Simple Smart Buildings

Simple Smart Buildings

Transkript

Zurück zur Episode

Eine Hörerin aus Wien hat mir geschrieben: Balkone - ist die Errichtung von Balkonen aus Holz für ein Zinshaus möglich oder welche Materialien wären sinnvoll? Grundsätzlich sind vor der Errichtung eines Balkons an einem Zinshaus baurechtliche Fragen zu klären. Speziell für Wien wird man da einmal auf die MA 37 gehen, auf die Baubehörde, möglicherweise MA 19 Stadtgestaltung, möglicherweise oder sicher sogar MA 37S in der Dresdner Straße wegen der Statik. Und natürlich, wenn einem das Haus nicht selbst gehört, mit dem Eigentümer des Hauses abklären, ist es überhaupt erlaubt. Wenn diese rechtlichen Fragen geklärt sind, und das würde ich im Vorfeld einmal klären, bevor man sehr viel Energie in Planung und Überlegungen steckt und dann stellt sich heraus, es ist rechtlich gar nicht möglich, es ist hier viel Energie verpufft. Wenn das Rechtliche abgeklärt ist, natürlich geht das immer parallel, weil die wollen natürlich wissen, wie sollte der Balkon aussehen. Natürlich ist es eine Parallelaktion.

Wenn man sich jetzt wirklich einen Holzbalkon überlegt und da finde ich es ja sehr interessant von der Etymologie des Wortes Balkon, das dringt im 18. Jahrhundert aus dem Französischen ins Deutsche Balcon und da wiederum aus dem Italienischen und das Ganze hat aber eine, germanische Wurzel von Balchon, was der Balken bedeutet. Also ist der Balkon von seiner Bedeutung, von seiner sprachlichen Entwicklung eine Holzkonstruktion. Also so passt natürlich sehr gut zum Typus des Balkons. Das Problem, und das ist natürlich, denke ich, sehr augenfällig, sind die Verwitterungsaspekte von Holzkonstruktionen, die exponiert im Freien stehen.

Grundsätzlich ist natürlich auch die Frage vom statischen Konzept her, ist dieser Balkon nur für eine Wohneinheit oder sollte der für das ganze Zinshaus sein? Wenn er für das ganze Zinshaus ist, gibt es natürlich auch eine sehr interessante Option, dass man den Balkon vom Erdgeschoss, vom Boden weg aufbaut, sodass ähnlich wie bei den Salzkammergutvillen, wo diese Holzveranden, diese vorgesetzten Holzveranden auch von unten aufgesetzt sind und die ganze Gebäudehöhe hochgehen, also von der Bautypologie her einen sogenannten Risalit bilden, ist natürlich statisch das Einfachste, weil hier in erster Linie Druckkräfte auftreten und im Holzbau, in Holzkonstruktionen, sind Druckkräfte immer besser beherrschbar als Zugkräfte. Nicht weil Holz selbst schlecht zugbelastbar wäre, das funktioniert eigentlich bei Holz sehr gut, die Zugbelastung.

Vielleicht hier ein kleiner Einschub. Es gibt ja das Gedankenexperiment, wie lang müsste ein Stab sein, dass er durch sein Eigengewicht abreißt. Also stellen Sie sich vor, einen Stab wäre es an seinem oberen Ende aufgehängt und sehr lange und irgendwann einmal, Sie kennen das vielleicht von Teig, Stellen Sie sich vor, eine sehr lange Teigschlange, da wird es vielleicht schon im Meterbereich sein, dass dieser Teig durch sein Eigengewicht abreißt. Das ist letztlich das Verhältnis zwischen Masse pro Volumseinheit, also seiner Dichte, beziehungsweise natürlich der darauf wirkenden Kräfte und der Zugfestigkeit. Bei Holz ist das sehr günstig, weil Holz ist einerseits von seiner Masse pro Volumseinheit, also von seiner Dichte relativ leicht, sehr günstig durch seinen zellulären Aufbau. Umgekehrt besitzt es dazu im Verhältnis eine relativ große Zugfestigkeit und bei Holz ist dieser theoretische Stab, im Bereich von etwa 20 Kilometern, wenn man ein sehr zugfestes Holz hat, dann würde theoretisch dieser Stab erst durch sein Eigengewicht abreißen, wobei die Querschnittsfläche völlig unerheblich ist, weil sich das linear verhält. Also das heißt, ein Stab mit einer doppelt so großen Querschnittsfläche hat auch die doppelt so große Zugfestigkeit. Also das spielt dabei keine Rolle. Während wenn Sie zum Beispiel aus Stahl dieses Gedankenexperiment machen, ist ein herkömmlicher Stahl wird bereits im Bereich von sieben Kilometern reißen. Also da ist Holz von seiner Zugfestigkeit sehr gut. Das Problem bei Holzkonstruktionen sind die Holzverbindungen. Holzverbindungen auf Zug herzustellen, da gibt es natürlich alle möglichen formschlüssigen Verbindungen. Schwalbenschwänze. In der chinesischen, in der japanischen Holzbautradition gibt es hier sehr, sehr interessante, sehr ausgeklügelte Verbindungen, Verbindungen, die auf Zug belastbar sind, aber sie sind der Schwachpunkt und die reißen dann immer aus. Während umgekehrt, wenn man Holzknoten, Holzverbindungen auf Druck entwickelt, halten die sehr viel aus. Also wenn jetzt der Balkon aus irgendwelchen Möglichkeiten, weil die Mieter oberhalb und unterhalb eben keinen Balkon wollen und nur Sie bei Ihrer Wohneinheit einen Balkon möchten, dann müssen Sie eine sogenannte Kragkonstruktion entwickeln, eine sogenannte Konsole und bei diesen Kragkonstruktionen gibt es entweder die Möglichkeit, dass die von unten abgestützt wird, also dass diese Konsole die Stütze an ihrer Unterseite hat, das ist dann eine druckbelastete Konsole oder dass die Konsole von oben abgehängt wird und das ist dann zugbelastet.

Wenn jetzt natürlich die Verankerung, und das ist jetzt das nächste Thema, wie verbinden Sie diese Holzkonstruktion mit dem Gebäude? Bei einem klassischen Zinshaus, das sind die Außenwände kalkmörtelgebundenes Ziegelmauerwerk, da können Sie mit sogenannten Klebeankern sehr, sehr gute Verbindungen herstellen. Also Sie können hier tatsächlich das ins Mauerwerk sehr gut ausreichend verankern, dass das hält, natürlich auch bei modernen Bauten, wo zum Beispiel eine Stahlbetonkonstruktion ist, ist die Möglichkeit der Verankerung im Mauerwerk natürlich gut gegeben. Wenn aber jetzt dieser Balkon nur auf dem Niveau Ihrer Wohnung errichtet wird, dann bleibt Ihnen eigentlich nichts anderes übrig als eine Hängekonstruktion, denn wenn Sie eine druckbelastete Stützkonstruktion machen würden, dann wird der Fußboden des Balkons auf der Höhe des Fußbodens ihres Raumes sein.

Wobei, vielleicht hier auch ein kleiner Sidestep, es ist immer günstig, den Fußboden des Balkons etwas niedriger, idealerweise eine Stufenhöhe 16, 17 Zentimeter niedriger zu machen als das Fußbodenniveau ihrer Wohnung, denn wenn aus irgendwelchen Gründen Wasser, Regenwasser auf der Fläche des Balkons ist, ist dann die Gefahr, dass das in weiterer Folge in Ihre Wohnung eindringt, natürlich deutlich geringer, wenn hier diese Stufe Höhenunterschied ist. Allerdings natürlich, es ist dann nicht mehr barrierefrei. Aber so ist es immer bei diesen Planungen. Es ist, was man auf der einen Seite gewinnt, verliert man auf der anderen Seite. Es wird nie ein Optimum geben, es wird immer Abstriche geben, immer Kompromisse geben.

Das heißt, wenn Sie jetzt eine druckbelastete Konsole bauen wollen, dann brauchen Sie letztlich die Genehmigung, das Einverständnis des Mieters in der darunterliegenden Wohnung, weil Sie ja dann die Konsolkonstruktion einen Stock tiefer als Ihre Wohnung ausführen möchten. Der Mieter unterhalb wird im Regelfall auch unglücklich sein, wenn Sie den Balkon über ein Fenster seiner Wohnung machen, weil natürlich dann in diesem Raum eine entsprechende Beschattung, Abdunklung stattfindet. Und alternativ natürlich, wenn es eine extrem sonnenexponierte Südfassade ist, wo es zu Überhitzung kommt, wird möglicherweise der Mieter, die Mieterin in der darunterliegenden Wohnung sogar glücklich sein, wenn sie hier durch ihren Balkon eine Beschattung schaffen. Also auch hier wieder: reduziere ich den Lichteinfall oder schaffe ich eine Beschattung? Natürlich, wenn die Auskragung des Balkons so klug gewählt ist, dass im Sommer eine entsprechende Beschattung stattfindet, aber im Winterhalbjahr, wenn die Sonne tief steht, trotzdem das Licht reinkommt, könnte so ein Balkon auch für die Wohnung unterhalb durchaus auch ein Gewinn sein. Zur Balkontiefe vielleicht die Überlegung, je weiter der Balkon auskragt, desto schwieriger wird die Statik. Natürlich, je schmaler der Balkon wird, desto schlechter ist er nutzbar. Also Balkons, die vielleicht nur einen Meter Tiefe besitzen, nur einen Meter Auskragung, sind schlecht zu nutzen, weil ich denke, es wäre immer gut, wenn auf einem Balkon ein Tisch steht. Also die Möglichkeit sollte sein, also wenn Sie an eine Tiefe des Balkons von etwa, also rechnen Sie ein schmaler Tisch, vielleicht 80 Zentimeter Tischbreite, dann beidseits eine Sitzmöglichkeit, wo Sie auch nochmal 50 Zentimeter jeweils rechnen müssen, dann sind Sie etwa bei 180 cm.

Das wäre, denke ich, so ein vernünftiges Maß, 1,80 Meter bis 2 Meter für die Auskragung des Balkons. Recht viel weiter, da wird es dann statisch schon sehr, sehr schwierig. Umgekehrt, wenn die Möglichkeit nicht besteht, dass Sie diese Kragkonstruktion, diese Konsole, Stockwerk unter Ihrer Wohnung machen, dann wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben, als den Balkon abzuhängen. Das heißt, das ist dann eine zugbelastete Verbindung und da kommen dann andere Materialien als Holz ins Spiel. Da wird es dann nicht mehr möglich sein. Zumindest der Knoten wird dann eine Metallverbindung sein, also der Übergang des horizontal auskragenden Holzteils, des Balkens und des schräg von oben kommenden Zugelements ist zumindest der Knoten aus Metall. Aus Stahl oder auch ein Seil oder ein dünnes Stahlprofil. Auch hier natürlich bei diesen Metallteilen, bei diesen Stahlteilen ist es gut und sinnvoll, wenn die aus zumindest korrosionsbeständigen Materialien sind. Also gewöhnlicher Kohlenstoffstahl, der Baustahl, hat natürlich das Problem, dass er rostig wird. Also hier entweder zumindest verzinkte Stahlteile, elegant wäre natürlich rostfreier Stahl. Es gibt auch Stahlqualitäten wie zum Beispiel Cortenstähle, die dann relativ viel Kupfer zulegiert haben, die dann so eine Edelrostschicht an ihrer Oberfläche entwickeln und nicht weiter in die Tiefe korrodieren. Also auch hier bei der Materialwahl sehr gut überlegen, auch bei der Holzkonstruktion. Also es ist natürlich bei der Holzkonstruktion, bei der Holzauswahl sollte es ein witterungsbeständiges Holz sein, denn da gibt es Hölzer wie Lärche, Kiefer, Eiche, die durch ihren relativ hohen Gerbsäureanteil sehr witterungsbeständig sind. Es gibt Exotenhölzer, wie etwa Bangkirai, die sehr witterungsbeständig sind. Es gibt aber auch sogenanntes Thermoholz. Das ist Holz, das einer Thermobehandlung unterzogen wurde. Bei dieser Thermobehandlung wird das Holz zwei bis drei Tage bei relativ hohen Temperaturen, etwa 100 bis 140 Grad, in einer Thermokammer behandelt. Und da werden alle Holzinhaltsstoffe, die für Mikroorganismen interessant sind, ausgelaugt. Also auch solche Thermohölzer sind witterungsbeständiger verlieren allerdings durch diese Thermobehandlung auch einen Teil ihrer technischen Festigkeit. Also die sind dann natürlich nicht mehr so gut belastbar. Aber auch hier wieder das Problem, was auf der einen Seite gewonnen wird, geht auf der anderen Seite verloren.

Also ich persönlich habe auch einen Balkon errichtet und habe hier als Material die Lärche gewählt. Das Problem bei der Lärche, auch hier gibt es wieder ein Problem:

Wenn Sie hier vor allen Dingen sogenannte Seitenware verwenden, also Lärchenpfosten, die nicht aus der Mitte des Stamms stammen, sondern sehr, sehr weit am Rande des Baumstamms herausgesägt wurden, die eine sogenannte Flader-Textur zeigen. Da besteht natürlich das Problem, dass die splittern. In Österreich sagt man, dass sie sehr leicht dazu neigen, dass sich "Schiefern" bilden. Ich glaube, in Deutschland sagt man Splitter. Wenn man dann barfuß auf so einen Balkon geht, dass man sich gerne so einen, eigentlich leicht (gerne macht man es natürlich nicht), dass man sich sehr leicht seinen solchen Splitter in die Fußsohle - in Österreich, sagt man, einzieht in Deutschland, denke ich, vielleicht einrammt oder...

Da gibt es entweder die Möglichkeit, bewusst sogenannte Kernware mit stehenden Jahresringen zu wählen oder eben hier ein anderes Holz und da haben Sie aber natürlich wieder das Problem der geringeren Witterungsbeständigkeit.

So ist es sehr, sehr angenehm. Also ein Holzbalkon, der besonnt wurde, wenn das Holz die Sonnenwärme über den Tag gespeichert hat und man geht dann am Abend barfuß auf diesen Balkon, auf diese Holzfläche, ist das sehr, sehr fein und sehr, sehr angenehm. Das ist ein Phänomen, dass Holz diese Wärmeenergie auch wiederum mit einem Infrarotstrahlungsspektrum abgibt und dieses vom Holz emittierte Infrarotstrahlungsspektrum erlebt man als Mensch als sehr angenehm und sehr fein.

Eine Überlegung auch noch bei der Dimensionierung des Balkons ist die Geländerhöhe. Da ist es leider so, dass wenn Sie gerade in einem Zinshaus, in einem oberen Stockwerk einen Balkon errichten, dann müssen Sie nach Bauordnung möglicherweise die Brüstungshöhe sogar 110 cm, 120 cm machen, je nach Absturzhöhe. Das ist zwar vom Sicherheitsaspekt sehr gut, aber natürlich, wenn Sie dann am Balkon sitzt, am Tisch, ist die Brüstungshöhe bereits so hoch, dass Sie nicht mehr gut drüber sehen. Also es ist dann die Brüstung sehr deutlich in Ihrem Blickfeld. Da ist zumindest leider legal keine andere Lösung möglich. Ich persönlich bevorzuge, wenn es irgendwie möglich ist, niedrigere Balkonhöhen. Es gibt historische Gebäude, wo noch keine Bauvorschriften bestanden haben und in Klammer dazu gesagt, da sind auch keine Menschen hinuntergefallen, Klammer geschlossen. Da hat man diese Qualität, also ich kenne alte Balkonbrüstungen bei sogenannten "Gwandtnergängen" in den Salzkammerhäusern, da ist die Brüstungshöhe 80 Zentimeter und das ist natürlich, wenn man sitzt, man sieht wunderbar darüber, das ist sehr schön, Aber das ist leider im urbanen Bereich mit diesen strengen Bauvorschriften nicht mehr möglich. Das Material der Brüstung selbst ist am anfälligsten. Es geht ja hier beim Balkon aus Holz sehr, sehr um die Bewitterung. Also wenn man das konzipiert, ich glaube grundsätzlich auch sollte immer die Überlegung sein, dass der Regen nur im Idealfall senkrecht von oben nach unten fällt. Im Regelfall weht, wenn es regnet, auch der Wind, sodass die Regentropfen sich immer schräg bewegen und natürlich dann auch Teile beregnet werden, wo man es eigentlich in einem einfachen Gedankenmodell nicht erwartet. Besonders exponiert bei Holzbalkonen ist eben der sogenannte Brustladen oder die Brüstung des Balkons und die Bodenfläche des Balkons. Bei der Bodenfläche empfiehlt es sich, die Bretter nicht dicht aneinander zu legen oder gar mit Nut und Feder, sondern wirklich zumindest 5 bis 8 mm große Spalten zwischen diesen Bodenbrettern zu belassen, damit Regenwasser abbrinnen kann.

Grundsätzlich die gesamte Konstruktion, außer den ganz wesentlichen, tragenden Teilen, so zu bauen und so zu konzipieren, dass sie relativ leicht auswechselbar ist. Also wenn Sie den Balkon so konzipieren, dass Sie den Bodenbelag, wenn er nach 15, 20 Jahren verwittert ist, relativ leicht austauschen können, ohne dass Sie dabei andere Bauteile entfernen müssen, ist das sehr wichtig. Und auch die Konzeption der Bauteile selbst. Wenn Sie Holzverbindungen machen, immer darauf schauen, dass das Wasser nicht in die Holzverbindung eindringen kann. Also Klassiker sind zum Beispiel für die Steher des Geländers Zapfenlöcher, also sie stemmen in die horizontal auskragenden Teile dann vertikal nach unten reichende Zapfenlöcher, wo dann die Zapfen der Säulen, der Steher des Balkongeländers eingezapft sind, dann ist das natürlich ein klassischer Bauteil, eine klassische Holzverbindung, wo Regenwasser eindringen kann. Also zumindest das Zapfenloch so auszuführen, dass das Wasser unten wieder ausrinnen kann oder eben andere Verbindungen zu überlegen. Ein sehr schönes Beispiel für eine Holzkonstruktion, die eigentlich sehr, sehr lange hält, steht in Strengen am Arlberg. Das ist eine Brücke über die Rosanna, das ist eine Brücke aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und da ist jeder horizontale Holzteil zusätzlich mit einem darüberliegenden schrägen Brett geschützt. Und natürlich, und das ist jetzt das Entscheidende, diese Brücke hat auch ein Dach und ist an ihrer Wetterseite, also die Seite, wo am häufigsten der Regen schräg kommt, auch noch vertikal verbrettert. Wenn Sie das auf den Balkon übertragen, was ich so zu Beginn dieser Episode erzählt habe, man baut von unten einen Risaliten auf und wenn der oben noch ein Dach besitzt und dieses Dach auch noch einen entsprechenden Dachüberstand besitzt, dann ist natürlich die Konstruktion wesentlich besser geschützt, als wenn der Balkon frei wäre. Natürlich, je mehr Sie in diese Richtung des konstruktiven Holzschutzes arbeiten, ein Dach drüber, die sogenannte Wetterseite verbrettert wird der Balkon immer mehr zur Loggia. Er wird immer mehr eingehaust und das Gefühl, dass Sie sich vielleicht von einem Balkon erwarten, dass er völlig frei ist, geht dabei verloren.

Alternativ können Sie natürlich auch mit anderen Materialien arbeiten. Ich habe in meinem Haus einen Balkon gebaut, der war zumindest zu Beginn einige Jahre lang frei. Ich habe dann das nach oben weiterentwickelt, eine Auskragung, die ihn schützt. Aber ursprünglich war der einige Jahre völlig frei bewittert. Ich habe dann gemerkt, ja, die Brüstung der Brustladen war nach wenigen Jahren schon stark geschädigt. Und auch beim Boden habe ich schon von Anbeginn eine Lösung gewählt. Ich habe hier eine große Platte aus Aluminium-Riffelblech. Also Riffelblech, das ist ein Aluminiumblech mit einer Oberfläche. Das sind lauter feine Erhebungen, sodass es nicht rutschgefährdet ist. Und das ist eine Platte und die ist natürlich entsprechend dicht. Und das hat sich wirklich über - jetzt, glaube ich, schon über 20 Jahre bewährt oder 25 Jahre. Da ist das Holz darunter natürlich vollkommen in Ordnung, das sieht man gut dazu. Das Wasser kann abbrinnen, allerdings natürlich wiederum den Preis, dass dieses Aluminiumblech, wenn es besonnt wird, relativ schnell heiß wird und wenn es kalt ist, aus den Füßen, aus den Fußsohlen die Wärme heraussaugt, weil ja Aluminium ein so guter Wärmeleiter ist. Also diese angenehme Fußwärme, die Sie bei einem Holzboden haben, haben Sie bei so einer Konstruktion nicht. Umgekehrt natürlich wieder zurück - es ist länger haltbar. Also das zieht sich, glaube ich, fast als Motiv durch diese Episode durch. Immer, was man auf der einen Seite gewinnt, auf der anderen verliert.

Ich habe auch bei Brüstungen jetzt als Material verwendet, eben sogenannten Cortenstahl. Das ist dieser schon erwähnte, relativ mit einem hohen Kupferanteil legierte Stahl. Und der, finde ich, passt auch farblich, weil sich diese rot-braune Edeloxidschicht bildet, passt der auch farblich sehr gut zum Lärchenholz und ist natürlich extrem beständig.

Also vielleicht jetzt zusammenfassend, machen Sie durchaus die konstruktiven Teile in einer hochwertigen Metallkonstruktion. Und überlegen Sie sich die Teile, wenn Sie diesen guten, fußwarmen Balkonboden möchten, dann Holzelemente, die aber leicht austauschbar sind, wenn sie einmal entsprechend kaputt sind. Und für die Bodenteile, also für diese Pfosten, würde ich durchaus Stärken von 4 cm empfehlen, damit da zumindest einige Jahre eine gewisse Beständigkeit und auch statische Sicherheit gegeben ist. Und Sie haben es gehört, es gibt sehr viele Dinge dabei zu überlegen. Einerseits, was stellen Sie sich vor? Wie viel ist möglich? Wie viel akzeptieren die Eigentümer, die Baubehörde? Und unter diesen sehr, sehr vielen Rahmenbedingungen navigieren sie durch und finden dabei vielleicht den Balkon, der möglich ist und trotzdem sehr viele ihrer Vorstellungen und Erwartungen erfüllt.

Über diesen Podcast

Simple Smart Buildings steht für Gebäude die einfach und dauerhaft gebaut sind. Für die Generationen vor uns war es ganz normal mit einfachen Mitteln dauerhafte Gebäude zu errichten. Diese Art zu bauen hat sich über Jahrhunderte bewährt und wir können daraus lernen. In den verschiedenen Regionen entwickelten sich aus lokal vorhandenen Baustoffen resiliente Baukonstruktionen und Gebäudetypen, welche Jahrhunderte überdauert haben und gerade deshalb immer noch eine hohe Nutzungsqualität bieten. Dieser Podcast erzählt von Möglichkeiten einfach gut zu bauen.
Ab Folge 140 ist für jede Episode ein redaktionell bearbeitetes Transskript hochgeladen.

Feed-URL
https://podcasted3e6b.podigee.io/feed/mp3

von und mit Friedrich Idam und Günther Kain

Abonnieren

Follow us