallen bei deinem Beispiel mit dem Wickeltisch, das sind die Spuren der Zeit. Ich erlebe es auch so, dass eigentlich ein Objekt, möglicherweise auch ich als Mensch, dadurch gewinne, wenn die Spuren der Zeit sichtbar sind, wenn die Veränderungen, die das Leben mitgebaut haben, weil dann auf einmal die Dinge, das ist jetzt besser poetisch, Geschichten erzählen.

Michael Brunmayr:

Ja, also mich beschäftigt das schon, was du gesagt hast, das Repräsentieren. Vielleicht ist das schöner wenn man die Geschichte von dem Makel erzählen kann vielleicht ist das repräsentativer als wie das perfekte Tischlermöbel also kommen wir als Menschen wieder dahin, dass wir nicht scheinen wollen, sondern die Geschichten erzählen, die wir da sehen.

Friedrich Idam:

Also ich glaube auch in meiner Erfahrung als Lehrer und Vortragender den besten Erfolg besitzen die Geschichten des Scheiterns. Zum Beispiel, ich erzähle, und ich glaube, ich habe schon eine Episode dieses Podcasts über diesen Holzstöckelboden gestaltet. Ich weiß nicht, ob ich in der Podcast-Episode so explizit mein Scheitern auch erzählt habe. Aber da merke ich auch, wenn etwas schief geht, ich glaube natürlich ist die Schadensfreude eine der reinsten Freuden. Und wenn man ihnen erzählt, was für Fehler man gemacht hat. Ich glaube, das macht einen ja auch menschlich und letztlich auch ein Haus. Die Baufehler sollten natürlich nicht ganz substanziell sein, dass da etwas einsteht. Aber so diese kleinen Fehler, das sind eigentlich ganz nett.

Iris Nöbauer:

Das würde ich auch sagen, ja. Ich merke es auch bei mir persönlich, also wenn ich für mich selber ausführe, dann bin ich viel zu ungeduldig für den Perfektionismus. Also ihr sagt dann, ach, das passt schon so, weil ich will ja was anderes auch noch machen gehen. Aber das mache ich bei mir daheim.

Friedrich Idam:

Das heißt, es könnte in Zukunft, wenn wieder viel mehr Menschen quasi durch materielle Umstände dazu gezwungen werden, selbst Hand anzulegen, könnte dieses Selbsthand anlegen, sich selbst bis zu einem gewissen Grad die umgebende Hülle zu gestalten, auch den Menschen selbst verändern. dann.

Iris Nöbauer:

Ja, auf jeden Fall.

Michael Brunmayr:

Ich glaube auch, dass es uns als Gesellschaft wieder verändern kann. Weil ganz alleine würde man es nie schaffen, man braucht Hilfe und dann, Kommt man oder muss man wieder besser miteinander auskommen?

Iris Nöbauer:

Und auch mehr in Kontakt treten.

Michael Brunmayr:

Mehr reden, mehr Zeit miteinander verbringen.

Friedrich Idam:

Und in diesem Gemeinsamen Arbeiten passiert ja neben dem beschriebenen sozialen Kontakt, neben diesem gemeinschaftlichen Tun, ja auch die Wissensweitergabe. Dass ich von dem oder der, die neben mir steht, die Arbeit besser kann, schon öfter gemacht hat, mir einfach was abschaue. Also ich finde ja auch im Wort Abschauen, das ist ja so das Nichtverbale. Wir sind ja, ich denke, gerade ich als Lehrer, wo es ja die Berufskrankheit ist, zu viel reden ist, darum mache ich ja einen Podcast. Das ist ja auch das Abschauen, dieses wortlos nebeneinander Arbeiten und dass trotzdem das eine sehr intensive Form der Wissensweitergabe ist.

Iris Nöbauer:

Auf jeden Fall. Damit fängt es an, oder? Und dann probiert man es einmal selber aus. Weil man muss erst einmal gesehen haben, sagt man oft, oder? Dass man sich dann auch traut, es umzusetzen.

Friedrich Idam:

Weil es bei mir natürlich auch das Element immer war, dass ich etwas gesehen habe und mir dann gedacht habe, das hätte ich auch gern.

Iris Nöbauer:

Ist auch angeschaut.

Friedrich Idam:

Ja.

Michael Brunmayr:

Aber ich glaube, beim Abschauen muss man auch Geduld lernen. Das merke ich jetzt mit meiner großen Tochter. Die ist sehr motiviert, sehr aktiv und möchte alles am besten sofort selbst machen und ausprobieren. Und manchmal muss ich sagen, schauen wir mal zu. Ich sage ja nicht, wie es geht, ich sage einfach, schau mal, wie es ich mache. Und das braucht wirklich viel Geduld. Also das Beobachten, und das ist ja wie beim Zeichnen. Zeichnen kann man ja nur, wenn man genau hingeschaut hat, oder? Dann hat man was erkannt.

Iris Nöbauer:

Ich habe gerade eine Permakultur Ausbildung angefangen und der erste Planungssatz ist, beobachte genau und handle danach. Und ich habe mir dieses danach ganz dick unterstrichen, weil ich sehr schnell ins Handeln komme und dass ich halt zuerst wirklich dieses genau beobachten, abschauen, zuschauen kann. Eben verinnerlichen möchte.

Friedrich Idam:

Das heißt, du weitest dich auf. Also du bist quasi über ein Studium der Architektur zum Lehmbau gekommen, hast dich da eigentlich sehr fokussiert in einer Technik und jetzt weitest du wieder dein Spektrum, dass du zum Beispiel auch Richtung Permakultur gehst.

Iris Nöbauer:

Das ist eigentlich aufgrund von meinem Garten, der mich überfordert hat, entstanden. Und habe aber durch meine Ausbildnerin ja mir jetzt auch gelernt, dass ich eigentlich schon sehr viel Permakultur lebe und das habe ich sehr spannend gefunden, weil Permakultur ist ja nicht nur das einfache Garten, wie man oft glaubt, sondern umfasst eben auch das Gebäude, das meistens bei einem Garten dabei ist, im Planen, im Mitdenken. Also das finde ich sehr spannend.

Friedrich Idam:

Genau, worum geht es da? Ist für mich völlig neu.

Iris Nöbauer:

Wir haben tatsächlich noch nicht über das Gebäude an sich geredet, das kommt erst in einem weiteren Modul, also vielleicht müssen wir da später noch weiterreden. Ich bin, was Permakultur angeht, auch eigentlich sehr hineingeschlittert. Aber grundsätzlich waren eben die Dinge, über die wir jetzt schon gesprochen haben, was das Gebäude angeht, eben diese Genügsamkeit, dass man nicht zu viel erntet, dass man halt das, was man geerntet hat und was aber zu viel ist, eben teilt. Das kann man ja auch aufs Gebäude umlegen sozusagen. Also wenn ich jetzt zum Beispiel einen Keller mache, dann habe ich einen Aushub. Und wenn ich den Aushub nicht brauche, dann kann ich den teilen und weitergeben. Dass man halt, Auf die Natur und die Erde achtet, ist eines der Grundprinzipien. Und das ist ja auch, wenn man ökologische Materialien im Bauen verwendet und eben nicht sofort abreißt, sondern eben die graue Energie im Gebäude belässt. Das sind so die Aspekte, die mir jetzt einfallen, ohne dass ich es bis jetzt gelernt habe.

Friedrich Idam:

Also mir fällt jetzt ein weiterer Aspekt ein, wenn man jetzt den Lebenszyklus eines sehr einfachen Holzhauses, Also ich war damit ganz konkret konfrontiert mit einem sogenannten Kitting im Burgenland. Das ist ein ganz archaischer Speicherbautypus. Der ist eine Eichenholzblockzimmerung mit einem Lehmbewurf und einem Strohdach. Und der ist schon sehr weitgehend verfallen gewesen. Und da war auch ein Ansatz quasi, den Gans verfallen zu lassen. Und das ist aber ein Bausystem mit den Baustoffen Lehm, Stroh, Holz. Der völlig schadstofffrei wieder zu Boden wird. Und ich habe mich da mit jemandem unterhalten, der sich mit Kompostieren beschäftigt, dass das ein besonders guter Kompost wird, wenn bei der organischen Substanz auch Lehm dabei ist, der einfach durch den Regen aufgelöst und aufgewaschen wird, dass ja dann eine Humus-Type entsteht, die durch die Lehmbestandteile besonders gut Feuchtigkeit halten kann. Also man betreibt ja fast ein Upcycling, in dem man ein natürliches Haus verfallen lässt.

Iris Nöbauer:

Die perfekte Grundlage für ein bisschen überdimensionales Hügelbeet dann.

Friedrich Idam:

Du weitest dich also aus, einerseits durch Notwendigkeit beschäftigst du dich mit Permakultur, aber andererseits geht jetzt gerade auch bei dir in Lehmkollektiv erleben, das Themenfeld auf. Es ist jetzt nicht nur der Lehm, sondern es sind auch andere ökologische Baustoffe, die du unter die Leute bringen möchtest.

Iris Nöbauer:

Also ob ich die dann unter die Leute bringe, weiß ich nicht unbedingt, weil meine Expertise halt beim Lehm liegt. Aber das ist ja die Idee des Kollektivs, dass jeder ein Wissen hat, was er teilen kann. Und eben, dass man es generell auf ökologische Baumaterialien ausweitet und die Schnittstelle zwischen den Materialien dadurch mehr Raum kriegt, weil ich das öfter erlebe, dass die Übergänge von einem Material zum anderen Material problematisch sind oder dann doch wieder zum Bauschaum zurückgegriffen wird, weil man diese eine Stelle im Vorhinein nicht mitbedacht hat oder sonstiges und dass man durchgehend ökologisch planen und denken kann. Da wäre so die Idee, dass man das öffnet und andere ökologische Baumaterialien wie Stroh, Holz, Hanf etc. Mit einbindet in die Bildung.

Friedrich Idam:

Ich denke, das ist eines der Probleme, die ich im rezenten Bauwesen sehe, dass es für alles mögliche Spezialisten gibt. Und dass aber genau die von dir beschriebenen Schnittstellen, dass es quasi die Lehmbauerin gibt, die den Lehmbauer herstellt, den Tischler, der ein Fenster baut, aber der Anschluss dieses Fensters an den Lehm schwierig ist. Es fällt mir gerade ein, ich habe einen Freund als Konditormeister und der stand auch vor dem Problem Fenster einzubauen mit Kalkmörtel und er konnte natürlich nicht mit der Kelle umgehen und die Fenster quasi mit der Kelle, den Kalk in die Anschlussfuge zu werfen, wäre eine riesen Sauerei geworden. Und er hat natürlich als Konditormeister, kann er mit einem Dressiersack abgehen und zwar mit einem sehr großen Dressiersack. Und er hat den Kalkmörtel in diesen Dressiersack gegeben und ohne jede Sauerei quasi den Fensterstock angeschlossen. Wobei ich habe jetzt in der Zwischenzeit dazugelernt, wenn man in dieser Mörtelmischung beim Bindemittelanteil, also beim Kalkanteil, da etwa 10% ungelöschten Kalk dazu gibt, muss man zwar aufpassen, weil die chemische Reaktion ein bisschen heftig ist, also Handschuhe, Brille etc., aber das hat den Riesenvorteil, dass diese Mörtelmischung dann leicht expandiert. Also man hat dann das Phänomen, dass es in der Fuge aufgeht, also Ehen, die natürlich nicht so massiv wie der BU schauen, aber es geht auf und man hat wirklich keine Fugen zwischen Fensterstock und Mauerwerk. Und ich finde es aber schön, dass man eben aus einem anderen, der Maurer würde vielleicht darüber lachen über den Dressiersack, aber ich finde es genial.

Iris Nöbauer:

Ja, super Lösung. Ja. Ja, dass man nicht so engstirnig denkt, sondern eben auch.

Friedrich Idam:

Du hast jetzt Hanf angesprochen. Hanf ist ja eine Pflanze, die ja nicht nur wegen ihrer Fasern interessant ist, aus der man Fasern ja mehr auseinandergesetzt mit diesen Hanfschäben. Ich habe auch schon einmal eine Episode dieses Podcasts mit einem Hanfkalkbauer gestaltet, Reinhold Straub, stelle ich auch in die Show Notes einen Link. Habt ihr euch auch mit diesem Thema Hanfkalk auseinandergesetzt oder sind es bei dir diese fasrigen Hanfdämmplatten?

Iris Nöbauer:

Natürlich kommt am Hanf immer wieder unter, aber ich habe Hanflehm-Mischungen zum Beispiel schon in der Hand gehabt und verarbeitet für Lehmzielt.

Friedrich Idam:

Wo du den Hanf als Armierung des Lehms verwendest. Genau.

Michael Brunmayr:

Oder als Schüttmaterial. Also die Hanfschäben wirklich mit trockenem Lehmpulver gemischt als Bodenaufbauschüttung verwenden. Hanfkalk finde ich extrem spannend. Würde ich sehr gerne mal ausprobieren. Und das ist auch ein bisschen so die Idee von dem Kollektiv, weil, dass wir das ausweiten wollen, damit wir Sachen ausprobieren können. Und ich glaube, wir müssen uns auch einfach trauen, da irgendwie dranbleiben und experimentieren und man wird immer wieder, ob es jetzt unsere eigenen Baustellen sind oder ob Leute zum Kollektiv dazukommen, immer wieder die Möglichkeit kriegen, zum Experimentieren.

Friedrich Idam:

Und voneinander lernen.

Michael Brunmayr:

Genau, wenn zum Beispiel ein Bäckermeister dabei ist auf den Spritzsack, werde ich nicht kommen auf den Dressiersack. Also ich finde, das entsteht nur aus einem gemeinsamen Tun und nicht, weil der Verputzer und der Fensterbauer miteinander reden, sondern weil Einfluss kommt, Umwelteinfluss.

Friedrich Idam:

Es schaut zumindest so aus oder so wie jetzt an einem regnerischen Tag so ein leichter Sonnenschein in dieses mittelalterliche Gemäuer fällt, dass es auch möglicherweise wirtschaftlich nicht zu guten Zeiten zu sehr interessanten Entwicklungen in der Baubranche kommen könnte und dass wir eigentlich keine Angst vor der Zukunft haben müssen.

Michael Brunmayr:

Ich bin sehr zuversichtlich. Und wenn man die Sachen anschaut, die aus der Siedlerbewegung gekommen sind, 20er, 30er Jahre, Also wenn wir räumlich wieder eine Qualität hinkriegen und ein gemeinsames Tun, das würde mich schon sehr freuen. Und die wachsenden Gemeinschaftsbauprojekte zeigen uns das auch. Also irgendwo ist das Bedürfnis da, miteinander unsere Umwelt zu gestalten.

Friedrich Idam:

Mit der Siedlerbewegung hast du mir natürlich jetzt ein Stichwort geliefert. Ich habe die Siedlerbewegung eigentlich schon immer so im Hinterkopf gehabt während unseres Gesprächs. Also für unsere Hörer, das war eine Bewegung, die aus der Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg entstanden ist. Nach Ende des Ersten Weltkriegs sind ja viele deutschsprachige Österreicher aus den Kronländern nach Wien zurückgeströmt. Wien hatte zu der Zeit eine extreme Wohnungsnot und aus dieser Situation heraus gab es einerseits von renommierten Architekten, wie zum Beispiel Adolf Loos, den Ansatz, Baupläne für größenoptimierte Reihenhäuser zur Verfügung zu stellen, Aber andererseits von den Menschen, die Wohnraum brauchten, ich präge jetzt ein neues Wort, von handwerksfernen Schichten. Diese handwerksfernen Schichten waren bereit, Handwerk zu lernen und haben sich das durch gemeinsames Arbeiten, so wie es wir jetzt in dem Gespräch quasi idealisiert haben, geschaffen. Und wenn wir uns heute diese Siedlungen anschauen, zum Beispiel am Rosenhügel, das sind ja immer noch gut funktionierende Häuser nach 110 Jahren.

Iris Nöbauer:

Machen wir das wieder.

Michael Brunmayr:

Und ich glaube, wir können uns glücklich schätzen, weil unsere Not ist vielleicht eine Energienot oder eine Not an industriellen vorgefertigten Produkten und nicht, dass wir vertrieben worden sind oder dass es Krieg gibt oder was auch immer. Also glaube ich, können wir da auch mit einer großen Freude in so eine Veränderung, in so einen Wandel einigen.

Iris Nöbauer:

Weil wir auf der Erde stehen, die unser Material ist.

Michael Brunmayr:

Ja.

Friedrich Idam:

Liebe Iris, lieber Michi, ich danke euch sehr herzlich für das Gespräch.

Michael Brunmayr:

Dankeschön. Dass wir vorbeikommen haben.

Friedrich Idam:

Danke, dass du da seid.

Michael Brunmayr:

Danke.

Über diesen Podcast

Simple Smart Buildings steht für Gebäude die einfach und dauerhaft gebaut sind. Für die Generationen vor uns war es ganz normal mit einfachen Mitteln dauerhafte Gebäude zu errichten. Diese Art zu bauen hat sich über Jahrhunderte bewährt und wir können daraus lernen. In den verschiedenen Regionen entwickelten sich aus lokal vorhandenen Baustoffen resiliente Baukonstruktionen und Gebäudetypen, welche Jahrhunderte überdauert haben und gerade deshalb immer noch eine hohe Nutzungsqualität bieten. Dieser Podcast erzählt von Möglichkeiten einfach gut zu bauen.
Ab Folge 140 ist für jede Episode ein redaktionell bearbeitetes Transskript hochgeladen.

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von und mit Friedrich Idam und Günther Kain

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