Friedrich Idam:
Heute bin ich zu Gast bei Joel Schmalnauer in Bad Goisern. Ich habe von dir jetzt eine gründliche Führung durch dein Haus bekommen, durch die Räume, die du bereits nahezu fertiggestellt oder ganz fertiggestellt hast, über Räume, über die wir uns in den vergangenen Podcast-Folgen unterhalten haben. Wir sind etwa stehen geblieben bei den Estrichen. Und du hast mich eingeladen, einerseits das Haus zu sehen, andererseits wollen wir natürlich den Hörern des Podcasts Simple Smart Buildings auch zeigen, was ist bei dem Haus weitergegangen und vor allen Dingen auch die Erfahrungen, die du gesammelt hast vom Estrich bis zum Einzug. Wie ist es da bei dir weitergegangen?
Joel Schmalnauer:
Erst einmal freut es mich sehr, dass du dich auf den Weg gemacht hast und mich heute da besuchst. Stehen geblieben sind wir - es war bei unserem letzten Baustellengespräch im Obergeschoss der Estrich bereits betoniert. Im Erdgeschoss waren die Vorbereitungen dafür abgeschlossen und es ist dann eben weitergegangen. Einmal eben den Estrich fertigstellen und parallel habe ich bereits im Obergeschoss schon dann zum Streichen der Wände begonnen. Das ist natürlich eine sehr schöne Arbeit, solange noch keine Elektroinstallation ist, also keine Dosen bzw. die Einsätze abmontiert werden müssen.
Friedrich Idam:
Also letztlich die Finalisierung der Elektroinstallation.
Joel Schmalnauer:
Genau, natürlich alles, was unter Putz ist, ist fertig, aber dann eben kann man direkt über alles drüber weisseln. Es ist kein Boden, keine Möbel, nichts, was man abdecken, abkleben muss, einzig die Fenster, auf die man achten muss. Und da ist die Arbeit wirklich sehr schön, im Gegensatz, wenn man es vielleicht kennt, in einem bewohnten Haus einen Raum zu streichen, wo man wirklich tagelang beschäftigt ist, den auszuräumen, alles abzudecken, abzukleben. Also das geht dann doch sehr rasch in einem Haus, das eben gerade in der Entstehung ist.
Friedrich Idam:
Mit welchen Farben hast du gearbeitet und mit welchem Anstrichwerkzeug?
Joel Schmalnauer:
Ja, ich habe da eine Silikatfarbe verwendet. Die eben diffusionsoffen ist. Das ist eine herkömmliche in Kübeln abgefüllte fertige Farbe. Allerdings habe ich etwas gemacht, was eigentlich nicht empfohlen wird, dennoch vor allem beim ersten Anstrich sehr stark verdünnt, weil das einfach eine sehr dicke Farbe ist und das einfach meiner Meinung nach nicht so gut mit dem Putz sich verbindet, wenn das nicht einfach wirklich deutlich dünnflüssiger wird.
Friedrich Idam:
War der Verputz bereits gut ausgetrocknet, sodass er die Farbe stark aufgesogen hat?
Joel Schmalnauer:
Der Verputz war natürlich, nachdem ich das ja alles selbst verputzt habe und dementsprechend sehr lange für das Verputzen gebraucht habe, war er in den Räumen, wo ich geweisselt habe, schon sehr lange ausgetrocknet und dementsprechend die Farbe verwendet. Hat da sehr gut, auch ohne irgendeine Grundierung, gleichmäßig auf den Putz, konnte da aufgebracht werden.
Friedrich Idam:
Dasselbe gilt ja auch für Kalkfarben, dass man wirklich auch einschätzen muss, wie trocken oder feucht ist der Putz. Da gibt es ja quasi einerseits die Methode Feucht in Feucht zu arbeiten, da kann man dann durchaus die Farbe etwas weniger verdünnt auftragen. Aber wenn eben dann der Putz bereits ausgetrocknet ist und sehr stark saugt, ist es sicher klug, die Farbe entsprechend zu verdünnen oder eben Grundierungen zu verwenden. Wobei, denke ich, das Problem der Grundierungen ja darin besteht, dass ja durch die Grundierung die Diffusionsoffenheit der Wandoberfläche reduziert wird.
Joel Schmalnauer:
Genau, also da wird es sicher unterschiedliche Produkte geben, aber ich denke, zumindest probieren sollte man es, ob es direkt funktioniert. Natürlich, wenn es sehr unterschiedliches Saugverhalten gibt, dann kann man wahrscheinlich kaum aus, wenn man wirklich ein einheitliches Bild haben möchte, dass man das in irgendeiner Form egalisiert. Aber in dem Fall hat es sehr gut funktioniert, eben auf diesen Kalkputz die Silikatfarbe aufzubringen.
Friedrich Idam:
Und ich denke, es ist natürlich auch der Faktor Zeit. Wenn man jetzt Zeit zur Verfügung hat, kann man natürlich verschieden trockene Flächen unterschiedlich behandeln. Und man kann sich auch natürlich für das Egalisieren mehr Zeit nehmen und wenn dann zum Beispiel noch nach einer Trockenzeit von einigen Tagen einige Bereiche der Wand noch anders aussehen, kann man dann, glaube ich, noch einmal drüber arbeiten.
Joel Schmalnauer:
Genau, es gibt Stellen im Haus, wo ich nur zweimal einen Auftrag gemacht habe. Es gibt Stellen, wo ich dreimal einen Auftrag gemacht habe. Also das sieht man dann eh vor allem, wenn dann die Sonne hereinscheint und man das Streiflicht an den Wänden hat, sieht man sofort, wo es vielleicht noch etwas fleckig aussieht.
Friedrich Idam:
Du bist zwar kein Malermeister, aber du bist Tischlermeister, Schreinermeister, wie man in Deutschland sagt. Und du hast ja in deiner Berufsausbildung ja auch mit dem Farbauftrag zu tun. Also in der klassischen Ausbildung gibt es einerseits den Farbauftrag mit der Spritzpistole, aber ich denke auch noch, das Arbeiten mit dem Pinsel ist auch für einen Tischlermeister durchaus eine Tätigkeit, die er im Rahmen seines Berufs ausführt. Also einfach auf die Möbelstücke, auf die Bautischlerarbeiten, eine Oberfläche zu machen. Wie bist du da bei den Wänden vorgegangen? Mit welchem Anstrichwerkzeug hast du da gearbeitet?
Joel Schmalnauer:
Ja, also zum Tischlerischen muss ich sagen, vor allem, wenn man privat auch etwas macht, hat man auch kaum eine andere Möglichkeit, als entweder mit dem Pinsel oder mit der Farbwalze zu arbeiten, mit den Lacken, weil man einfach die Absaugung nicht hat. Jetzt kann man natürlich, wenn es nicht anders möglich ist, im Freien draußen mit der Spritzpistole arbeiten, aber es hat natürlich nie die Qualität, als wenn man einen entsprechenden Spritzstand dazu hat. Also gerade im Privaten ist das eine ganz übliche Praxis, dass man es auch aufrollt, zum Beispiel den Lack. Und so ist es auch bei den Innenfarben. Ich habe einerseits einmal zuerst die Ecke, Und die Anschlüsse, gerade die Fensterlaibungen und so weiter, mit dem Pinsel vorgestrichen und dann die größeren Flächen eben mit der Farbrolle oder Farbwalze mit dem langen Stiel eben entsprechend dann die Farbe aufgerollt. Gerade im Bereich der Decken natürlich schon sehr anstrengend ist, wenn man dann so einen 18 Quadratmeter Raum, die Decke weisselt, da merkt man schon, was man getan hat.
Friedrich Idam:
Und nur für unsere Hörer, dass sie auch eine Vorstellung bekommen, es ist ein sehr heller Farbton. Hast du da ein reines Weiß, dieses RAL 9010 genommen oder einen etwas gebrochenen? Da bin ich mir nicht ganz sicher, es wirkt ein bisschen, ein bisschen gebrochen, der Weißton.
Joel Schmalnauer:
Ehrlich gesagt, wüsste ich nicht, was auf dem Farbkübel oben steht, außer Weiß. Aber es ist ein ganz normaler Standard Farbton, der eben in großen Mengen im Baumarkt, ohne dass man es jetzt irgendwie mischen muss, erhältlich ist.
Friedrich Idam:
Ein sehr angenehmer Farbton. Und es sind wirklich auch, was man ja in den vorigen Episoden hören kann, die Wanddurchbrüche, die Wandversetzungen, die du vorgenommen hast, das Einziehen von Stahlträgern. Es sind wirklich großzügige, wirklich lichtdurchflutete Räume geworden. Es ist eine sehr schöne Raumstimmung und für mich natürlich auch ein sehr schöner Beleg, dass man ein Haus, das in den 1950er, 1960er, 1970er Jahren gebaut, erweitert, umgebaut wurde, dass man so ein Haus auch im 21. Jahrhundert nicht wegreißen muss, sondern wieder sehr schön nachnutzen kann. Wieder dann mit den Anstricharbeiten, oder muss man sagen Malarbeiten, Anstricharbeiten ist eigentlich falsch.
Joel Schmalnauer:
Ja, ich glaube, es heißt Malarbeiten.
Ja, im Anschluss habe ich, nachdem ja weiterhin der Estrich noch austrocknen musste, in dem Fall hat das in etwa zehn Wochen gedauert, weil ich den ganz natürlich austrocknen lassen habe. Also es war damals August, September. Dementsprechend habe ich dann natürlich nicht einmal mit den Gedanken gespielt, ihn auszuheizen, weil da war es sowieso schon warm genug in den Räumen. Natürlich ausreichend immer gelüftet. Eben in den Intervallen, das haben wir schon einmal besprochen. Solange der entsprechend austrocknen musste, habe ich mich dann mit der Elektroinstallation beschäftigt, eben die ganzen Leitungen einziehen und die Vertragung der Steckdose, der Lampen. Schalter und auch die Deckenverkleidungen, die ich in Holz gemacht habe, eben jene Stahlträger, die ich da eingezogen habe, eben mit Holz verkleiden. Das waren eben Arbeiten, die ich gut machen konnte, solange der Estrich noch austrocken musste.
Friedrich Idam:
Eine Zusatzfrage zu den Leitungsquerschnitten. Da gibt es ja abhängig von der zukünftigen Belastung der elektrischen Leitungen und auch der Größe der einzelnen Schaltkreise gilt es ja, die Drähte entsprechend zu dimensionieren. Dann hast du dir, woher hast du dir die Expertise geholt? Ob du jetzt 1,5 Quadratmillimeter Querschnitt oder 2,5, woher hattest du da die Expertise?
Joel Schmalnauer:
Größtenteils von meinem Bruder, der zwar nicht Elektriker gelernt hat, aber sich schon sehr viel damit beschäftigt hat, eben auch ein Haus umgebaut hat. Und ich habe auch einen befreundeten Elektriker, der mir auch den Hauptanschluss gemacht hat. Und da konnte ich wieder Fragen stellen. Im Grunde ist es bei einer normalen Hausinstallation, wenn man das jetzt klassisch macht, ohne irgendein Smart Home System oder sonstiges, sehr einfach, weil man eigentlich, wenn man entsprechend die richtige Absicherung für die Schaltkreise wählt, alles mit 1,5 Quadrat machen kann, außer eben dann bei wirklich starken Stromverbrauchern, Eben in der Küche zum Beispiel braucht man natürlich eine stärkere Zuleitung für gewisse Geräte. Aber so die Standardinstallation der Räume ist eigentlich sehr einfach.
Friedrich Idam:
Und dann waren die Drähte eingezogen und der Estrich bereits so weit ausgetrocknet, dass du weiterarbeiten konntest. Wie hast du die Trockenheit des Estrichs geprüft?
Joel Schmalnauer:
Ja, einerseits mit einem sehr günstigen Baufeuchte - Messgerät, wo ich zumindest eine grobe Richtung hatte, wie trocken der war. Aber im Endeffekt habe ich einfach darauf vertraut, dass nach zehn Wochen und entsprechend Belüftung der Räume, der auch wirklich ausreichend getrocknet ist.
Friedrich Idam:
Und auch nach Augenschein.
Joel Schmalnauer:
Genau.
Friedrich Idam:
Und du das Gefühl hattest, das ist jetzt in Ordnung und da kann ich weiterarbeiten.
Joel Schmalnauer:
Und nachdem ich doch überall möglichst diffusionsoffene Aufbauten habe, denke ich, eine gewisse Baufeuchte hat man ja auch nach längeren Zeiträumen. Und das wird auch in diesem Haus gut austrocknen können, weil eben einfach die gesamte Konstruktion nicht so dicht ist.
Friedrich Idam:
Und der nächste Schritt waren dann schon die Böden?
Joel Schmalnauer:
Genau, dann ist es weitergegangen mit den Böden, nachdem eben die Estriche im ersten Stock bzw. Im Erdgeschoss mit vier Wochen Abstand betoniert habe, konnte ich dann eben im ersten Obergeschoss schon wieder beginnen mit den Böden und habe dann eigentlich zuerst mit den Fliesenarbeiten einmal begonnen. Und das war dann eh relativ zeitaufwendig, weil du hast es gesehen, im Bad doch der Grundriss durch meine Duschkonstruktion etwas verschachtelt ist und mit Gefälle in der Dusche hat das schon sehr viel Zeit in Anspruch genommen, da diese 60x60 Bodenfliesen entsprechend zu schneiden und zu verlegen, dann natürlich die ganzen Wandfliesen und so weiter. Also da war ich eigentlich mit diesem einen Raum doch einige Zeit beschäftigt.
Friedrich Idam:
Also du hast gleich mit dem schwierigsten Raum begonnen, also die größte Herausforderung beim Fliesenlegen war.
Joel Schmalnauer:
Ja, da war eben einfach der Estrich schon trocken im Obergeschoss und dementsprechend habe ich da auch begonnen. Und ja, es hat doch sehr gut dann funktioniert.
Friedrich Idam:
Es ist die Dusche ohne Schwelle, eine barrierefreie Dusche, wo der Boden vom Badezimmer im selben Niveau mit demselben Material in die Dusche übergeht, wo dann ein entsprechendes Gefälle herrscht, damit das Wasser dann natürlich Richtung Abfluss und nicht Richtung Badezimmer fließt. War da der Estrich schon in dem Gefälle vorbereitet?
Joel Schmalnauer:
Ja, den Estrich habe ich tatsächlich vor den eigentlichen Estricharbeiten schon händisch, also ohne der Estrichpumpe, betoniert, weil das eben schon mehrere Stunden in Anspruch genommen hat, diese einen Quadratmeter oder etwas mehr den Estrich zu betonieren, weil er eben im Grunde von vier Seiten im Gefälle zum Abfluss hin abfließen musste.
Friedrich Idam:
Aber natürlich, je sorgfältiger dieser Estrich vorbereitet ist, desto leichter ist dann die Fliesenlegerarbeit.
Joel Schmalnauer:
Natürlich, ja. Also vor allem bei größeren Fliesenformaten ist schon der Untergrund sehr wichtig, wenn man das eben mit der Zahnspachtel gleichmäßig den Fliesenkleber abziehen kann und dann da wirklich eine vollständige Auflage der Fliese im Mörtelbett gewährleistet ist.
Friedrich Idam:
Hast du im Bereich der Duschen, wo ja doch eine starke Wasserbelastung ist, den Estrich zusätzlich noch mit irgendwelchen Kunststoffmaterialien abgedichtet oder bist du da anders vorgegangen?
Joel Schmalnauer:
Ja, ich habe eine ganz übliche Flüssigabdichtung gewählt, also ein Anstrich, den man zuerst auf dem Estrich aufbringt, wo man auch den Übergang vom Estrich zur Wand mit einem entsprechenden Band abklebt und dann eben überstreicht. Und ich habe aber zusätzlich sowohl an den Wänden als auch Estrich ein Vlies eingearbeitet, mit dieser Abdichtung eingebettet. Weil doch vor allem der Estrich relativ rau war an diesen Stellen und da einfach nicht hundertprozentig gewährleistet sein könnte, dass diese flüssige Abdichtung sonst wirklich dicht wäre.
Friedrich Idam:
Ich denke, eine besondere Herausforderung ist ja auch das Einbetten oder das Einfügen des Abflusses in diese Abdichtung. Weil ich denke, das ist ja eine Problemzone, wenn hier nicht sorgfältig gearbeitet wird und dass es hier fast am leichtesten zu Undichtigkeiten kommen könnte.
Joel Schmalnauer:
Ja, ich denke, das ist vermutlich bei günstigen Herstellern schwierig. Ich habe da einen sehr hochwertigen Abfluss von einer namhaften Firma gewählt und die hat eine sehr große schon Anbindung, eben auch so ein Vlies, dass man eben dann entsprechend mit viel Fläche, die überlappt, auf die andere Abdichtung einbetten kann. Und dann funktioniert das sehr gut.
Friedrich Idam:
Und nachdem diese Abdichtungsmasse entsprechend ausgehärtet war, hast du dann einen herkömmlichen Fliesenkleber mit der Zahnspachtel aufgetragen. Und dann, ich nehme an, das sind Steinzeugplatten, die du dann entsprechend verlegt hast.
Joel Schmalnauer:
In dem Fall ist Feinsteinzeug, was natürlich durch die Härte zum Schneiden etwas schwieriger ist, aber mit einem Nassfliesenschneider funktioniert das eigentlich recht gut. Genau, die Bodenfliesen habe ich dann direkt ins Mörtelbett eingeklopft mit dem Gummihammer und mit sogenannten Nivellierhilfen, also wo man wirklich noch einmal die Fliesen aufeinander abstimmen kann, dass es da möglichst wenig Stufen gibt, fixiert bis zur Aushärtung. Und bei den Wandfliesen zusätzlich auch die Hinterseite der Fliesen zuerst dünn mit Fliesenkleber abgezogen, damit sie wirklich hundertprozentig, gut eingebettet sind und auch halten, was gerade bei mir wichtig war, weil wir beim Aussuchen der Fliesen einfach keine Wandfliesen gefunden haben, die uns zugesagt haben. Jetzt haben wir Bodenfliesen an der Wand, zwar in einer anderen Farbe als unsere Bodenfliesen, aber das hat uns einfach besser gefallen. Die sind aber deutlich schwerer als handelsübliche Wandfliesen. Dadurch war es einfach noch einmal wichtiger, dass die wirklich gut im Mörtelbett an der Wand halten, damit sie nicht wieder von der Wand herunterfallen, bis das ausgehärtet ist.
Friedrich Idam:
Und die sind ja dann, denke ich, auch besonders schwer zu durchbohren. Ich habe einmal versucht, ein Feinsteinzeug zu durchbohren, und dann draufgekommen, dass man da ganz spezielle diamantbestückte Bohrer braucht. Und wenn es dann noch eine dicke Bodenfliese ist, Das ist, denke ich, jedes einzelne Loch, das man bohren muss für irgendwelche Befestigungen, durchaus eine Herausforderung.
Joel Schmalnauer:
Ja, da muss ich sagen, alles was beim Fliesenlegen gebohrt wird, ist grundsätzlich kommt es auf das Material, also auf die Bohrer an. Und da habe ich mir eine gebrauchte, sehr günstig eine Getriebeständerbohrmaschine für Fliesenarbeiten gekauft. Und mit denen geht das super. im Nachhinein natürlich gerade für Befestigungen und so weiter. Löcher bohren auch, da gibt es spezielle Bohrer mit denen man da sehr schön durchkommt und dann eben einmal das Loch durch die Fliese bohrt und im Anschluss dann mit einem normalen Steinbohrer in der Ziegelwand dahinter.
Friedrich Idam:
Wie hast du dir die handwerklichen Fertigkeiten fürs Fliesenlegen angeeignet?
Joel Schmalnauer:
Ja, das Fliesenlegen war tatsächlich etwas, das ich vorher noch nie getan habe. Also auch bei anderen Baustellen war ich da nie dabei. Da habe ich schon größtenteils durch Videos, die ich mir im Internet angesehen habe, mir das so quasi schon einmal angeschaut und dann entsprechend nachgeahmt. Weil es glaube ich doch deutlich einfacher ist, wenn man es auf einem Video sieht, als wenn man es irgendwo nur liest.
Friedrich Idam:
Der Erfolg gibt dir recht. Also ich habe deine Fliesenlegerarbeiten jetzt gerade für eine halbe Stunde besichtigt und musste das Kompliment machen. Die sind hochprofessionell ausgeführt. Erfährt man, also ich schaue ja auch manchmal Videos, da bringen ja oft wirklich Spezialisten, zeigen da eigentlich mit großer Begeisterung ihr Handwerkt, die es können und geben ja das auch mit Freude weiter.
Joel Schmalnauer:
Ja, einerseits Spezialisten und andererseits auch Personen, die in der Situation waren, das einmal selbst zu machen und dann nämlich genau auch auf die Punkte eingehen, was bei ihnen schwierig war oder vielleicht nicht so gelungen ist. Wenn das jemand ehrlicher ist, kann man dadurch sehr viel lernen.
Friedrich Idam:
Das sind vielleicht oft die Besseren als die Vollprofis, wo alles perfekt aufs erste Mal funktioniert.
Joel Schmalnauer:
Ja, durchaus.
Friedrich Idam:
Nachdem du dann mit den keramischen Böden fertig warst, bist du dann zu den Holzböden übergegangen.
Joel Schmalnauer:
Genau, da habe ich dann die Holzböden verlegt. In meinem Fall habe ich es auch alle verklebt. Einerseits eben um noch einmal das Trittschallthema etwas zu reduzieren, weil einfach, wenn das vollflächig schön eingebettet ist, einfach die Trittlautstärke sich vermindert. Andererseits auch, um eben für die Fußbodenheizung das noch einmal zu verbessern, wo es auch einfach besser ist, wenn das ein verklebter Parkettboden ist. Und da habe ich dann entsprechend die Böden in den Räumen verlegt. Und ist natürlich auch deutlich einfacher, wenn man mit den Holzmaterialien zu den Fliesen hinzuarbeiten kann als umgekehrt. In meinem Fall habe ich mich dazu entschieden, da wirklich gleichmäßige Fugen zu machen und die nur mit einem Dichtstoff auszufüllen und keine Schwellenprofile zu verwenden und da sollte natürlich dann die Fuge wirklich passen, damit es auch schön ausschaut.
Friedrich Idam:
Ich unterstelle jetzt einmal, dass ein Tischler sich vielleicht leichter tut, mit einem Holzboden zu einem Fliesenbestand anzuarbeiten und möglicherweise der Fliesenleger eher sich leichter tut, zu einem Holzboden mit den Fliesen anzuarbeiten.
Joel Schmalnauer:
Das würde ich meiner Erfahrung nach nicht sagen, weil es beim Holzmaterial problemlos möglich ist, auch noch einmal einen halben Millimeter abzunehmen, was bei der Fliese nicht möglich ist, wenn man es nicht wirklich sehr aufwendig schleifen würde.
Friedrich Idam:
Also dein Argument hat mich jetzt überzeugt.
Zum Kleber, mit welchem Klebstoff hast du die Holzböden auf den Estrich geklebt?
Joel Schmalnauer:
Das ist auch wieder ganz ein handelsüblicher, im Kübel fertig abgefüllter Parkettbodenkleber. Ich weiß jetzt gar nicht auf welcher Basis der ist.
Friedrich Idam:
Möglicherweise Polyurethan-Basis.
Joel Schmalnauer:
Also gerade von der Farbe dieses Gelbliche würde ich auch in diese Richtung tendieren.
Friedrich Idam:
Du hast ja die Böden sehr lange vorausgeplant, welche Böden du machst und hast dann auf Internetplattformen Secondhand-Böden erwarten. Also das sind Böden, die zwar noch original verpackt waren, aber von ihren ursprünglichen Käufern, von den Erstbesitzern nicht gebraucht worden sind und sie sind ja dann, waren, für dich relativ günstig verfügbar.
Joel Schmalnauer:
Genau, also ich habe etwa vier verschiedene Böden - Quellen, wo ich die Böden herhabe, wie du sagst, alle original verpackt, aber eben einerseits vielleicht einmal ein einzelnes Kinderzimmer, wo es einfach in der Menge übrig geblieben ist, was für mich reicht, aber dann auch eben gerade im Erdgeschoss waren das über 50 Quadratmeter, wo eben der gesamte Parkettboden im Erdgeschoss für mich im gleichen Material ist, wo es eben auch einen Grund gab, dass der Boden wieder hergegeben wurde, obwohl er neu und original verpackt war. Und so konnte ich doch sehr viel Geld sparen. Also da sprechen wir, glaube ich, von ungefähr einem Drittel des Geldes, was ich bezahlt hätte, hätte ich diese Böden jetzt normal gekauft. Und ich muss aber sagen, den ersten Boden habe ich, denke ich, vor ungefähr fünf Jahren bereits gekauft. Also der liegt schon sehr lange bei mir.
Friedrich Idam:
Ja, das ist in der Originalverpackung kein Problem.
Joel Schmalnauer:
Genau, und in meinem Fall war es eben möglich. Ich habe bereits die gesamte Planung gehabt. Ich wusste, wo ich den Boden einsetzen wollte, wie viele Quadratmeter das sind und konnte dementsprechend sehr lange im Voraus schon entscheiden, ob dieser Boden für mich geeignet ist.
Friedrich Idam:
Also es lohnt sich schon einerseits sehr lange voraus zu planen, sehr genau zu planen, sich wirklich Gedanken zu machen und dann aber auch die Zeit zu haben und nicht unter Zeitdruck zu stehen. Dann ist es eigentlich möglich, sehr hochwertige Materialien sehr kostengünstig aus irgendwelchen Überschussposten zu erwerben.
Joel Schmalnauer:
Genau, ja.
Friedrich Idam:
Nachdem nun die Böden verlegt waren, was waren dann noch die nächsten Schritte zur Finalisierung?
Joel Schmalnauer:
Ja, dann ist bereits losgegangen mit sämtlichen Einbautischlarbeiten, also einerseits natürlich die Innentüren, die entsprechend zu versetzen waren und eben auch alle Möbel, die eben Einbaumöbel sind, also einerseits die Küche, andererseits Einbauschränke, gerade im Schlafzimmerbereich, im Ankleideraum, was eben wirklich eingepasst werden muss. Und eben nicht nur schnell beim Übersiedeln dann an den Ort und die Stelle hingestellt werden können. Das dauert doch eben noch einige Zeit. Ich habe auch einige, gerade im Erdgeschoss, noch einmal so niedrige Abtrennungswände aus Holz erstellt. Und eben das sind so Arbeiten, die dann einfach für mich natürlich im tischlerischen Bereich, wo ich doch relativ schnell war, aber die trotzdem einige Wochen in Anspruch nehmen, wenn man das neben der Arbeit her macht.
Friedrich Idam:
Aber du hast ja auch hier wieder Materialien sehr kreativ umgenutzt, also so wie du im Badezimmer, im Obergeschoss quasi Bodenfliesen als Wandfliesen verwendet hast, so hast du ja auch Reste der Fußbodendielen, dieser Dreischichtdielen, hast du ja auch wieder für diese Zwischenwände, also für diese halbhohen Zwischenwände verwendet.
Joel Schmalnauer:
Genau, sowohl da als auch bei den teilweise Deckenverkleidungen habe ich mich für Parkettboden entschieden, weil es einfach sehr schnell herzustellen ist, der Boden sehr formstabil ist und eben schon eine fertige Oberfläche besitzt und man so einfach sehr schnell solche Dinge machen kann, ohne dass ich das in sehr viel Arbeit ausarte.
Friedrich Idam:
Ja, ich staune also wirklich. Ich finde es schon beeindruckend, wie schön, wie perfekt, aber letztlich auch wie kostengünstig man ein Haus bauen kann, wenn man sich dazu die Zeit nimmt. Natürlich, wie es bei dir ist, durch deine Berufsausbildung natürlich eine Basis - Handwerksausbildung besitzt, aber eben auch den Mut besitzt, sich in andere Handwerke zu begeben. Wenn du jetzt zurückblickst, wir sitzen jetzt im quasi fertigen Haus, gibt es Arbeiten, wo du jetzt im Rückblick sagen würdest, naja, das wäre vielleicht doch nicht so glücklich, dass ich es selbst gemacht habe?
Joel Schmalnauer:
Gibt es eigentlich nicht. Also wir haben wirklich alle Arbeiten, wirklich selbst Spaß gemacht zu machen. Und auch wenn es vielleicht einmal wohl nicht so perfekt ist, wie - wenn man Glück hat - ein guter Professionist gemacht hätte.
Joel Schmalnauer:
Trotzdem schaut man dann gern drauf und denkt sich, das habe ich selbst gemacht und nicht, das hat irgendjemand für mich gemacht. Und eben einfach auch der Kostenaspekt, ich hätte mir das einfach nicht leisten können. Natürlich hätte ich mir einen sehr hohen Kredit aufnehmen können. Das hört man ja doch sehr oft, dass momentan sehr hohe Kredite aufgenommen werden für solche Projekte. Aber ich möchte mich einfach nicht über Jahrzehnte verschulden und somit war es einfach so möglich, wirklich einen sehr hohen Wohnstandard zu erreichen in einem finanzierbaren Rahmen. Und natürlich, es hat 14 Monate gedauert, bis dass wir eingezogen sind. Das ist natürlich in Anbetracht, dass wirklich alles von mir beziehungsweise Familie und Freundeskreis, die mitgeholfen haben, gemacht worden ist. Natürlich trotzdem eher wenig Zeit, würde ich sagen. Also man hört auch von Projekten, die über viele Jahre gehen, wenn man das wirklich selbst macht. Aber natürlich auch, wenn man es jetzt gerade im Fertighausbereich zum Beispiel sieht, wo ein Haus vielleicht im Frühjahr die Baugrube ausgehoben wird und im Herbst ziehen die Personen ein. Mit dem, kann man es natürlich auch nicht vergleichen.
Friedrich Idam:
Ich weiß jetzt nicht, ob du das schon in einer der vergangenen Podcast-Episoden gesagt hast oder ob es in einem Gespräch Off-Records war. Ich habe es noch in Erinnerung, dass dein Leben, aber auch quasi das, was dich glücklich macht, eine Work-Work-Balance ist.
Joel Schmalnauer:
Ja, das haben wir schon mal besprochen. Und es ist wirklich so, dass ich bin Lehrer und unterrichte entsprechend junge Menschen im handwerklichen Bereich und das macht mir sehr viel Spaß. Es macht mir aber auch eben sehr viel Spaß, dann von diesen Unterrichten nach Hause zu kommen und da wirklich dann wieder selbst zu arbeiten. Und da ist es wirklich relativ egal, in welchem Bereich. Es gibt jetzt kaum einen Arbeitsschritt, wo ich sage, das war jetzt wirklich nicht lustig, das war eine Anstrengung für mich, natürlich körperlich anstrengend, Aber trotzdem einfach wirklich für mich die liebste Freizeitbeschäftigung. Und jetzt gerade, wo wir quasi im Wohnbereich fertig sind, wir sind eingezogen im Dezember, jetzt ist es wieder losgegangen, im Keller vielleicht wieder eine Wand zu verputzen. Und es hat wieder genauso viel Spaß gemacht, als wie vor einem Jahr, wo ich im Wohnbereich verputzt habe.
Friedrich Idam:
Joel, ich danke dir sehr für die Einladung in dein Haus, dass ich das jetzt alles sehen konnte. Und ich danke dir auch sehr herzlich dafür, für die Einblicke, die du mir und natürlich auch unseren Hörern in dein Arbeitsleben und letztlich in dein Leben gegeben hast.
Joel Schmalnauer:
Ja, es hat mich sehr gefreut, dass du mich besucht hast.