Simple Smart Buildings

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Friedrich Idam:

Heute zu Gast in Simple Smart Buildings, Claudio Di Monaco. Es freut mich ganz besonders, dass du dich auf den weiten Weg von Hessen nach Hallstatt gemacht hast. Du bist heute neun Stunden im Zug gesessen, um mit mir diese Episode aufzunehmen. Dafür mein ganz herzlicher Dank. Im Vorgespräch sind wir draufgekommen, dass es in unserem beruflichen Werdegang eine sehr schöne Parallelität gibt. So wie ich quasi von einem Saulus des Stahlbetonbaus zu einem Paulus der historischen Baustufe wurde, so hast auch du deine Handwerkskarriere als Stahlbetonbauer, als Schalungszimmerer begonnen. Du betreibst mit deinen Geschwistern eine kleine Baufirma und ihr habt euch aber jetzt auf die Restaurierung von Fachwerkbauten spezialisiert. Wie bist du quasi vom Stahlbetonbauer zum Restaurator von Fachwerkhäusern geworden?

Claudio di Monaco:

Also erstmal möchte ich mich auch nochmal herzlich bedanken für die Einladung. Ich bin sehr froh, hier zu sein und bin auch begeistert von Hallstatt und deinem Haus hier. Also das muss ich auch nochmal ganz klar sagen, es ist sehr schön, hier zu sein. Und die Frage ist super formuliert. Das war ein Zufall. Also wir wurden zu einem Auftrag gerufen, bei dem wir zwei Durchbrüche herstellen sollten in einem Altbau. Und erst mal hieß es, dass das ein massives Haus ist. Und das haben wir uns dann angeschaut. Und recht schnell habe ich und auch mein Bruder, wir beide haben dann recht schnell erkannt, das müsste eigentlich ein Fachwerkbau sein. Und genau an der Stelle, wo dieser eine, wo einer der Durchbrüche hin sollte, habe ich eine Strebe vermutet und den Planer gefragt, ob ich die Wand öffnen, ob ich da mal die Wand öffnen darf. Und da habe ich den Putz dann aufgekloppt oder von der Wand weggekloppt und ja, dann direkt auch eine Strebe festgestellt. Und dann kam eins nach dem anderen. Interessant bei diesem Bauvorhaben war aber, dass wir alle offen dafür waren. Und im Endeffekt haben da die Planer und wir ausführenden Kräfte, wir haben da Hand in Hand gearbeitet, weil auch der Kunde sehr interessiert daran war, dieses Gebäude zu erhalten. Und wir sind dann gemeinsam auf diesen Pfad gekommen, dass wir die Struktur so annehmen, wie sie war, die Bauphysik so annehmen, wie sie ist und in Lehm und Holz da diese Arztpraxis dann herstellten. Und parallel dazu habe ich aber auch mein Privathaus, das war dann mein ehemaliges Elternhaus, das habe ich auch saniert, also nach Feierabend dann. Und das ist auch ein Fachwerkhaus, so war ich also über ein halbes Jahr sehr intensiv mit zwei Baustellen beschäftigt, die rein übers Fachwerk, also die rein um Fachwerk gingen und, Ja, das hat dann einen Stein ins Rollen gebracht.

Friedrich Idam:

War es schwierig für dich eigentlich dann etwas anderes zu machen, als du gelernt hast? Du kommst ja aus einer Familie von Bauhandwerkern. Dein Vater war bereits Maurer. Du bist ja ins Handwerk hineingeboren, aber eher halt ins Mauern. Dann bist du noch stärker in den Stahlbetonbau eingestiegen, hast das auch gelernt, hast dort den Meister gemacht. Und auf einmal stehst du eigentlich vor einer ganz anderen Herausforderung, die ja nicht dein Fachgebiet betrifft, aber die berufsverwandt ist. War das für dich schwierig? War das für dich interessant? War das für dich eine Herausforderung?

Claudio di Monaco:

Ja, das war für mich vor allem sehr interessant. Ja, weil also eine Leidenschaft von mir ist das Lernen. Und das Beschäftigen mit neuen Themen und dann, also ich habe wirklich versucht, von vornherein das Ganze zu verstehen und habe mich mit Literatur auseinandergesetzt oder auch einfachen YouTube-Videos, wo sich Menschen diesem Thema Fachwerkbau irgendwie öffnen und darüber sprechen, was da so richtige Ansätze sind. Und meine vorherige Ausbildung hat vor allem dabei geholfen, die wirklich technischen Details nachvollziehen zu können und natürlich auch eine gewisse Praxis im Werkzeugumgang, die hatte ich natürlich mitgenommen. Aber dann braucht es die Offenheit, sich dann einen neuen Baustoff anzunehmen und das dann eigentlich zu kombinieren mit dem vorherigen Wissen.

Friedrich Idam:

Als Stahlbetonbauer, weil vielleicht stellen sich unsere Hörer jetzt natürlich bei dem Wort Stahlbetonbauer Beton vor, aber der Stahlbetonbauer, soweit ich diesen Beruf verstehe, ist ja eine der Hauptherausforderungen oder Hauptaufgaben in diesem Beruf, Schalungen aus Holz in erster Linie zu bauen, in welche dann erst der Frischbeton eingegossen wird. Wie ist da das Verhältnis Beton zu Holz beim Beruf des Stahlbetonbauers?

Claudio di Monaco:

Das ist in meinem Betrieb und eigentlich in den meisten Betonbauerbetrieben so, dass es sich hauptsächlich um das Herstellen von Schalungen handelt. Also in den Stellenausschreibungen für Stahlbetonbauer steht häufig auch, dass Einschaler gesucht werden, weil... Ja, es sich jetzt in den neuen Bauvorgängen als kostengünstiger erwiesen hat, wenn zum Beispiel der Stahl von Subunternehmen oder Nachunternehmern eingebaut wird. Und so ist eigentlich der Kern der Arbeit eines Stahlbetonbauers, mit Holz zu arbeiten.

Friedrich Idam:

Ich denke, das ist vielleicht für manche unserer Hörer durchaus interessant. Der Prozess besteht darin, wir sehen ja in der gebauten Realität Objekte, Elemente - zum Beispiel Stiegen oder was immer aus Beton, aber damit diese Betonstiege entsteht, braucht es eben den Stahlbetonbauer und der muss ja mehrere Felder bedienen. Er muss einerseits die Form herstellen, in welche dann der Beton gegossen wird, damit der Beton später dann so aussieht, wie er aussieht. Aber es muss ja auch in diese Form Betoneisen, Bewehrungseisen eingelegt werden, welches die Zugkräfte in der Konstruktion übernimmt. Und da gibt es ja auch ganz bestimmte Herausforderungen. Das muss ja einen bestimmten Abstand von der Schalung haben. Wie ist so der Alltag oder der Arbeitsprozess eines Stahlbetonbauers?

Claudio di Monaco:

Ja, also wenn wir das jetzt auf den Stahlbetonbauer allein beziehen, ich würde da beinahe schon auch das Maurerhandwerk mit reinnehmen. Das geht ja ein wenig Hand in Hand, weil der Meister, der nennt sich ja am Ende Maurer- und Stahlbetonbauermeister. Das ist ja dann eine Arbeit - aber das ist grundlegend ein Beruf, der mit sehr vielen Werkstoffen konfrontiert ist. Das ist für uns ganz normal, mit Holz gleichermaßen auch mit Stahl zu arbeiten. In der Ausbildung geht es ja allein schon darum, dass wir Schalungen herstellen und dann auch in der Lage sind, diese Bewehrungsstähle händisch zu biegen, also mit einfachen Biegerollen in Form zu bringen, wie wir die brauchen und im besten Fall auch so, dass wir möglichst wenig Material dabei verschwenden. Das heißt, man beschäftigt sich mit Streckgrenzen von Bewehrungsstählen und mit Rollengrößen und wie sich dann das Längenverhältnis von so einem Stahl verändert, wenn man den biegt, damit man halt wenig Material verschwendet bei der ganzen Sache. Das heißt, sehr tief beschäftigt man sich auch mit Stahl.

Friedrich Idam:

Und du lernst ja letztlich auch das Eisen binden, das Herstellen von Bewehrungskörben, dass du diese Strukturen, diese dreidimensionalen Stahlstrukturen mit Draht zusammenbindest und dann so in die Schalung einlegst, so sicher, dass sie in Position bleiben, wenn dann der Frischbeton eingebracht wird.

Claudio di Monaco:

Richtig, weil der essentiellste Punkt beim Betonbau ist die sogenannte Betondeckung. Also wie groß ist der Abstand zwischen dem Bewehrungsstahl und der Außenluft? Das ist der häufigste Grund für Sanierungsmaßnahmen heutzutage an alten Betonbauten.

Friedrich Idam:

Zwischen uns ist ja ein deutlicher Altersunterschied. Ich bin am Ende meines Berufslebens - Du zu Beginn - und in meiner Ausbildung in den 1980er Jahren lernte ich noch eine Mindestbetondeckung von 2,5 Zentimeter, zumindest zweieinhalb Zentimeter. Wenn die Stäbe noch dicker sind, zum Beispiel 4 cm, dann musste damals auch 4 cm Deckung sein. Hat sich das geändert? Ist das auch weniger geworden? Wird da mehr gespart?

Claudio di Monaco:

In meiner Lehre wurde da über die sogenannten Expositionsklassen gesprochen. Das heißt, wir haben da über Lastfälle, über Außeneinflüsse gesprochen, die dann in ein Verhältnis gezogen worden sind. Wir haben dann da Werte aus einer Tabelle genommen und dann sind wir auf eine spezielle Expositionsklasse gekommen und die hat dann die Mindestbetondeckung festgelegt.

Friedrich Idam:

Das ist dann schon die neue Stahlbetonnorm, die B4710.

Claudio di Monaco:

Richtig. Ja.

Friedrich Idam:

Entschuldigung jetzt an das Publikum, wenn wir uns jetzt da in eine Norm begeben. Sollte nicht sein. Aber das weiß ich von Stahlbetonbauten vom Beginn des 20. Jahrhunderts, dass da oft das Problem ist, die viel zu geringe Betondeckung, dass dann genau an den Stellen, wo der Stahl viel zu wenig mit Beton überdeckt wird, er dann korrodiert. Dadurch entsteht ein Druck und der Beton platzt dort direkt ab.

Claudio di Monaco:

Genau, weil wenn Stahl oxidiert, also rostet, auf gut Deutsch gesagt, dann vergrößert er sein Volumen und baut damit so einen Druck auf, dass er die Betonüberfläche wegsprengt. Und dann hat der Stahl noch mehr Kontakt mit Außenluft und Witterung und dieser Prozess wird dann immer schlimmer. Das ist der Grund für die meisten Sanierungsmaßnahmen im Betonbau.

Friedrich Idam:

Das heißt im Zweifelsfall lieber mehr Betondeckung. Ich glaube, ein Faktor ist ja auch der Zementgehalt des Betons.

Claudio di Monaco:

Genau, da treffen viele Faktoren aufeinander - natürlich. Es gibt auch zu viel Betondeckung. Und grundlegend ist zu sagen, dass heutzutage wesentlich mehr Wert darauf gelegt wird. Also diese Normen gab es auch schon früher, wie du ja gerade gut aufgelegt hast. Die wurden allerdings nicht so gut eingehalten. Ich weiß nicht, ob das an mangelnder Kontrolle lag oder an wie auch immer. Weil in den Fällen, wo wir diese Schäden sehen, da ist deutlich weniger Betondeckung, als damals auch schon verlangt worden ist eigentlich. Und heute ist das sehr penibel. Also so eine Schalung im Brückenbau, die ist blitzblank, bevor da betoniert wird. Da darf kein Rest von irgendeinem Draht oder irgendwie ein halber Nagel auf der Schalung liegen. Da wird sehr, sehr penibel drauf geachtet und das wird auch sehr oft kontrolliert.

Friedrich Idam:

Jetzt habe ich dich quasi auf Abwege geführt. Ich denke, was eine sehr interessante Aussage war, die du vorher getroffen hast, dass du als Stahlbetonbauer mit den unterschiedlichsten Werkstoffen, eben mit mineralischen Baustoffen, wie zum Beispiel dem Beton, mit Metall, mit Stahl, aber auch mit Holz. Und diese Breite in der Ausbildung, in deiner Lehre, hat dich ja eher zum Universalisten als zum Spezialisten gemacht.

Claudio di Monaco:

Das ist richtig, ja. Auch noch in der Kombination mit meinem Aufwachsen, also in einem Maurerbetrieb aufzuwachsen, heißt, man sieht diese facettenreiche Arbeit eines Maurers. Ja, der Aufgabenbereich von einem Maurer beginnt ja schon bei den Kanalarbeiten, bei dem Grundkanal, ja, und endet beim Ausmauern der Sparrenfelder, ja, und da bewegt man sich ja auch in einem Riesenfeld eigentlich, ja, in verschiedensten Werkstoffen. Und ja, dann außerdem bin ich ja auch noch Nachkomme von echten Praktikern im Handwerk. Die aus wenig Mitteln sehr, sehr viel machen konnten.

Friedrich Idam:

Hast du als Kind oder als Jugendlicher im elterlichen Betrieb schon mitgearbeitet?

Claudio di Monaco:

Ja, also meine ersten Baustellenschuhe, das sage ich mal, meine ersten Sicherheitsschuhe waren in Schuhgröße, ich glaube 32. Und das war damals sehr selten, das war sehr schwer zu bekommen. Heute kriegt man ja dank Online-Shops und so weiter sehr früh kindliche Arbeitskleidung, weil wir es alle schön finden, wenn unsere Kinder da schon mit reinwachsen. Aber damals, wie gesagt, war das seltener. Und mein Vater hatte eher das Problem, dass er Ärger mit mir hatte, wenn er mich an einem Samstag nicht mitgenommen hat auf die Baustelle. Das habe ich schon verlangt, dass ich da mit darf.

Friedrich Idam:

Und war das für dich einfach, weil es interessant war oder war es auch als Jugendlicher, dass du dir da Geld dazu verdienen konntest oder waren es alle Aspekte? Was hat dich schon als Jugendlicher an der Baustelle gereizt?

Claudio di Monaco:

Ja, also im Kindesalter beginnt das ja erstmal damit, dass man Zeit mit seinem Vater verbringen möchte. Weil in den damaligen Familiensituationen war das ja eher so, dass der Vater hauptsächlich arbeiten war. Die Mutter hat man häufiger gesehen und ich spreche jetzt mal nur für meine Familie, bei uns war das so. Und erstmal war es Zeit verbringen mit Papa, lernen vom Papa und Anerkennung vom Vater zu bekommen. weil ihm zu zeigen, dass man daran auch teilhaben kann, das würde ich sagen, war erstmal grundlegend der Antrieb. Und dann war es in der Jugend. Ich war unter meinen Freunden immer der, der samstags keine Zeit hatte, aber auch immer der, der am meisten Geld einstecken hatte.

Friedrich Idam:

Claudio, warum bist du jetzt gerne auf der Baustelle?

Claudio di Monaco:

Weil das für mich die perfekte Selbstverwirklichung ist. Ich kann meine Gedankengänge in Gestalt bringen. Und das hat für mich was Künstlerisches schon. Viele belächeln das, wenn ich das so damit vergleiche, aber für mich ist das eine Art Kunst. Für mich ist das auch, also ich mag das in diese Konversation mit anderen zu kommen, mit Bauherrschaften und Wünsche irgendwie anzunehmen, mich da reinzufühlen und ich mag das auch sehr, ein Haus zu verstehen und den Gedankengang des Herstellers nachzuvollziehen und das anzunehmen. Also ich bin da eigentlich immer in sehr vielen Punkten, in Historie, in Neuwunsch und setze das um. Und dafür kriege ich auch, ehrlich gesagt, sehr viel Anerkennung. Und das gefällt mir auch gut. Das kommt gut an und das macht mich glücklich.

Friedrich Idam:

Ja, da fühle ich mich mit dir sehr verbunden. Wenn ich jetzt auch an meinen beruflichen Werdegang zurückdenke, vom Holzbildhauer, dann war ich sieben Jahre lang Totengräber, dann zweiten Bildungsweg, ein Architekturstudium, dann Ofensetzen, Tischlern, Bauphysik, selber Haus bauen. Also diese ganz unterschiedlichen Durchschlängeln durch verschiedene Berufsfelder, die im weitesten Sinn schon mit Bauen immer zu tun haben, Wenn du jetzt einem jungen Menschen, der dich fragen würde bei der Berufswahl, was würdest du raten oder welchen Weg denkst du, ist es klug als junger Mensch einzulegen, um dann letztlich das Betätigungsfeld zu finden, was einen so erfüllt, wie du es jetzt für dich beschrieben hast?

Claudio di Monaco:

Also unsere beiden Wege vereint ja die Tatsache, dass wir uns immer eigentlich mit dem beschäftigt haben, was uns in dem Moment erfüllt hat, was uns in dem Moment Spaß gemacht hat. Und da war jetzt die klare Linie einer Ausbildung erstmal zweitrangig. Das Leben im Vergleich zu einer Ausbildung ist ja einfach sprunghaft. Und ich finde, man sollte das nicht so stark trennen. Im Beruf muss auch nicht immer eine perfekt gerade Linie gegangen werden. Man sollte das tun, was einem gerade das Bauchgefühl auch hat. Und bei mir war das dann zum Beispiel auch der Fall, dass ich eine Ausbildung gemacht habe und dann bin ich erst mal einen akademischeren Weg gegangen und habe mal einen Studiengang begonnen und habe dann den nächsten Studiengang gemacht und habe erst über das Studium wieder den Weg in die handwerkliche Praxis gefunden, weil ich dadurch auch die Erfüllung anders verstehen konnte, die ich da drin habe. Und ja, wenn ich jetzt jemandem was raten sollte, dann ist das Folge dein Bauchgefühl.

Claudio di Monaco:

Und fahr dich nicht fest auf eine ganz klare Linie. Wenn ich das weiterführen darf, dann würde ich jetzt sagen, es gibt zum Beispiel die Jugendbauhütten in Deutschland. Ich weiß nicht, ob das hier ein Begriff ist. Also die Jugendbauhütten in Deutschland, oder ich weiß gar nicht, ob es sowas auch in Österreich gibt. Nein, gibt es nicht.

Friedrich Idam:

Ja.

Claudio di Monaco:

Also wir haben in Deutschland die Jugendbauhütten und da hat man die Möglichkeit, in verschiedene Restaurierungsbetriebe zu gehen und sich mal deren Arbeiten anzuschauen. Das ist so ein Format von einem freiwilligen sozialen Jahr. Da verdient man im Monat einen gewissen Betrag. Ich glaube, das ist irgendwie so 520 Euro Basis. Und da kann man sich eintragen in diese Betriebe und sich die Arbeiten angucken. Ich würde mir erst mal verschiedene Handwerke anschauen, bevor ich mich für ein Handwerk entscheide. Und dann würde ich mir auch die Möglichkeit offen lassen, mich mit verschiedenen Handwerken und Bereichen davon zu beschäftigen. Ich habe das Gefühl, dass Berufssuchende heutzutage eine Vorstellung haben, dass man so eine Art Schockverliebtheit fühlt, wenn man neu in einem Beruf ankommt. Aber das, was ich empfehlen würde, ist, mit Zeit an die Sache ranzugehen und einen Beruf so zu formen, dass er einen erfüllt. Also ich habe auch nicht die volle Erfüllung im Stahlbetonbauerhandwerk gefunden. Und es gab auch Tage in der Betonbauerausbildung, an denen ich das Gefühl hatte, dass ich auf dem falschen Weg bin. Aber all das, was danach kam, hat trotzdem zu einem erfüllenden Punkt geführt. Also ich habe mich dann hierhin entwickelt, weil ich offen geblieben bin und weil ich dem Ganzen eine Chance gegeben habe. Und das ist auch etwas, was ich sehr empfehlen würde.

Friedrich Idam:

Wenn ich dir jetzt so zuhöre, dämmert mir eine weitere Ähnlichkeit zwischen unseren beiden Berufen, So wie du vorher beschrieben hast, wie du als Stahlbetonbauer mit verschiedenen Materialien zu tun hattest und hast, so ist es mir auch in meiner Ausbildung als Bildhauer gegangen. Ich habe auch mit den verschiedensten Materialien - mit Ton gearbeitet, mit Holz, mit Stein, mit Metall, mit Kunststoff zu tun. Und ich habe es auch so erlebt, dass das Ausprobieren verschiedener Materialien, das Ausprobieren verschiedener Techniken mir mehr Möglichkeiten gezeigt hat und mich offener gemacht hat, als wie wenn ich eine ganz spezielle Ausbildung gemacht hätte. Und ich bin sehr froh drum, weil genau das hat mir ja beim eigenen Hausbau geholfen, so viele verschiedene Dinge selbst zu machen, beziehungsweise mich zu trauen, mir zuzutrauen, diese Dinge selbst anzugehen.

Claudio di Monaco:

Richtig, das ist ja vor allem auch ein eigenes Objekt perfekt, um sowas zu üben, weil man ja, ich sag mal, jemand anderem keinen Schaden zufügt damit. Aber ja, also das Probieren. Der Lehmbau zum Beispiel ist ja ein Feld, das wenig kompromissbereit ist auf der einen Seite und auf der anderen Seite aber sehr anfängerfreundlich ist. Weil der Lehm an sich, jetzt zum Beispiel bei einem Lehmputz, der lässt einen ja auch nacharbeiten. Zum Beispiel, ja, also das bindet nicht so schnell ab wie was Zementäres. Ja, also wenn ich jetzt einen Zement- oder Gipsputz auftrage, dann wird der schnell fest. Ich muss also wissen, was ich tue, damit ich schnell genug fertig werde mit der Oberfläche. Und dann kann man an dieser Oberfläche eigentlich kaum noch was ändern, wenn das mal ausgehärtet ist. Und das macht der Lehm nicht so. Also der Lehm braucht Zeit, um auszuhärten. Und diese Zeit schenkt mir die Freiheit, den so lange zu modellieren, bis ich zufrieden bin damit.

Friedrich Idam:

Du kommst ja aus dem Bereich Kalk, Zement, wo man ja glaube ich sehr, sehr früh lernt, das Material nicht mit bloßen Händen zu berühren. Wie war da für dich der Übergang zum Lehm? Hattest du anfangs Scheu, den Lehm mit bloßen Fingern zu berühren?

Claudio di Monaco:

Ganz klar, ja. Also ich hatte anfangs Scheu davor und weil, ja, wenn man natürlich in direkten Hautkontakt mit so stark alkalischen Materialien kommt, dann hat man da halt diese basischen Verbrennungen. Man sollte das tunlichst vermeiden, damit in Kontakt zu kommen. Und dann war ich erst Scheu und auch die Werkzeugpflege ist eine ganz andere. Ja, also wie wichtig es ist, eine Kelle zu reinigen, nachdem man mit Zement gearbeitet hat, erfährt man dann, weil die kann man sonst nur einmal benutzen. Und beim Lehm ist das natürlich ganz anders. Den kriege ich immer wieder weg. Also mein Werkzeug ist dadurch wunderbar sauber geblieben. Das ist ganz schön. Und also am stärksten merke ich den Unterschied bei den Gerüchen. Ich bin anscheinend da affin für. Ich liebe den Geruch von Lehm und ich habe immer mehr Abneigung gegenüber dem Geruch von Zement bekommen, weil ich einfach, man fühlt, also es ist eine Sache vom Bauchgefühl. Wenn man mit natürlichen Baustoffen arbeitet, dann merkt man, da ist auch etwas in mir, was sich wohler fühlt, damit zu arbeiten. Und diese Behaglichkeit strahlt das auch im fertigen Zustand aus. Es kommen Leute in mein Haus, was rein aus Lehm und Holz besteht, und die fühlen sich auf eine Art wohl, die die nicht beschreiben können. Und ich weiß aber, was das ist. Das ist der Werkstoff, der das ausstrahlt. Es ist immer dann besonders interessant, wenn das klassische, ich nenne es jetzt mal Hardliner von früher sind, die ganz klare Prinzipien immer stellen, was so handwerkliche Ausführungen angeht und Normen und so weiter. Selbst die kommen in mein Haus und fühlen sich sehr, sehr wohl und nehmen sich plötzlich im Thema Leben ganz anders an, wenn die das mal gesehen haben. Deswegen lade ich auch eigentlich jeden, der es interessiert, zu mir nach Hause auf einen Kaffee ein, um sich das mal anzugucken und das zu fühlen. Ich hätte nie gedacht, dass der Lehmduft so eine Behaglichkeit ausstrahlt, vor allem eine Kühle im Sommer. Viel mehr als die Wärme im Winter, das hätte ich gar nicht gedacht.

Friedrich Idam:

Du bist ja eigentlich von Anfang an oder immer stärker zum handwerklichen Universalisten geworden. In der Baupraxis sehen wir umgekehrt häufig Spezialisten am Werk, die kaum über den Tellerrand ihres Gewerks hinaus blicken. Wie denkst du, würde sich die Baukultur verändern, wenn mehr Universalisten am Werk wären und weniger Spezialisten?

Claudio di Monaco:

Das würde vor allem zu weniger Wartezeiten führen. Also Wartezeiten aufgrund von irgendwelchen Terminunstimmigkeiten. Dieses starke Spezialisieren auf ein Gewerk oder auf eine Sache in einem Gewerk führt ja in den meisten Fällen dazu, dass der Satz fällt, das führen wir nicht aus oder das machen wir nicht. Dafür brauchst du einen anderen Handwerker. Und da sehe ich den großen Vorteil. Oder vor allem, da habe ich das größte Problem gesehen im Thema Fachwerkbau. Weil wenn ich jetzt da mal ein Beispiel aufmachen darf. Beim Fachwerkbau ist es so, dass wir häufig Reparaturen ausführen müssen. Und wenn wir am Fachwerk eine Kleinigkeit zu reparieren haben, dann kann ich da ja nicht einen Zimmermann dazu holen und einen Maurer und einen Putzer und einen Maler. Wie viele Gewerke, wie viele Menschen sollen an einer kleinen Reparatur eigentlich tätig sein? Das funktioniert gar nicht. Und deshalb befürworte ich einen Handwerker, der über genug Kenntnis verfügt, solche Reparaturen in Eigenregie und eigenständig auszuführen, weil das wäre wesentlich günstiger und wesentlich weniger nervenaufreibend für den Kunden im Endeffekt.

Friedrich Idam:

Und glaubst du, dass die Qualität darunter leiden würde? Also ich denke an so zwei Extreme. Einerseits lauter hochqualitative Arbeiten von wirklich Spezialisten, die auf ein Gewerk spezialisiert sind, aber die Fugen, die Übergangsbereiche zwischen den Gewerken quasi nicht definiert sind oder Probleme bilden. Oder alles aus einer Hand, wo vielleicht nicht mehr diese ganz speziellen Fertigkeiten in die Tiefe gehen. Was würdest du bevorzugen oder was glaubst du bevorzugen die Kunden? Weil ich denke, sind die Kunden im Regelfall so offen, dass sie da tolerant sind, wenn irgendwas nicht 100% normgerecht ist?

Claudio di Monaco:

Da erleben wir natürlich beide Seiten auch, aber grundlegend lässt sich da ja das Beispiel mit dem Fertighaus mal aufbringen. Die Tendenzen in Neubauten sind ganz stark in Richtung Fertighäuser gegangen und das ist ja im Endeffekt ein Kompromiss, eben weniger Qualität zu akzeptieren, aber dafür kostengünstiger und vor allem das große Argument ist ja immer der geringere Stressfaktor. Ein Fertigteilhaus kommt aus einer Hand in den meisten Fällen und fordert nicht von mir als Bauherren diese Koordinierung und diese verschiedenen, also diese Auseinandersetzung mit verschiedenen Gewerken. Und also grundlegend spüre ich einen sehr großen Bedarf an Arbeiten aus einer Hand. Das darf natürlich nicht mit mangelhafter Qualität zusammenhängen, das ist ganz klar, das muss man mal klar sagen, aber, braucht weniger Fachspezialisten. Das ist, glaube ich, sehr extrem in diese Richtung gegangen.

Friedrich Idam:

Ich denke ja, wenn man mit diesen ganzen Ansprüchen aus den Normen etwas herunterfahren würde und nach dem Prinzip der Simple Smart Buildings mehr bauen würde, denke ich, dass dieses einfache, gute, aber durchaus durchdachte Bauen meiner Meinung nach ja das Universalistentum fördern würde.

Claudio di Monaco:

Auf jeden Fall, ja. Das sehe ich ganz genauso wie du und das habe ich ja auch schon aus vorherigen Episoden raushören können und das ist im Endeffekt der Grund, warum wir hier zusammengekommen sind. Der Ansatz ist genau richtig. Vor allem muss man daher sagen, also es braucht solch eine Art Handwerker vor allem im kleineren Häuserbau, also im Einfamilienhausbau oder in den Altbau Sanierungsmaßnahmen für Familien. Weil das führt im Endeffekt auch zu günstigeren Wohnräumen, wenn wir uns da eben nicht so in diesen extremen Normstrukturen verrennen. Einen ganz anderen Vorteil, den das bringt, ist ja, dass wir damit auch so ein bisschen diesem Fachkräftemangel entgegenwirken. Weil wenn sich ein Betrieb in mehreren Punkten ein wenig annimmt, dann ist er auch in der Lage, im Prinzip mehrere Betriebe aus der Vergangenheit in der Zukunft zu vertreten. Das ist eigentlich auch nochmal der Schlüsselpunkt von dem Ganzen.

Friedrich Idam:

Ein ganz wichtiger Faktor wirklich zum Kostensparen – davon bin ich überzeugt - die wirtschaftlichen Zeiten, die auf uns zukommen, werden sicher nicht rosiger werden. Und ich denke, es wird für Durchschnittsverdiener immer schwieriger werden, sich Wohnraum zu schaffen. Und ich denke, es wird der Faktor Eigenleistung größer werden, damit man sich noch Wohnraum leisten kann. Wie geht es dir dabei, als einen Universalisten, als einen Handwerker, der auch andere Gewerke ausführt, als die, die du ursprünglich gelernt hast, wie geht es dir dabei, wenn ein Bauherr zu dir kommt und sagt, ich will einen Teil selber machen, zeig mir, wie das geht. Und ist da für dich die Bereitschaft da, Bauherrn das zu zeigen, zu akzeptieren, dass du vielleicht nicht den gesamten Auftrag bekommst? Bist du dazu grundsätzlich bereit oder bist du da eher der Typ, der sagt, Finger weg davon?

Claudio di Monaco:

Wenn ich mich so zurückerinnere an unsere, an die letzten mal, mindestens 10 Objekte, die wir gemacht haben, dann war immer zu gut 30 Prozent eine Eigenleistung mit inbegriffen. Da kann man auch recht einfach Kompromisse finden, wenn man sich zum Beispiel auf Stundenlohnarbeiten einigt, also Abrechnung nach Aufwand irgendwo für gewisse Arbeiten und für andere Arbeiten dann sagt, okay, das ist jetzt ein Teil der Arbeit, die betrifft nur uns, dann machen wir jetzt hier einen Quadratmeterpreis fest, aber die Arbeiten drumherum halten wir mal auf Stunden fest. Dann ist der Kompromiss oder die Einigung mit der Bauerschaft meistens so, dass ich sage: jede Arbeit, die die Bauerschaft uns entgegenbringt, sorgt dafür, dass im Endeffekt weniger Stunden gebraucht wurden. Und das spielt also dem Kunden in die Karten. Und so führen wir dann meistens das Ganze kostentechnischer aus. Aber mal rein vom Handwerklichen betrachtet, kann ich jetzt mal ein Beispiel nennen. Wir hatten einen Kunden, der hat eine sanierungsbedürftige Bruchsteinwand als Gartenabfangung gehabt. Und wir haben uns darauf geeinigt, dass wir zwei Arbeitstage mit diesem Kunden gemeinsam an seiner Bruchsteinwand arbeiten und haben quasi an dem Objekt selbst eine Art Seminar gemacht. Er durfte mit uns arbeiten, hat sich die Arbeitsmethoden abgeguckt, wir haben dem das Mischungsverhältnis passend zu seinem Stein erklärt und die restlichen Arbeiten wurden in Eigenleistung ausgeführt. Das Ergebnis ist wunderbar und uns stört das nicht. Also ich bin immer froh über Eigenleistung von Kundschaft, weil auch die Wertschätzung für diese Arbeit, die dahinter steckt, dann auch eine andere ist. So habe ich das immer erlebt. Also Kunden, die selbst Hand anlegen, schätzen das Ganze am Ende viel mehr als Kunden, die von Anfang an ein fertiges, tolles Ergebnis haben wollten und dafür gerne auch mehr Geld bezahlen. Das ist so die Erfahrung aus meiner Laufbahn bis jetzt.

Friedrich Idam:

Wird das tendenziell eher mehr, dass Kunden selber Hand anlegen wollen?

Claudio di Monaco:

Ja, ganz klar, weil das kann ich mir erklären mit den steigenden Lohnkosten. Der größte Faktor mittlerweile sind die Lohnkosten bei einem Bauvorhaben. Und da ist die Eigenleistung natürlich viel wertvoller geworden im Verhältnis als das früher mal war.

Friedrich Idam:

Aber natürlich brauchen die Kunden Handwerker so wie dich, die bereit sind für solche Modelle und die auch die innere Bereitschaft besitzen, ihr Wissen weiterzugeben.

Claudio di Monaco:

Ja, zum einen braucht es das und zum anderen muss man einfach sagen, auch das wirkt wieder diesem Fachkräftemangel entgegen. Und wir bilden natürlich jemanden damit aus, aber wir haben die Möglichkeit, dass sich Bauherrschaften selbst helfen können, bei kleinen Reparaturmaßnahmen und so weiter. Und das sorgt dafür, dass wir nun mal weniger mit solchen kleinen Sachen beschäftigt sind und dann mehr Zeit haben für die drastischen Maßnahmen, sage ich mal.

Friedrich Idam:

Du hast mir im Vorgespräch auch erzählt, dass du vor kurzem auf Instagram ein Video hochgeladen hast, wo es um das Anmischen von Kasein-Farbe geht. Machst du das öfter, dass du auch Social Media benutzt, um deine Inhalte, dein Wissen weiterzugeben?

Claudio di Monaco:

Absolut, ja. Also wir haben eine Kasein-Grundierung, also wir haben ein Rezept für eine KIasein-Grundierung da aufgelegt und das mal gezeigt, wie wir das so machen. Und die kommen auch tatsächlich am besten an, diese Dinge, die im Endeffekt möglich machen, etwas aus dem Video zu lernen und das auch selbst umzusetzen. Geheimnistuerei kommt meistens nicht so gut an. Also das reine Zeigen von Ergebnissen ist nicht so effektiv, wie das Prozess aufbringen. Zum Beispiel auch, was sehr gut ankam, war das Dämmen eines Fachwerkhauses mit Schilfrohrmatten. Das war auch etwas, was so was neu war, aber auch die Einfachheit gezeigt hat. Und die Möglichkeiten und wir zeigen da die Arbeitsschritte und wir zeigen da auch, wie wir das schneiden und wie wir da, das sind so die Kniffs und Tricks, die das Ganze vereinfachen und dafür sind unsere Viewer oft dankbar.

Friedrich Idam:

Also ich werde auf alle Fälle in die Shownotes zu dieser Episode einen Link zu eurem Instagram-Kanal stellen.

Claudio, ich danke dir sehr herzlich für dieses Gespräch.

Claudio di Monaco:

Ja, ich habe auch nur zu danken. Vielen Dank für diese tolle Möglichkeit, ja, Wissen zu teilen und auch für diese ganzen lehrreichen Dinge, die du uns hier allen aufbringst.

Über diesen Podcast

Simple Smart Buildings steht für Gebäude die einfach und dauerhaft gebaut sind. Für die Generationen vor uns war es ganz normal mit einfachen Mitteln dauerhafte Gebäude zu errichten. Diese Art zu bauen hat sich über Jahrhunderte bewährt und wir können daraus lernen. In den verschiedenen Regionen entwickelten sich aus lokal vorhandenen Baustoffen resiliente Baukonstruktionen und Gebäudetypen, welche Jahrhunderte überdauert haben und gerade deshalb immer noch eine hohe Nutzungsqualität bieten. Dieser Podcast erzählt von Möglichkeiten einfach gut zu bauen.
Ab Folge 140 ist für jede Episode ein redaktionell bearbeitetes Transskript hochgeladen.

Feed-URL
https://podcasted3e6b.podigee.io/feed/mp3

von und mit Friedrich Idam und Günther Kain

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